Power-Cookies für die Seele

Die Nähe zum Publikum ist nach wie vor eine seiner größten Stärken: Wolf Maahn hat am Freitagabend bei seinem Solo-Auftritt ein rockiges und zum Teil mitreißendes Konzert im franz.K abgeliefert.

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Der König des unprätentiösen Deutschrock, Wolf Maahn, gastierte am Freitagabend im franz.K.  Foto: 

Der König des unprätentiösen Deutschrock ist zurück: Wolf Maahn, wie üblich mit Stirnband und ausladender Gestik, beglückt seine Fans dieses Mal solo. Im Gepäck nur vier Gitarren und seine mal gefühligen, mal los polternden Songs. Die rund 140 Besucher erleben eine Demonstration in Sachen Rock und Publikumsüberwältigung.

Selbstverständlich wird man von einem wie Wolf Maahn nicht ernstlich annehmen, dass er Dinge tut, die völlig gegen die Erwartung gehen. Vermutlich ist es auch besser. Denn so etwas geht in den meisten Fällen zuverlässig ins Auge. Der in Berlin geborene Deutschrocker ist immer sehr bei sich geblieben. Ob er nun mit seiner Band auftritt oder alleine auf der Bühne steht, seine Konzerte funktionieren immer nach dem selben Schema: Zum Aufwärmen gibt es ein paar neuere Songs, danach steigt die Stimmung langsam und kontinuierlich von Song zu Hit. Und ganz wichtig: Von Beginn an das Publikum auf seine Seite bringen. Etwa mit Komplimenten wie: "Im bundesdeutschen Großstädtevergleich liegt das Reutlinger Publikum ganz weit vorne."

Man könnte es eine fast freundschaftliche Nähe nennen, die Maahn mit seinen Fans verbindet. Er ist ein Veteran des Gitarrenrock, den man sofort ins Herz schließt. Nicht nur wegen seiner Begeisterungsfähigkeit über die mitgehenden Fans, sondern auch, weil er es versteht, rockige Gitarrenklänge mit viel Soulgefühl und Herzblut zu präsentieren. Überhaupt mag man ihm so leicht nichts ernstlich übel nehmen. Selbst überkandidelte Sprüche wie "Mögen diese Soloaufnahmen neue Power-Cookies für eure Seelen sein" wirken bei dem in München aufgewachsenen Musiker irgendwie authentisch. Wie er da mit seiner akustischen Gitarre auf der Bühne sitzt, mit seinen dürren Beinen, den abgetragenen Klamotten und dem breiten Grinsen.

Wie er mit dem Fuß den Rhythmus auf einer flachgelegten Cajon-Box stampft und mit mal kratziger, mal gepresster Stimme seine Hits herausrotzt. Dazu diese Texte, die allesamt aus dem Leben gegriffen sind. Um sein altes Leib- und Magenthema, das Überwinden von Gegensätzen im menschlichen Zusammenleben, drehen sich auch in den Reifejahren noch immer die meisten seiner Songs. Tief empfundene Gefühle und eine lakonische Komik auf sprachlich leichtgewichtiger Grundlage zusammen zu bringen, ohne dabei peinlich zu werden, darauf versteht sich der 59-Jährige Linkshänder wie kaum ein zweiter. Politische Motive klingen am Rande schon mal an. Doch tief im Innersten ist Maahn überzeugter Privatier.

Live gibt sich der Sänger, Songwriter, Schauspieler und Produzent gerne als Entertainer, der zu Mitsing- und Klatschaktionen animiert. "Ihr habt wirklich Talent", freut er sich dann wie ein kleines Kind über die Textsicherheit seiner Fans. Auch mit eher anbiedernden Sprüchen wie "Meine Fresse, ihr geht echt ab" wirkt er noch charmant. Und wenn er Titel wie "Irgendwo in Deutschland", "Total verliebt in dich", "Gut, Gut, Gut", "Rosen im Asphalt" oder "Ich wartauf Dich" mit kräftiger Stimme intoniert, dann klingt das ein bisschen nach rebellischer Woodstock-Folklore und Bruce Springsteen - nur eben auf Deutsch.

Abgesehen davon, dass Wolf Maahn alleine auf der Bühne steht, bekommen die Fans all das geboten, was auch mit seiner Band möglich gewesen wäre - drei Zugaben, voller Einsatz und Lagerfeuer-Feeling inbegriffen.

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