Schnurbäume im Bürgerpark

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Rindenablösung am Schnurbaum.  Foto: 

Wenn die Außenanlage - der so genannte Bürgerpark - um die Stadthalle herum irgendwann komplett fertiggestellt sein wird, stehen da auf für sie extremen Standorten 130 Japanische Schnurbäume. Als einzige Gehölzart auf weiter Flur. Klaus Kessler aus der Stadthallen-Projektgruppe und Urs Müller-Meßner vom Stuttgarter Büro Kienle-Plan hatten die Bäume in der im niedersächsischen Bad Zwischenahn ansässigen Baumschule Bruns höchstpersönlich ausgesucht und reservieren lassen.

Schon die ersten rund 40 Bäume hatte die Stadt auf eigene Rechnung geliefert und von der aus Villingen-Schwenningen stammenden Firma Willi Meyer bis Mitte Dezember 2012 pflanzen lassen. Die Abnahme wurde auf der Baustelle durch das Büro Kienle vorgenommen. Eine zweite Lieferung für den Bereich zwischen Stadthalle und Echaz erfolgte dann Mitte Juni 2013. Abnahme und Pflanzung der 26 Exemplare gingen wie zum ersten Pflanzabschnitt vonstatten.

Kurz darauf und damit noch vor dem Hagelsturm am 28. Juli des Jahres machte ein externer Fachmann auf die nahezu durchgängig mindere Qualität dieser Bäume aufmerksam. Schnurbäume, deren Triebe im Kronenbereich vermutlich schon vor Jahren beschädigt oder zurückgetrocknet, zurückgeschnitten worden waren. "Die Bäume sind vor ihrem Transport entsprechend geschnitten worden", soll der Kienle-Bauleiter auf Nachfrage argumentiert haben. Während ein Baumschulbesitzer aus der Region hinter vorgehaltener Hand sagte, dass eine solch "miese Qualität" nicht sein dürfe, war aus dem Rathaus zu hören: "Wir sind mit der Qualität der zuletzt gepflanzten Bäume nicht zufrieden und werden sie jetzt erst mal ein Jahr lang unter die Lupe nehmen." Eine absolut zutreffende Aussage, die damals einigen Rathaus-Staub aufwirbelte.

Ab dem Frühjahr 2014 waren sie nicht mehr zu übersehen, die zwischenzeitlich an vielen der gepflanzten Schnurbäume entstandenen Schadbilder. Größere, bis ins Kambium hineinreichende Rindenablösungen, mit weichen Stellen drumherum. Dazu zahlreiche kleinere, aber tiefgreifende Löcher und Risse an den Stämmen der einst von den Planern als "sehr pflegeleicht" eingestuften Exoten.

Mitarbeiter des städtischen Amtes für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt schwiegen zu diesem Thema pflichtgemäß. Ihnen waren die Schäden aber schon seit Ende März bekannt. "Erste intensive Untersuchungen laufen. In etwa vier Wochen werden wir mehr wissen, jetzt ist alles noch Spekulation", hieß es Ende April.

Während man bei der Stadt noch dem Hagelsturm den schwarzen Peter zuschob - "die Triebe wurden vom Hagel abgeschossen" -, stand für Fachleute des hiesigen Garten- und Landschaftsbaus sowie zweier Baumschulen der Region längst fest, dass die gravierenden Schäden nicht nur Folge des Hagels sein können. Das auch deshalb, weil selbst vom Hagel nicht erreichte Bäume die gleichen Schadbilder aufweisen.

Vandalismus schied für sie aus. Vielmehr machten sie auf die mit nur acht Kubikmeter viel zu kleinen Baumquartiere, auf den Hitze abstrahlenden wasserundurchlässigen Belag und die zumindest in den ersten zwei bis drei Jahren zu tief liegende Bewässerungs-Ringleitung um die Wurzelballen herum aufmerksam. Auch darauf, dass selbige anfangs längere Zeit nicht genutzt werden konnte.

Die Pressestelle meldete sich auf Anfrage Mitte Mai 2014 zu Wort. Ein Ortstermin mit dem Büro Kienle Plan, einem Vertreter der liefernden Baumschule und Vertretern der Stadt habe zwischenzeitlich stattgefunden. Dabei sei vereinbart worden, "einen staatlich geprüften Gutachter zu beauftragen, um die Ursachen der Rindenschäden herauszufinden". Auf der Grundlage seines ausgearbeiteten Angebots ging der Auftrag an den öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für Baumpflege, Baumstatik und Gehölzwertermittlung sowie Bodenanalytik im Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, Roland Degler aus Lauf an der Pegnitz.

Am 19. August fand dann ein erster Erörterungstermin statt. In Anwesenheit aller an der Lieferung und der Pflanzung beteiligten Firmen und Büros verschaffte sich der Gutachter, so war aus dem Rathaus zu vernehmen, "einen ersten Überblick, alle weiteren Untersuchungsschritte wurden festgelegt". Eine Aussage, bis wann die Ergebnisse vorliegen, konnte damals nicht getroffen werden. "Mit den vertieften Untersuchungen soll noch dieses Jahr begonnen werden", war aus dem zuständigen städtischen Amt zu hören. Doch dazu sollte es bis heute nicht kommen.

Auskunft zu den "gutachterlichen Untersuchungen" in Sachen Schnurbäume kam kürzlich von Katrin Korth, der stellvertretenden Leiterin des Amtes Tiefbau, Grünflächen und Umwelt. Auf Anfrage teilte sie schriftlich mit: "Da so ein Gutachten mehrere Bearbeitungsschritte mit mehreren Betrachtungszeiträumen umfasst, wird ein weiterer Termin im Frühjahr stattfinden. Wir gehen davon aus, dass anschließend noch weitere Schritte notwendig sind. Aktuell haben wir noch keine belastbaren Erkenntnisse." Wie es um die Gewährleistungspflicht der, was die Pflegebedürftigkeit anbelangt, nicht unumstrittenen Schnurbäume bestellt ist, dazu war nichts Konkretes zu hören. Wohl schwierig, zumal für Planung, Lieferung, Abnahme und Pflanzung sowie zwischenzeitliche Bewässerung und Düngung der Bäume jeweils andere zuständig waren. Die Rindenschäden indes sind nicht weniger geworden. Vielmehr tragen Frost, Nässe und eventuell in die Wunden eindringende Pilze und Schädlinge dazu bei, dass sich diese ausweiten und die Schnurbäume noch weiter leiden lassen.

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