Rückkehr einer Kandidatin

Sie ist die Rückkehrerin. Die, die schon aufgegeben hatte. Nun kandidiert Sabine Lauffer wieder, will Bürgermeisterin in Pfullingen werden. Und sie glaubt: "Die Bevölkerung steht auf meiner Seite."

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Sabine Lauffer ist zurück im Bürgermeister-Wahlkampf.  Foto: 

Seit 34 Jahren ist Sabine Lauffer mit ihrem Mann zusammen. Das zeuge doch von viel Verständnis fürs Solide, findet sie. "Wenn man sich für etwas entscheidet, dann bleibt man dabei", sagt sie. Und öffnet damit Tür und Tor für eine Frage, die sich spontan aufdrängt. Wenn es zu ihren Charaktereigenschaften gehört, dabei zu bleiben - warum hat sie dann ihre Kandidatur zurückgezogen und ist jetzt wieder in den Wahlkampf eingestiegen? Natürlich weiß die 55-Jährige um die Schwachstelle in ihrer Argumentationskette. "Dass ich zurückgezogen habe, lag daran, dass man gewisse Dinge an mich herangetragen hat. Aber das war heiße Luft."

Kaum war die verpufft, hat sich die Baden-Badenerin eines besseren besonnen. "Weil ich ein so starkes Feedback bekommen habe. Ich habe gemerkt, dass die Bevölkerung auf meiner Seite steht." Also hat sie den Hut wieder in den Ring geworfen und "wahlkämpft" nun tagtäglich in der Echazstadt. Sie stellt sich auf den Wochenmarkt, geht zu Fuß- und Handballspielen und steht am Telefon und per Mail für Fragen zur Verfügung.

"In Pfullingen kann ich was bewegen, es hat die richtige Größe und ich bin überzeugte Schwäbin", begründet sie, die Kommunen in Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung berät und Lehrbeauftragte für Verwaltungs-Management an der Dualen Hochschule in Mannheim ist, ihre Kandidatur. In Gesprächen vor Ort, aber auch via Telefon und Internet hat sie inzwischen viel über die Bedürfnisse und Problemlagen der Pfullinger erfahren.

"Bezahlbarer Wohnraum nicht nur für sozial Schwache, sondern auch für ganz normale Familien fehlt", weiß sie. Pflege- und Betreuungsangebote für Senioren sind wichtig und eine Jugend-Bürgermeister-Sprechstunde will sie einführen. Selbst über ein Jugendhaus hat Lauffer schon nachgedacht. Und auch die weibliche Klientel vergisst sie nicht. "Ich stehe für ein frauenfreundliches Pfullingen, in dem Mütter das Gefühl haben, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind", sagt die Kandidatin.

Lauffers To-Do-Liste ist lang: Attraktive Standorteigenschaften für Unternehmen schaffen - also Wohnraum, Betreuung, Kultur und Bildung anbieten -, Gewerbe nachhaltig ansiedeln, die Innenstadt entwickeln. All das hat sie sich vorgenommen. "Es muss eine erlebenswerte Stadtmitte sein mit Fachgeschäften", findet sie. Wobei Lauffer ihr Augenmerk nicht nur auf Großprojekte legt. "Es geht mir auch um die kleinen Dinge. Wie zum Beispiel die Gehsteige abzusenken, damit die Innenstadt barrierefrei ist."

Genau da würde sie auch mit der praktischen Arbeit des Gemeinderates ansetzen. "Da könnte man doch mal eine Ortsbegehung machen. Jeder Stadtrat bekommt einen Rollator", schlägt Lauffer vor. Dann könne man schnell selbst erfahren, wo es in der Innenstadt hapert mit der Barrierefreiheit.

Die 55-Jährige weiß indes auch darum, wie wichtig das Ehrenamt für Pfullingen ist. "Vieles, was die Ehrenamtlichen tun, könnte die Stadt finanziell wie ideell gar nicht leisten." Weshalb die Baden-Badenerin auch künftig die Vereine und überhaupt alle Ehrenamtlichen unterstützen möchte.

Dass all das Geld kostet, ist auch ihr klar. Trotzdem: Lauffer würde gern sparen und Schulden abbauen. Um das zu schaffen, sagt sie, muss man schauen, wo die Pflichtaufgaben sind und was in Pfullingen verzichtbarer Luxus ist. Allerdings hat die Kandidatin beim Durchlesen des städtischen Haushaltsplanes schnell entdeckt, dass da nicht allzu viel Überflüssiges zu finden ist. "Aber es ist eben wichtig, immer wieder darüber nachzudenken, was man braucht." Ein finanzielles Polster im Pfullinger Etat ist für Lauffer eine Notwendigkeit. Schon allein, um als Stadt selbstständig agieren zu können.

Geld würde sie freilich auch in die Hand nehmen, um den sanften Tourismus in Pfullingen auszubauen. "Aus der Lage lässt sich doch etwas machen", sagt sie, die die Echaz-Stadt als Tor zur Schwäbischen Alb sieht - und das "mitten im Biosphärengebiet." Flyer und Werbemittel, wie die Pfullinger sie bereits haben, seien "ein netter Anfang, aber eben nur ein Baustein."

Sabine Lauffer, scheint es, ist in Pfullingen angekommen. Und vor allem eines ist ihr in den vergangenen Tagen immer wieder aufgefallen. "Viele ältere Frauen kommen auf mich zu und sagen: Wir wollen eine politische Stimme haben". Für Lauffer Ansporn weiterzumachen, nicht nochmal zurückzuziehen.

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