Reumann: "Wir ringen um jeden Platz zur Unterbringung"

Im Verwaltungsausschuss berichtete gestern Nachmittag Landrat Thomas Reumann über die Situation der Flüchtlingsunterbringung im Landkreis.

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Frisch vom Flüchtlingsgipfel in Stuttgart berichtete gestern Nachmittag Landrat Thomas Reumann dem Verwaltungsausschuss des Kreistags über die Situation der Asylbewerberunterbringung im Kreis. Er ist "gespannt auf die Ergebnisse" der großen Runde, an der auch Vertreter von Kreis und Stadt Reutlingen teilnahmen. Schließlich übernehmen die Kommunen hier Aufgaben für das Land, "sie müssen deshalb bei der vorläufigen und bei der Anschlussunterbringung von Flüchtlingen in die Lage versetzt werden, diese Aufgaben auch zu meistern".

Im Kreis Reutlingen sind die 744 zur Verfügung stehenden Plätze derzeit mit 718 Menschen belegt. Mit Rücksicht auf die familiäre und Herkunftssituation heißt das für die Kreisverwaltung "Vollbelegung". Die dem Kreis zugewiesenen Flüchtlinge stammen meist aus Gambia, Serbien, Mazedonien und Syrien.

Bei den Zugangszahlen ist bis auf Weiteres "nicht mit Entspannung zu rechnen", weiß Reumann. Zum Jahresende werden im Kreis 970 Menschen vorläufig untergebracht sein - die Prognose zum Jahresanfang lautete auf 600 bis 700.

"Wir suchen deshalb weiter geeignete Liegenschaften, Plätze für Systembauten und Notunterkünfte", berichtete der Landrat. Mittlerweile wird auch erstmals die Notunterbringung in Turnhallen vorbereitet.

Dr. Hendrik Bednarz, Leiter des Verkehrs- und Ordnungsamts, berichtete, dass in Metzingen der erste Bauabschnitt der Systembauten kurz vor der Fertigstellung steht: "Die ersten 36 Plätze können wir nächste Woche nutzen." Momentan werden die Module für den zweiten Bauabschnitt geliefert, zwei bis drei Wochen benötigt der Innenausbau, ab Mitte November stehen dann auch die zweiten 36 Plätze zur Verfügung. Dabei sei hier eine "relativ enge Belegung von fünf Quadratmetern" vorgesehen.

Als "Notmaßnahme" ist geplant, Pensionen und einfache Hotels "zur Überbrückung von Engpässen" heranzuziehen. Auch kleinere Objekte und Wohnungen mit fünf bis sechs Plätzen werden gesucht. Allein für den Monat Oktober wurden 109 neue Flüchtlinge angekündigt, "wir wollen in vier bis sechs Wochen rund 190 Plätze schaffen", sagte Bednarz. Außerdem ist mit Dekan Dr. Jürgen Mohr geplant, im evangelischen Kirchenbezirk eventuell Gemeindehäuser mit Feldbetten zu bestücken - "notfalls auch ohne die üblichen Standards zu erfüllen." "Wir ringen um jeden Platz", beteuerte der Landrat im Ausschuss.

Umdisponieren muss der Kreis auch bei der alten Unterkunft in Reutlingen in der Carl-Zeiss-Straße. Weil der umgebaute Industriebau "nicht dauerhaft zur vorläufigen Unterbringung geeignet" ist, soll er nach den Vorstellungen des Kreises abgebrochen und durch einen kleineren Bau ersetzt werden, erläuterte Reumann. Doch weil die Unterkunft voll belegt ist, sei daran momentan nicht zu denken. "Wir kriegen die Zeiss-Straße nicht leer, um sie abzureißen", bedauerte er. Mit einer doppelten externen Brandwache wird nun den Sicherheitsvorschriften wenigstens ansatzweise genügt. Für die Realisierung der Projektstudie dort bräuchte es zudem einen geänderten Bebauungsplan, zu dem sich der Gemeinderat noch nicht geäußert habe - "außer es ändert sich die Baunutzungs-Verordnung des Bundes", sagte Reumann.

Mit zwei Außenstellen von je rund 200 Plätzen in Reutlingen und im Landkreis wäre der Kreis beteiligt, wenn der Kreis Tübingen auf den Mühlbachäckern zwar eine Landeserstaufnahmestelle, aber nicht in der erforderlichen Größe von "700 Plätzen + X" bauen würde.

In jedem Fall aufgestockt werden soll das hauptberufliche Personal in den Unterkünften und bei der Betreuung, auch um den vorbildlichen ehrenamtlichen Kräften die entsprechende Unterstützung und Wertschätzung zu verschaffen.

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