Riesiger Aufwand für ein wenig Eisenbahnglück

Noch ein letztes Mal in diesem Jahr mit der Dampflok von Reutlingen nach Betzingen fahren - das lockte gestern einmal mehr zahlreiche Besucher zu den Zahnradfreunden am Westbahnhof.

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Die Freunde der Zahnradbahn Honau-Lichtenstein trafen sich zum "Werkstatt-Kehraus".  Foto: 

Die alte Lok 97501 aus dem Jahr 1922 hat die Kesselprüfung in diesem Jahr bestanden, wie Herbert Maier am Sonntag betonte. "Wir werden zwischen Weihnachten und Neujahr damit beginnen, die kleineren Schäden zu beheben", betonte der Vereinsvorsitzende der "Freunde der Zahnradbahn Honau-Lichtenstein".

Zuvor galt es aber, gründlich die Werkstatt zu säubern, "wenn so viele Leute ein Jahr lang hier rumwerkeln, da sammelt sich schon einiges an", schmunzelte Maier. Zum gemeinsamen Putzen aufzurufen - "das funktioniert aber eh nicht", sagte er und lachte. "Deshalb haben wir uns überlegt, ein Werkstatt-Kehraus zu machen", mit Essen und Trinken und ein wenig Drumherum - damit auch Nicht-Vereinsmitglieder sich angesprochen fühlen. Dazu sollte aber die Hütte natürlich sauber sein.

Michael Staiger hatte für gestern eine filmische Präsentation der Vereinsgeschichte vorgeführt, dazu gab es eine Ausstellung mit Fotos von diversen Aktivitäten der Zahnradfreunde. Und sonst? Bekannte treffen, gemütlich zusammensitzen, sich über Eisenbahnen unterhalten, fachsimpeln oder auch mit der alten Dampflok und einem historischen Wagen durch die Gegend fahren lassen. Dass das dampfende, schnaufende Ungetüm auf Schienen seinen Reiz auch beim kleinen Publikum wohl nie verlieren wird, zeigte sich auch gestern wieder.

Wie Herbert Maier zu diesem außergewöhnlichen Hobby gekommen ist? "Über die Modelleisenbahn", sagte er etwas zögerlich. Dann erinnert er sich aber an die Ausflüge in seiner Kindheit und Jugend, "da ging's ja ständig mit der Bahn rauf auf die Alb, mit der Schulklasse, an den Wochenenden mit der Familie und natürlich auch zum Skifahren". Der Gedanke an die Zahnradbahn sei in den älteren Generationen übrigens noch tief verwurzelt, betont Maier. Als er wenige Jahre nach der Gründung dem Verein beitrat, "war für mich die Eisenbahn nicht mehr im Maßstab 1:87, sondern dann 1:1". Dass sich allerdings so viele Probleme auftun würden bei der 25 Jahre währenden Restaurierung der historischen Dampflok, damit hätte Herbert Maier auch nie gerechnet.

"Und das wird selbst jetzt immer mehr", sagt er. Dabei entwickelte er sich im Lauf der Jahrzehnte als gelernter Mechaniker ja nicht "nur" zum Lokomotiv-Spezialisten, sondern obendrein auch noch zum Bürokratie- und Verwaltungs-Fachmann. Unglaublich, was da an Anträgen, Genehmigungen, Vollmachten, Zulassungen und weit mehr vonnöten ist, um etwa die Lok ein paar Meter bewegen zu dürfen. Oder um eine Arbeitsgrube auszuheben: "Da war ein Statiker da, der hat alles geprüft, gemessen und sein Okay gegeben, doch dann kam noch mal der Statiker von Eisenbahnbundesamt."

Fachmann ist Maier erstaunlicherweise aber auch für Unkrautvernichtung: "Wir beseitigen ja auf der Strecke Reutlingen-Betzingen das Unkraut", sagt er. Das könne aber nicht einfach so geschehen, unzählige Vorschriften gelte es zu beachten, welche Mittel ausgebracht, welche Düsen und wie viele Tropfen verwendet werden - erst mit Verzögerung habe es schließlich eine Ausnahmegenehmigung gegeben, damit die Lok mitsamt Waggon und Spritzvorrichtung nicht beim TÜV habe vorfahren müssen.

All der Aufwand, auch die 25 Jahre schrauben, werkeln, all die aufwendige Suche nach Ersatzteilen, nach Fachleuten, die gewisse Dinge sozusagen "old-fashioned" herstellen könnten - all das lohnt sich laut Maier aber, wenn solche Highlights wie im ablaufenden Jahr anstehen: Eine Ausfahrt mit der Lok zum befreundeten Verein nach Blumberg. Da strahlt Herbert Maier über alle Maßen, vier Wochen waren die Zahnradfreunde an der Schweizer Grenze, bis zu zehn Wagen hat die Reutlinger Lok gezogen. Und zwar problemlos. Was für eine Freude.

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