Schon fünf nach zwölf

"Es geht hier nicht um das Schwarze-Peter-Spiel", sagt Gabriele Janz. Nutzer des Hochschulbädles auf dem Campus haben jetzt Alarm geschlagen, denn der Fortbestand ist nach wie vor ungeklärt.

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Die Teilnehmer des Pressegesprächs in den Räumen der Kreishandwerkerschaft kritisieren, dass sich niemand um das Thema "Hochschulbädle" auf dem Campus kümmert und ihm möglicherweise dasselbe Schicksal droht wie dem Bad in Behindertenheim Rappertshofen.  Foto: 

"Es gibt für uns Nutzer keine Alternative zum Hochschulbädle in Reutlingen, nicht mal im ganzen Landkreis", waren sich die Teilnehmer des Pressegesprächs am Dienstag einig. Nun habe es zwar einen Runden Tisch gegeben, in den alle Beteiligten hoffnungsvoll gestartet waren, wie Irmela Theurer-Weigele vom Haus der Familie berichtete.

Doch nach dreimaligem Zusammenkommen sei von dieser Hoffnung nicht mehr viel übrig geblieben, denn: "Niemand will Verantwortung übernehmen", sagte Rosemarie Henes klipp und klar. "Für mich ist es ja einsichtig, dass ein Landesfinanzministerium als Besitzer des Bads kein Hallenbad in Reutlingen betreiben will." Aber: Es findet sich laut Henes sonst auch niemand, der Verantwortung übernehmen wolle, denn "Stadt und Landkreis schieben sie zwischen sich hin und her".

Dabei seien im Fall des Bädles auf dem Gelände der Reutlinger Hochschule vielleicht neue Denkansätze gefragt, wie Albrecht Tappe als Geschäftsführer der TSG-Inklusiv anregte. Es gebe in anderen Städten durchaus Vereine, die die Trägerschaft von Bädern übernommen hätten. Vielleicht könnte aber auch ein ganz anderes Modell gefunden werden, wie Achim Scherzinger als Geschäftsführer des Paritätischen betonte. An den Sozialverband hatten sich die Bädle-Nutzer mit der Bitte um Hilfe schon gleich zu Beginn gewandt, als bekannt wurde, dass die Fakultät für Sonderpädagogik als Träger des Hallenbads aus Reutlingen weggehen würde.

Zudem hatte sich Heidemarie Haarmann von der Rheuma-Liga "Anfang des Jahres persönlich an Finanzminister Schmid gewandt", wie die Vereinsvorsitzende gestern als Vertreterin für die größte Nutzergruppe des Bädles betonte - mehr als 600 Rheuma-Patienten seien auf das warme Wasser in dem kleinen Hallenbad dringend angewiesen. "Manche können sich ohne gar nicht bewegen." Ähnlich ergehe es auch einigen behinderten Nutzern von BAFF etwa oder von der TSG-Inklusiv, wie Rosemarie Henes und Dr. Martin Sowa betonten.

Nils Schmid habe Haarmann beim persönlichen Aufeinandertreffen zugesagt, er werde helfen. "Seitdem ist nichts passiert, obwohl ich mehrfach nachgefragt habe." Mittlerweile sei es nicht mehr fünf vor, sondern bereits fünf nach zwölf. Schließlich stehe immer noch die Zusage im Raum, dass bis nach den Sommerferien 2016 das Bädle auf jeden Fall geöffnet bleiben werde. Und danach? Dazu müssten laut Dr. Martin Sowa von der TSG-Inklusiv zunächst mal klare Bekenntnisse abgegeben werden: "Wir bräuchten die Haltung, dass da ein Problem ist, das gelöst werden will." Momentan verhielten sich Stadt wie Landkreis und Finanzminister Nils Schmid abwartend bis abwehrend.

"Es geht hier doch nicht um das Schwarze-Peter-Spiel", sagte Gabriele Janz als Vertreterin des Paritätischen. "Wir bräuchten die Offenheit und einen Zeitraum, um Ideen zu entwickeln." Die nächste Sitzung des Runden Tisches im Januar sei eine Möglichkeit dazu. Ihre Bedenken hatten die Bad-Nutzer am Dienstag formuliert, immer mit dem Hintergedanken im Kopf, "dass es hoffentlich nicht so läuft wie beim Bad in Rappertshofen", betonte Albrecht Tappe. "Vor zehn Jahren saßen wir nämlich schon mal hier und haben darüber diskutiert, dass das Bädle in Rappertshofen nicht schließen dürfe." Das Ergebnis ist bekannt, das Bad wurde zugemacht.

Eines sei klar: "Hier geht es um Barrierefreiheit, um Gleichheit und auch um Inklusion", sagte Sowa. Dabei sei es eine Illusion, dass Inklusion nichts kosten werde. Zahlen zu den Betriebskosten und auch zu eventuellen Renovierungsgeldern seien den Nutzern bislang vom Finanzministerium vorenthalten worden, so Henes. "Wenn alle Nein zur Zukunft des Bädles sagen, dann müssten wir in die Gönninger Seen gehen", spottete Sowa.

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