Rettung vor dem Verfall

Das Anwesen des Holzschneiders HAP Grieshaber am Fuß der Achalm hat das Interesse eines solventen Investors geweckt. Es soll prominenter Teil eines Grieshaber-Kunstweges mit 12 Stationen werden.

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Seit dreieinhalb Jahren ist die Familie HAP Grieshabers auf der Suche nach einem Käufer für das Anwesen des Künstlers und Holzschneiders am Fuße der Achalm. "Das Problem war nie der Erwerb, sondern was man daraus macht und wie's finanziert wird", sagte Rechtsanwältin Beate Göhring als Betreuerin des Grieshaber-Nachlasses bei der Hauptversammlung des Fördervereins Eninger Kunstwege e.V.. "Es sollte jemand sein, der Interesse an der Kunst hat", so Göhring, "wer kauft, bestimmt. Aber einer allein kann das nicht stemmen. Wir waren glücklich, als sich der Verein vor eineinhalb Jahren gegründet hat. Es besteht sicher Bedarf, auf den Verein zuzukommen."

Erst vor wenigen Wochen habe sich ein Weg aufgetan, sagte Beate Göhring: "Ein finanziell sehr potenter Kaufinteressent. Ein Kunstmäzen, der schon mehrere Objekte hergerichtet hat". Derzeit werde ein Verkehrswert-Gutachten für das Anwesen erstellt. Nach dem Hagelschaden sei das Gebäude von der Versicherung als wirtschaftlicher Totalschaden eingestuft worden. Bei einer Begehung und einem ersten Vorgespräch mit dem Interessenten seien spontan gute Ideen entstanden, die weit über das Erwartete hinausgehen. Es sei aber auch deutlich geworden, was an Arbeit zu investieren ist. "Ich würde um Vertrauen bitten, dass das was wird", mahnte die Anwältin, bis in zwei Monaten wird es weiter gehen."

Hermann Walz, Vorsitzender des Fördervereins, vermittelte zwischen Gerüchten und Irritationen: "Wir sollten dieses Vertrauen haben. Die Verwaltung ist zugunsten des Projekts eingestellt. Die Gemeinde wird übers Baurecht beteiligt". Der Eninger Gemeinderat hatte bei der Haushaltsdebatte 2015 eine Anfrage und einen Antrag zur Klärung des Sachverhalts gestellt.

Der im April 2013 gegründete Förderverein Eninger Kunstwege hat sich satzungsgemäß unter anderem dazu verpflichtet, in Eningen einen "HAP-Grieshaber-Rundweg" anzulegen, der Repliken von Werkgruppen des Künstlers im öffentlichen Raum zeigt, die weniger bekannt oder gar nicht zugänglich sind. Der Rundweg ist so konzipiert, dass er an Wohnhaus und Atelier des Künstlers vorbeiführt. Bereits am 12. Mai, zum Todestag von HAP Grieshaber, soll bei Station 6 unterhalb des Grieshaber-Anwesens die Wiedergabe der Glasbausteinarbeit "Poseidon und Amphitrite" aufgestellt werden. Das Original entstand 1959 und befindet sich jetzt in der Peter-Rosegger-Schule in Reutlingen. In Vorbereitung sind Abbildungen der "Epheben"-Motive, die in vier Drucken auf der Schillerhöhe aufgestellt werden sollen. Die Mössinger "Pausa" hatte das Motiv 1967 als Siebdruck auf einem Bühnenvorhang für die Friedrich-List-Realschule in Mössingen umgesetzt.

Als sehr erfolgreich erweist sich eine im vergangenen Herbst vom Förderverein eröffnete, ständige HAP-Grieshaber-Ausstellung im oberen Foyer der Eninger Grieshaber-Halle. Besonderes Interesse gilt dabei den Leihgaben aus dem Familienbesitz und den Entwurfsarbeiten zum 1958 entstandenen Grieshaber-Fries in der Gemeindehalle im direkten Vergleich. Die Ausstellung ist jeden ersten Sonntag im Monat zwischen 14 und 17 Uhr geöffnet und zunächst auf drei Jahre konzipiert. Es gibt zahlreiche weitere Exponate aus Grieshabers Nachlass.

Besondere Aufmerksamkeit erhalten dabei die Führungen von Ricca Grieshaber, der Tochter des Holzschneiders. Und die des 80-jährigen Eninger Urgesteins Kurz Walz, der als Stuckateur Grieshaber über ein halbes Jahr bei der Herstellung der Fries-Platten handwerklich unterstützt hatte.

Ab Oktober 2015 sollen die monatlichen Führungen mit hausgemachten Events ergänzt werden. Unter anderem mit Beiträgen des Eninger Diplompsychologen und "Lebenskünstlers" Günter Fleisch. Er wird aus seinen engen Kontakten zu HAP Grieshaber in der politische Retrospektive erzählen.

Förderverein

Der Förderverein Eninger Kunstwege selbst hat sich mit seinen derzeit 30 fördernden Aktiven und Mitgliedern aus der örtlichen Kunstszene mit unterschiedlichen Kunstprojekten erstaunlich schnell etabliert und sucht weitere Mitstreiter und Sponsoren, um HAP Grieshabers Erbe lebendig erhalten zu können.

ANE

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