Riesige Chancen für das Handwerk?

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Kreishandwerksmeister Dieter Laible blickt zuversichtlich in die Zukunft. Foto: Norbert Leister  Foto: 

Die Chancen, die sich aus der Digitalisierung für das Handwerk ergeben, sind nach den Worten von Professor Heiner Lasi riesig groß. Der Leiter des Ferdinand-Steinbeis-Instituts sei zum ersten Mal vom Handwerk eingeladen worden, ansonsten immer „nur“ von der Industrie. „Über Ihre Einladung freue ich mich sehr“, so Lasi. Das Thema der Digitalisierung sei nämlich nicht allein eines der industriellen Produktion, wie der Titel „Industrie 4.0“ nahelegen könnte. „Die gesamte Gesellschaft ist durch die Digitalisierung verändert worden“, sagte der Professor am Donnerstagabend beim Neujahrsempfang der Reutlinger Kreishandwerkerschaft (KHS) im Domino-Haus.

Ein Beispiel für diese Behauptung? Da reiche der Blick auf Smartphones und Tablets, die heutzutage nahezu jeder Mensch mit sich herumtrage. Telefonieren wird mit diesen Apparaten zur Randerscheinung, in den Fokus rücken immer mehr die Funktionen der Nachrichten- und Informationsverbreitung sowie des Datensammelns. Jeder Vater könne laut Lasi mit einem simplen Smartphone jederzeit sehen, wo sich sein Kind zu welchem Zeitpunkt aufhält. Oder der Handwerksmeister schaut nach, wo auf welcher Baustelle sich welche seiner Maschinen befindet, ob sie in Betrieb ist oder andernorts eingesetzt werden könnten. In der Industrie 4.0 werde die „autonome, sich selbst organisierende Produktion“ genutzt, um den Herstellungsprozess „noch effizienter und flexibler zu gestalten“, sagte Lasi. Genau das sei das Ziel, das hinter der Nutzung der Digitalisierung stecke.

Ob das auch im Handwerk möglich sei? So manche Stirn der anwesenden Handwerksmeister legte sich da in Falten. Hinter alldem steht laut Lasi die Frage: „Wo findet Wertschöpfung künftig statt?“ Wenn nämlich alle möglichen Produkte nicht mehr in einem mehr oder weniger aufwendigen Verfahren hergestellt werden, sondern einfach aus dem 3D-Drucker geformt werden? Oder wenn der Lebensmittel-Einzelhandel sich auf gravierende Veränderungen einstellen muss, wenn Kühlschrank, Backofen oder Brotbackmaschine mit dem Supermarkt kommunizieren, Nachschub ordern oder für bestimmte Rezepte genau die richtige Menge für zwei Personen geliefert haben wollen? „Das ist eine Riesenchance für den Einzelhandel“, so Lasis Fazit. Andere Chancen für Elektriker, Zimmerleute oder Schreiner? Wenn die eingesetzten Maschinen sich selbst dokumentieren – wenn etwa genau protokolliert wird, wie viele Löcher gebohrt, wie viele Kabel wo verlegt wurden und die Bohrmaschine selbständig den Verschleiß eines Bohrers meldet und beim Handel einen neuen bestellt. „Wir wissen heute noch gar nicht, welchen Nutzen in welchem Ausmaß das Handwerk durch die Digitalisierung haben kann“, betonte der Leiter des Steinbeis-Instituts. „Das Handwerk hat die Möglichkeit, in der Wertschöpfungskette Partner auf Augenhöhe zu werden.“ Voraussetzung dafür sei allerdings: „Das Handwerk muss die Partnerschaft aktiv gestalten“, so Lasi. Und nicht auf die speziell für das Handwerk entwickelte Technologien warten – „die gibt es doch schon“. Gemeinsam mit IT-Partnern müsse auch die Kreishandwerkerschaft sich auf den Weg machen, nach Möglichkeiten und Chancen zu suchen, um mit der Digitalisierung Geld zu verdienen.

„Wir können mit dem vergangenen Jahr zufrieden sein“, betonte Reutlingens Kreishandwerksmeister Dieter Laible. Auch 2017 werde sich wohl wenig ändern, „wir blicken mit großer Zuversicht in das neue Jahr“. Dabei zeigte sich Laible verwundert, „wie robust die wirtschaftliche Entwicklung unserer Volkswirtschaft insgesamt ist“. Warum? „Krisenherde auf der ganzen Welt, politische Unsicherheiten sowie die Terrorgefahr“ hätten der Wirtschaft in Deutschland bislang wenig anhaben können. Allerdings äußerte Laible Bedenken, dass die Wirtschaft „dauerhaft solche Entwicklungen wegstecken kann.“

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