Population stark gefährdet

Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensraumsituation der Gelbbauchunke werden derzeit im Stadtwald vom Forst umgesetzt. Das Förderprogramm ,,Biosphärengebiet Schwäbische Alb" macht es möglich.

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  • Am Biotop (von links): Hubert Laufer (Experte aus Offenburg), Jürgen Tröge (RANA), Wolfgang Maier (TBR), Georg Kemmner (Kreisforstamt), Johannes Schempp (Revierleiter) und Rüdiger Jooß (Geschäftsstelle Biosphärengebiet). Fotos: Dietmar Czapalla 1/2
    Am Biotop (von links): Hubert Laufer (Experte aus Offenburg), Jürgen Tröge (RANA), Wolfgang Maier (TBR), Georg Kemmner (Kreisforstamt), Johannes Schempp (Revierleiter) und Rüdiger Jooß (Geschäftsstelle Biosphärengebiet). Fotos: Dietmar Czapalla
  • Eine Gelbbauchunke im Naturschutzgebiet Listhof. 2/2
    Eine Gelbbauchunke im Naturschutzgebiet Listhof.
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Mit finanzieller Unterstützung durch das Förderprogramm "Biosphärengebiet Schwäbische Alb" hat die Stadt im vergangenen Jahr ein Biotopvernetzungskonzept für die Gelbbauchunke erarbeiten lassen. In der Stadtwald-Abteilung Stäffelen erfolgt derzeit entlang des Hohlichterain-Sträßles die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen. Gemeinsam mit der Forstverwaltung ist es das Ziel, die Lebensraumsituation der Gelbbauchunke zu verbessern.

Das Überleben des nur drei bis sechs Zentimeter großen Frosch-Lurchs mit seiner braunen, warzigen Oberfläche und dem gelb-schwarzen Bauch ist gefährdet. Wenngleich sich ein bedeutender Teil seiner Welt-Population in Deutschland befindet, gilt er dennoch als "stark gefährdet". Gemäß Bundesnaturschutzgesetz ist die Gelbbauchunke (lateinisch Bornbina variegata) "streng geschützt".

Weil ihr angestammter Lebensraum - Kleingewässer der Überschwemmungsbereiche von Bächen und Flüssen - zunehmend verschwinden, müssen die Lurche zwischenzeitlich auf Fahrspuren, Pfützen, Tümpel und Gräben ausweichen. Dabei ist die Gelbbauchunke "keine Allerweltswaldart, sie hat Rückzug im Wald gesucht, wo sie in Fahrspuren von Rückegassen und nicht intensiv gepflegten Gräben Lebensraum findet", sagte Forstdirektor Georg Kemmner vom Kreisforstamt Reutlingen beim kürzlichen Pressetermin vor Ort.

"Weil im Rahmen der Deponieerweiterung Lebensraum zerstört wird, haben wir den Vorschlag, uns hier zu beteiligen, gerne aufgenommen", ließ Wolfgang Maier von den Technischen Betriebsdiensten Reutlingen (TBR) wissen. Revierleiter Johannes Schempp dankte dafür, "dass wir ausgesucht wurden und wir unsere bisherigen Bemühungen beispielhaft weiterführen können".

Lob kam von Rüdiger Jooß aus der Geschäftsstelle Biosphärengebiet, für die Projektförderung in Höhe von 5000 Euro zuständig, der mit Blick auf sieben bereits fertig gestellte, randvolle Kleingewässer sagte: "Schon in der Vergangenheit wurde durch Förster Schempp viel auf kurzem Dienstweg gemacht, das hier ist das Sahnehäubchen durch die Stadt."

Wohl wissend, dass es besonders wichtig für das Überleben der Unken ist, isolierte Populationen zu vernetzen, werden jetzt mittels TBR-Kleinbagger noch fünf weitere Kleinbiotope angelegt. Hubert Laufer, selbständiger Amphibien-Experte aus Offenburg, erläuterte, "dass auch solche Mini-Tümpel als Trittsteine für die Gelbbauchunke wichtig sind. So kann sie besser zwischen ihren Laichgewässern und den Nahrungslebensräumen, wie feuchte Wiesen und Wäldern, wechseln", so Laufer.

Im Reutlinger Stadtwald, und besonders auch im Naturschutzgebiet Listhof, wird die Gelbbauchunke schon seit 25 Jahren erfolgreich gefördert. An der jetzt ausgesuchten Stelle im Stadtwald war bislang schon ein kleiner Tümpel mit Wasserzulauf im Frühjahr - und von einigen wenigen Gelbbauchunken genutzt - vorhanden. "Das wurde hier bisher schon super gemacht", befand Laufer. "Das war eine gute Voraussetzung, dieses Modellprojekt hier zu machen."

Darüber im Klaren waren sich alle Experten, dass man nach Abschluss der Aktion die Hände nicht in den Schoß legen darf. "Gelbbauchunken sind Vagabunden, sie sind nicht sesshaft. Man muss ständig dranbleiben und das hier in drei bis vier Jahren wieder machen. Dynamik ist erforderlich", machte Jürgen Tröge von RANA (Reptilien-Amphibien Neckar-Alb) deutlich.

Langfristig wäre es der Wunsch der Experten, der Gelbbauchunke - sie ist der "Lurch des Jahres 2014" - die Querung der Gönninger Landstraße zu erleichtern. Dazu müsste die vorhandene Durchlassröhre für den Breitenbach erweitert und mit Deckungsmöglichkeiten ausgestattet werden. Dann wäre auch für alle anderen hier beheimateten Amphibienarten ein "Krötentunnel" geschaffen.

Derzeit verharren die Stadtwald-Gelbbauchunken noch in ihren Winterquartieren, irgendwann im April werden sie sich dann paaren. Ihre Kaulquappen sind allerdings erst Anfang August zu sehen, Ende September verlassen die fertigen Unken die Kleingewässer und gehen in Winterruhe.

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