Pilz macht Silber-Linde den Garaus

Ein Baumpilz ist schuld daran, dass eine prächtige Silber-Linde im Stadtgarten sicherheitshalber gefällt werden musste. Der aggressive Wundparasit hatten den 120 Jahre alten Giganten vor zehn Jahren befallen.

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    Diese prachtvolle Silber-Linde war nicht mehr zu retten. Fotos: Dietmar Czapalla
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    Der Schuppige Porling hat der Silber-Linde den Garaus gemacht.
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"Diese ehemals wunderschöne Linde zählt mit ihren 120 Jahren zu den ältesten Bäumen der Stadt. Trotz aller Maßnahmen ist jetzt leider der Zeitpunkt erreicht, wo er gefällt werden muss", betonte Katrin Korth, die stellvertretende Amtsleiterin vom Amt für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt. "Es tut uns in der Seele weh, aber es gibt keine Möglichkeit mehr, den Baum zu retten", sagte sie mit Blick auf den am Freitag noch stehenden Hauptstamm der über 20 Meter hohen und exakt drei Meter Stammumfang aufweisenden Silber-Linde.

Das Amt hatte in den 1902 von Friedrich Lucas, einem Nachkommen des Pomologie-Begründers Eduard Lukas, angelegten Stadtgarten Medien und Bevölkerung eingeladen. Bei der Fällung durch Stadtmitarbeiter bestand Gelegenheit, sich über Baumkontrolle, moderne Mess- und Sanierungstechniken sowie über professionelle Fälltechnik bei Problembäumen zu informieren. Gut zwei Dutzend Bürger aus drei Generationen nahmen diese Gelegenheit wahr, darunter auch der Gomadinger Baumpfleger Bernd Strasser, seines Zeichens Ex-Weltmeister im Baumklettern. "Das wollte ich mir nicht entgehen lassen", sagte er.

Schon seit über 40 Jahren war die Silber-Linde (Tilia tomentosa) immer wieder aufwendig saniert worden. Als damals im Stamm ein kräftiger Riss festgestellt wurde, baute man mit Stahlseilen Kronensicherungen ein, die Kontrolluntersuchungen wurden intensiviert. Bei einer vor zehn Jahren erfolgten Arbor-Schallgeschwindigkeitsmessung mit farbigem Schnittbild als Ergebnis, wurde er dann im Holzinneren zweifelsfrei entdeckt, der Schuppige Porling (Polyporus squamosus). Ein bei Laubhölzern als Weißfäuleauslöser geltender aggressiver Wundparasit, der über Astabbrüche oder Schnittverletzungen von oben her in den Baum eindringt. 2009 zeigte sich der Pilzfruchtkörper erstmals am Außenbereich des Stammes - und es wurden zunehmend mehr. "Eine Messung mittels Resistograph, bei der eine Nadel ins Holz eingebohrt und das Ergebnis auf Messstreifen dokumentiert wird, ergab, dass die Restwandstärke immer geringer wurde. Das ist von außen nicht erkennbar", machte Baumexperte Axel Bunes von der Grünflächen-Abteilung deutlich. "Der Porling hatte die Armierung des Baumes zerstört, die Standfestigkeit war nicht mehr gewährleistet", pflichteten ihm seine Kollegen Matthias Scheider und Martin Schmidt bei.

Nachdem sich auch Braunfäule massiv im Stamm eingenistet hatte, war eine weitere Baumsanierung sinnlos geworden. "Wir kennen unsere Bäume recht gut, wir machen so was nicht gerne", so Bunes. Wohlwissend, dass solche Untersuchungen, "weil wahnsinnig teuer, nicht an jedem Baum gemacht werden".

Das ganze Ausmaß der Schädigungen wurde überdeutlich, nachdem der Baum fachgerecht gefällt zu Boden gekracht war. So wie Nabu-Mitglied Hans-Jürgen Kolb, der urteilte, "das war höchste Eisenbahn. Als er gefallen war, hat man`s ja gesehen", waren auch alle anderen "Gäste" von der unumgänglichen Fällung der stolzen Silber-Linde überzeugt.

Während das noch brauchbare Restholz des Stammes abtransportiert und zu Hackschnitzeln verarbeitet wird, soll in der Nachbarschaft im Herbst als Ersatz nun eine robuste Winter-Linde (Tilia cordata) gepflanzt werden.

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