Pracht, Größe und spontaner Jubel

Ein großartiges Musikerlebnis: Die Betzinger Sängerschaft, Solisten und WPR-Ensemble führten in der Stadthalle Händels Oratorium "Der Messias" auf.

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Georg Friedrich Händels weltberühmtes Meisterwerk erklang schon vielfach in der Region, bislang aber wohl noch nie im großen Saal der Stadthalle. Gerade mit großer Chorbesetzung litten die Aufführungen in der Listhalle und den Kirchen oftmals unter akustischen Unzulänglichkeiten.

Und wirklich: Die Stadthalle macht's möglich, hier kann sich der vielstimmige Klang aus hundert Kehlen so natürlich wie opulent entfalten. Martin Künstner verfügt über reiche Erfahrung und hat für diese "Messias"-Aufführung ein stimmiges Ensemble zusammengestellt: die bestens geschulten Choristen der Betzinger Sängerschaft, ein Profi-Ensemble aus Orchestermusikern der Württembergischen Philharmonie Reutlingen in kleiner, "barocker" Besetzung, ergänzt durch Truhenorgel und Cembalo.

Den Sopranpart übernahm eine hervorragende, aus Norwegen stammende Sängerin: Siri Karoline Thornhill; den Solo-Alt sang Mirjam Künstner, die ihre Stimme an der Musikhochschule München ausbildet und sich zu einer vielversprechenden Sängerin entwickelt.

Ihnen zur Seite standen die bewährten Solisten Julius Pfeifer (Tenor) und Ulrich Wand (Bariton), wobei Wand kurzfristig für den erkrankten Heiko Schulz einsprang. Auch wenn auf den ersten Blick die Relation Chor-Orchester allzu ungleich schien, erwies sich die Balance insgesamt als ausgewogen. Händels herrliche Arien und Chöre auf Bibelzitate, inhaltlich in die Abschnitte Verheißung - Geburt - Leiden - Erlösung gegliedert, wurden adäquat bis perfekt dargeboten.

Als Motto konnte man das Bild der weidenden Schafe in weichem Licht auf Plakat und Programmheft verstehen; insofern passend, als die Hirten-Symbolik von Frieden und Trost das Oratorium durchzieht und in dieser Aufführung mustergültig verkörpert wurde, sicher geleitet von Martin Künstner. Die Arien wie die Instrumentalsätze atmeten Weite, ebenmäßige Reinheit, Ruhe und Innigkeit, begleitet vom kultivierten, durchsichtigen Spiel des Ensembles. Die Vokalsolisten hätten vielleicht die Affekte deutlicher betonen können; Bewegungsimpulse gaben die Chorsätze.

In einem großartigen, tief gestaffelten Raumklang kamen die Chor-Qualitäten hervorragend zur Geltung: Klarheit, Homogenität, Transparenz, Beweglichkeit, Intonationssicherheit und insbesondere allerbeste Textverständlichkeit.

Zwar könnten die Männerstimmen Zuwachs vertragen, um ihre Tragfähigkeit auszubauen, aber insgesamt bildete dieser Chor einen so mächtigen wie gefühlvoll differenzierten Gegenpart zu den fein ausgearbeiteten, intimen Soli. Zum grandiosen Höhepunkt wurde das "Halleluja" am Ende des zweiten Teils, von den Choristen in vielstimmiger Pracht und Größe entfaltet, die Spitzentöne mühelos immer weiter nach oben in himmlische Regionen geschraubt, gefolgt vom spontanen Jubel des Publikums.

Mit seinen insgesamt fast zweieinhalb Stunden Dauer ist der "Messias" für die Ausführenden ein Kraftakt. Kein Wunder, wenn im dritten Teil Ermüdungserscheinungen auftreten, Schwung und Präzision nachlassen; dabei hat Chorleiter Künstner klug ein paar Nummern weggelassen.

Hätte Händel nicht das "Halleluja" vielleicht ans Ende stellen können? Nein, er schließt mit einem undankbar streng gearbeiteten "Amen". Dennoch: lang anhaltender Beifall für alle - und Jubel für den Chor.

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