Pfiffe für Arbeitgeberangebot

Rund 250 Beschäftigte der Betriebe links und rechts der Tübinger Straße trafen sich gestern bei frostigen Temperaturen vor den Werkstoren zum Warnstreik bei Bosch und Automotive Lighting.

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Ein eisiger Wind wehte am Freitag in der Mittagszeit durch die Tübinger Straße zwischen der Robert Bosch GmbH und Automotive Lighting: Womöglich war genau das der Grund, warum eine überschaubare Menge von rund 250 Beschäftigten der beiden Unternehmen mit ihren Fahnen und Transparenten zwischen den Werkstoren standen und kräftig in die roten Pfeifen bliesen. „Tausend Kolleginnen und Kollegen haben ihren Arbeitsplatz vorzeitig um halb zwölf verlassen, um den Warnstreik zu unterstützen“, hatte Thorsten Dietter als Bosch-Betriebsrats-Vize betont. „Wahrscheinlich war es ihnen zu kalt“, so seine Vermutung.

Andernorts hatten sich ebenfalls Beschäftigte von Betrieben der Metall- und Elektrobranche versammelt, um das Arbeitgeberangebot von Verhandlungsführer Dr. Stefan Wolf lautstark abzulehnen. Nach den Worten von Michael Bidmon von der IG Metall legten in Münsingen mehr als 100 Arbeitnehmer der Walter AG ihre Arbeit nieder, in Mittelstadt bei Kion waren es ebenfalls mehr als 100, bei Siemens in Tübingen sorgten 130 Mitarbeiter für Stillstand in der Produktion, bei TBT in Dettingen streikten etwa 60 und bei Burkhardt & Weber in Reutlingen rund 80 Beschäftigte. 2,2 Prozent mehr Lohn hatte Wolf als Südwest-Metall-Chef geboten, Dietter erwähnte das auf der Tübinger Straße, womit er laute Rufe wie „Pfui“ und „Buh“ sowie Trillerpfeifengetöse erntete. „Die Auftragsbücher waren in den vergangenen 18 Monaten rappelvoll, wir haben Überstunden und Wochenenddienste geschoben, da ist es nur selbstverständlich, dass wir einen Teil vom Kuchen abkriegen“, rief Thorsten Dietter den Streikenden zu. Dafür bekam er lauten Beifall.

5,5 Prozent mehr Lohn fordert die IG Metall in dieser Tarifauseinandersetzung, dazu „eine neue Altersteilzeit sowie eine Bildungsteilzeit“, hatte der IG Metall-Chef der Region Reutlingen-Tübingen, Ernst Blinzinger, betont. „Die Beschäftigten haben es verdient, gesund, aufrecht und in Würde aus dem Arbeitsleben ausscheiden zu können“, so Dietter. Auch Michael Jäger, Betriebsratsvorsitzender bei Automotive Lighting, betonte: „In den vergangenen Monaten gab es zweistellige Zuwachsraten, wir wollen eine angemessene Beteiligung.“ Und Tanja Silvana Grzesch rief den Streikenden zu: „Bildungsteilzeit? Fachkräftemangel? Die Unternehmen müssen auch was tun, um die Leute auszubilden.“

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