Schon sechs Mal gestorben

Sie ist schon sechs Mal bestialisch ums Leben gekommen. Trotzdem ist Annika Strauß aus Reutlingen immer noch putzmunter. Kein Wunder. Die 26-jährige Studentin ist eine gefragte Horrorfilmdarstellerin.

|
Vorherige Inhalte
  • Sorgfältiges Schminken mit "Blut": Die 26-Jährige träumt von einer "seriösen" Filmkarriere. Fotos: Joachim Lenk 1/2
    Sorgfältiges Schminken mit "Blut": Die 26-Jährige träumt von einer "seriösen" Filmkarriere. Fotos: Joachim Lenk
  • Annika Strauß studiert in Tübingen Rhetorik. 2/2
    Annika Strauß studiert in Tübingen Rhetorik.
Nächste Inhalte

Annika Strauß studiert in Tübingen Rhetorik. Dezent geschminkt, ihre langen, schwarzen Haare zum Zopf gebunden und einem netten Lächeln auf den Lippen, lauscht sie der Vorlesung des Professors. Nur die wenigsten Kommilitonen um sie herum wissen, dass die Studentin auch ganz anders kann. Sie kann Angst und Schrecken verbreiten, dass einem die Haare zu Berge stehen und das Blut in den Adern gefriert. Als gefragte Horrorfilmdarstellerin mutiert die hübsche Schwäbin von nebenan zeitweise zur blutrünstigen Bestie, die mit langen Messern und anderen Werkzeugen auf ihre Mitmenschen losgeht.

Oft stirbt die 26-Jährige dabei einen schrecklichen Tod. Auf eine so brutale Weise, dass ihre Filme nicht im Fernsehen und nur selten im Kino zu sehen sind. Ihre DVD "La Petite Mort" wird mit den Adjektiven "krank und heftig" treffend beschrieben. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Nicht unerwähnt bleibt die Tatsache, dass Annikas Masterarbeit "Über die Ästhetik der Grausamkeit" handelt.

Kaum zu glauben, dass die Studentin erst seit drei Jahren in diesen Low-Budget-Filmen mitspielt. Kein Geringerer als der etablierte Horror-Film-Regisseur Marcel Walz hat in der jungen Frau inzwischen seine Lieblingsschauspielerin gefunden. Gemeinsam haben sie mehrere Independentfilme in Deutschland, auf Mallorca und in New York in deutscher und englischer Sprache abdreht. Weitere sollen folgen.

"Mich hat dieses Genre schon immer interessiert", erzählt Annika, die als Kind die Geisterbahn dem Kettenkarussell vorgezogen hat. In der Theater-AG der Schule bekam sie die erste Rolle in Maffays Märchen "Tabaluga und Lilli". In der ZDF-Produktion "Als Großvater Rita Hayworth liebte" spielte sie ein braves Mädchen.

Außer "Sissy" und "Sex in the City" schaute sich der Teenager damals schon "Psycho" und "Screem" an. "Nach solchen Filmen kann man im wahren Leben besser mit Stress umgehen", sagt die Reutlingerin überzeugt. In ihrer Freizeit schmökert sich übrigens am liebsten in klassischer Literatur.

Für Annika ist es eine Kunst, einen Film so transportieren zu können, dass man Angst und Gänsehaut bekommt. "Obwohl der Betrachter weiß, dass das auf der Leinwand nicht real ist." Für sie sei die "Tagesschau" schrecklicher. "Die Bilder, die man dort sieht, sind echt und nicht gestellt." Nach einer kurzen Stippvisite auf einer privaten Schauspielschule moderierte die junge Frau eine Zeit lang bei einem privaten Fernsehsender in der Region. "Durch Zufall und viel Glück" rutschte sie dann im Jahr 2008 ins Horror-Fach. "Regisseur Walz und ich spürten sofort, dass wir seelenverwandt sind", erzählt Annika rückblickend. Mit Walz hat sie die meisten Horror-, Kurzfilme und Thriller gedreht, die in ganz Europa Absatz finden.

Wer vermutet, dass sich die Schauspielerin mit so vielen Haupt- und Nebenrollen inzwischen eine goldene Nase verdient hat, der irrt. "Außer Spesen nichts gewesen", lautet das Motto bei Low-Budget-Filmen dieser Art. Bei Independentfilmen, die in der Regel in ein- bis zwei Wochen abgedreht sind und ein Budget von 10 000 bis 50 000 Euro zur Verfügung haben, müssen sich die Akteure mit einem freundlichen Händedruck und der Anerkennung der Fans zufriedengeben. Wenn jemand daran verdient, dann sind es Produzenten und Regisseure. "Ich mache das, um etwas vorweisen zu können. Ich brauche Referenzen", sagt Annika, die von einer "seriösen" Filmkarriere träumt. Historische Filme mit schönen Kostümen und Pferden, das wäre ihr Ding. Sie weiß, sie muss langsam aufpassen, um mit ihren Horrorgeschichten nicht ein Leben lang abgestempelt zu sein.

Derzeit arbeitet die 26-Jährige an ihrem ersten eigenen Drehbuch. Es geht um eine Frauenmotorradgang. Ein brutaler und gleichzeitig lustiger Steifen nach der Machart von "Mad Max", verrät Annika, die sich die Hauptrolle auf den Leib geschrieben hat. Drehbeginn ist im April. Und dieses Mal, so hofft sie, springen auch für sie ein paar Euro heraus. "Jetzt muss es mit dem Geldverdienen losgehen", sagt die Studentin selbstbewusst, die gerade in Bempflingen ihren Motorradführerschein macht.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

 „Mogli“ hilft den Pädagogen

Sechs weitere Projekte im laufenden Jahr unterstützt das Spendenparlament mit insgesamt 12 885 Euro. weiter lesen