Schere besser als Spritzmittel

Der Obst- und Gartenbauverein hatte zur Frühjahrsveranstaltung ,,Schnittunterweisung Beerenobst" in seinen Mustergarten auf der Pomologie eingeladen. 32 Interessierte kamen und lernten eifrig dazu.

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Er zeigte den Teilnehmern, wies geht: Schnittkurs-Leiter Bodo Kablau, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins. Foto: Dietmar Czapalla

Bei herrlich frühlingshaftem Wetter kamen am vergangenen Samstag insgesamt 32 Interessierte zu der vom Reutlinger Obst- und Gartenbauverein angebotenen Schnittunterweisung in Sachen Beerenobst. Der ging in dem seit der Landesgartenschau 1984 bestehenden Mustergarten des Vereins auf der Pomologie über die Bühne. Zwölf weitere Parkbesucher kamen zeitweise hinzu.

Vorsitzender Bodo Kablau hatte auf einem Tisch vor der Hütte einiges vorbereitet, erläuterte zu Beginn Sinn und Zweck des Mustergartens und vergaß auch nicht auf den Begründer der Pomologie, Eduard Lucas, einzugehen. Kablau legte den Teilnehmern diverse Fachliteratur ans Herz und stellte mit Scheren und Sägen das richtige Werkzeug vor. "Kaufen sie keine Billigangebote, sondern geben sie dafür lieber ein paar Euro mehr aus. Gutes Werkzeug ist die halbe Arbeit", betonte er und führte unterschiedliches Bindematerial vor Augen.

Als Leiter der Schnitteinweisung machte sich Kablau als erstes an einem Josta-Beerenstrauch - eine Kreuzung aus einer schwarzen Johannisbeere und Brombeere - zu schaffen. Dabei anfallende Triebe durften als begehrte Steckhölzer umsonst mit nach Hause genommen werden.

Seinen Zuhörern berichtete Kablau über die ganze Palette: richtiger Schnitt, Düngung, Pflanzenhygiene, Vor- und Nachteile verschiedener Sorten, Wüchsigkeit, Aroma, Bekämpfung von Pilzkrankheiten, Milben und Läuse - "mit der Schere rausschneiden, das ist besser als Spritzmittel". Hagelschäden allenthalben. Auch während er danach den fast 30 Jahre alten roten und schwarzen Johannisbeeren mit einer aus Finnland stammenden und im Fachhandel erhältlichen Fiskars-Astschere zu Leibe rückte, informierte er über vieles rund um die Beerensträucher.

Dabei vergaß Kablau auch nicht, den Teilnehmern, darunter 14 Frauen, die Angst vor mit Flechten überzogenen Zweigen zu nehmen. "Lassen Sie sie dran, das sind Anzeiger für gute Luft." Die Teilnehmer fragten nach, machten sich Notizen und bekamen von Kablau auch Schriftliches mit auf den Heimweg.

Auch während danach im vergangenen Herbst neu gepflanzte Stachelbeer- und diverse Himmbeeren besprochen wurden, gelang es Kablau mit seiner durch Humor gewürzten fachlichen Kompetenz, die Naturfreunde in seinen Bann zu ziehen. Am Beispiel von dornigen und dornlosen Brombeeren verwies er auf einiges, was zu entfernen oder kräftig zurückzuschneiden ist, "wenn man im Sommer ordentlich Früchte für den Kuchen oder Saft ernten will".

Am Ende der Schnittunterweisung am Samstag war noch kurz das Spalierobst des Mustergartens an der Reihe. Kablau entfernte vom Hagel geschädigtes Holz, lichtete aus, schnitt zurück und verschaffte Luft "damit auch bei denen die Sonne gut rankommt".

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