Pascal Kober predigt im Talar vor Soldaten

Einmal von der Kanzel in den Bundestag und retour. Das hat Pascal Kober erlebt, der von 2009 bis 2013 für die FDP Politik in Berlin gemacht hat. Seit diesem Jahr ist der 44-Jährige Militärpfarrer in Stetten.

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Ex-FDP-MdB Pascal Kober ist jetzt evangelischer Militärpfarrer.  Foto: 

"Die Zwischenrufe während seiner Reden sollten jetzt weniger werden als im Bundestag", scherzte Ursula von der Leyen (CDU). Die Verteidigungsministerin ließ es sich nicht nehmen, Anfang des Jahres beim Einführungsgottesdienst ihres ehemaligen Koalitionspartners in Stetten am kalten Markt im Landkreis Sigmaringen teilzunehmen. Sie hält große Stücke auf den FDP-Mann aus dem Schwabenland. Sonst hätte sie ihn nicht kurz nach ihrer Vereidigung als Ministerin in der Alb-Kaserne angerufen. "Mir schwirrten tausend Dinge im Kopf herum. Er hat mir Gedanken auf den Weg gegeben, dass ich sicher wurde", sagte sie während der Gottesdienstes.

Sicher war sich der evangelische Theologe auch vor zweieinhalb Jahren bei der Bundestagswahl. Dank des vermeintlich sicheren Listenplatzes hatte er keine Zweifel, ein weiteres Mal für den Landkreis Reutlingen ins Parlament zu kommen. Daraus wurde aber bekanntlich nichts. Die Liberalen erlebten ein Fiasko, die FDP scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde.

Als beurlaubter Pfarrer musste sich Kober jedoch keine Sorgen um seine Zukunft machen. Er hatte Theologie studiert, predigte als Vikar in Stuttgart-Heslach und wurde anschließend Pfarrer im Schuldienst in Calw. Zu dieser Zeit gehörte der Geistliche bereits der FDP in Baden-Württemberg an. "Weil ich schon immer die Welt verbessern wollte", wie der 44-Jährige sagt. "Und weil ich alleine in der Kirchengemeinde nicht die Welt verbessern kann, bin ich in die Politik gegangen."

Kobers Elternhaus hatte mit Theologie nicht viel am Hut. Vielmehr mit der Politik, die immer gegenwärtig war. Seine Mutter engagierte sich in der SPD. Dass ihr Sprössling sich der FDP zuwandte, ist der Autobiografie von Hildegard Hamm-Brücher ("Freiheit ist mehr als ein Wort") zu verdanken. Die Grande Dame der Freien Demokraten hat Kober in jungen Jahren "schwer beeindruckt".

Dass Kober jetzt im Talar vor Soldaten predigt, sei kein Zufall. "Das ist Fügung", sagt der 44-Jährige überzeugt, der vor viereinhalb Jahren mit dem damaligen Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) in Afghanistan war. Er sprach seinerzeit als Mitglied des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe in Masar-e-Scharif mit Soldaten und Militärseelsorgern. "Weil wir im Bundestag für eine Verlängerung des Mandats gestimmt haben, riskieren diese Männer und Frauen ihr Leben für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung."

Hat er als Ungedienter heute keine Berührungsängste mit den Männern und Frauen in Uniform? "Nein", lacht Kober, der inzwischen alle Dienstgrade und die Truppengattung anhand der Farbe des Baretts im Schlaf aufsagen kann. Auch wenn das vor Gott keine Rolle spiele. "Was ich früher als Politiker entschieden habe, möchte ich jetzt als Pfarrer begleiten." Für ihn sei es eine Verpflichtung als Christ, den Soldaten mit ihren Sorgen und Nöte mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Zusammen mit seinem katholischen Amtsbruder ist er für knapp 3000 Soldaten an den Standorten Stetten am kalten Markt und Pfullendorf zuständig. Auf dem Dienstplan stehen Gottesdienste im Feld und in der Kirche, die Seelsorge und lebenskundlicher Unterricht. Nächstes Jahr hat Kober seinen ersten Auslandseinsatz. Dann tauscht er den Talar gegen einen Flecktarnanzug ein. Auf den Schulterklappen ist anstelle des Dienstgradabzeichens ein Kreuz. "Wir gehören zum Herrn" steht im Wappen in lateinischer Sprache: "Domini Sumus". Dort erlebt der Militärsseelsorger am eigenen Leib, was es bedeutet, in einem der zahleichen Krisengebieten der Bundeswehr stationiert zu sein. "Die Einsatzbelastung, die monatelange Trennung von der Familie und den Freunden", so Kober, "sind oft Themen, die bei der seelsorgerischen Arbeit angesprochen werden."

Seit ein paar Monaten zieht Kober ab und zu die Reiterstiefel an und schwingt sich galant auf ein Pferd. Nein, nicht an der Bundeswehrreitschule in Warendorf (Nordrhein-Westfalen), sondern im Haupt- und Landgestüt in Marbach. Rein privat, wie er sagt. Kein Wunder. Seit zwei Jahren ist er der Lebensgefährte von Landoberstallmeisterin Astrid von Velsen-Zerweck, der Chefin des ältesten deutschen Staatsgestüts.

Marbach ist nicht weit weg von Reutlingen, wo sich Kober nach wie vor politisch engagiert. Außerdem ist der Militärseelsorger Mitglied im Bundesvorstand, stellvertretender Landesvorsitzender der FDP und Vorsitzender im Bezirk Neckar-Alb. Auf die Frage, ob er 2017 wieder für den Bundestag kandidieren werde, muss er nicht lange nachdenken. "Ja, wenn mich die Partei aufstellt."

Und? Schafft es die FDP im zweiten Anlauf auf Bundesebene? "Natürlich, da bin ich mir ganz sicher. Die Wähler merken jetzt, dass was fehlt, wenn wir nicht im Parlament sind." Pascal Kober macht keinen Hehl daraus, dass er gerne wieder nach Berlin gehen würde. Was viele nicht wissen. Während der letzten Legislaturperiode war der Politiker der eifrigste Redner im Deutschen Bundestag. 140 Mal stand er am Rednerpult. So oft wie kein anderer Parlamentarier. Ob er so viele Einsätze auch am Altar haben wird? "Ich denke schon", schmunzelt der Geistliche und verabschiedet sich zum Gelöbnisgottesdienst der Rekruten.

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