O schöne Nacht: Verborgene Schätze der Romantik

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Vokalisten auf hohem Niveau sind die Mitglieder des SWR Vokalensembles, die den Reutlinger Kammermusik-Zyklus um eine sängerische Note bereicherten. Am Klavier assistierte Doriana Tchakarova, Katharina Eickhoff moderierte.

Wer kennt es nicht, zumindest dem Namen nach – das vielfach ausgezeichnete SWR Vokalensemble, seit 2003 unter der künstlerischen Leitung von Marcus Creed. Im Reutlinger Kammermusik-Zyklus nun war es vertreten durch acht Sänger(innen) in Form von zwei Doppelquartetten (ohne Dirigenten).

Da die Namen nicht angegeben waren, seien sie hier nachgetragen: Eva-Maria Schappé (Sopran), Inga Schäfer (Alt), Johanna Vargas (Sopran), Stephanie Firnkes (Mezzosopran), Hubert Mayer (Tenor), Bernhard Hartmann (Bass), Rüdiger Linn (Tenor), Torsten Müller (Bass).

An die Heimat

In einer leicht gerundeten Reihe sangen sie in wechselnder Besetzung vor dem Flügel. Faszinierend, wie jede(r) einzelne in dem einleitenden Brahms’schen Quartett „An die Heimat“ seinen Part sicher und mühelos beherrschte, und wie sich die breit gefächerten Einzelstimmen fast wie von selbst zu reinen Harmonien verbanden, gestützt von Doriana Tchakarovas sicherem Klavierspiel. Mit dem quasi chorischen Gesang war damit bis zum Ende des ersten Teils Schluss, denn die einzelnen Sänger(innen) bewiesen sich zunächst als Solisten (die sie im Grunde ja sind) und in unterschiedlich besetzten Duetten – mit vergeblichen Liebesständchen von Brahms und Schumann sowie spätromantischen Quartettsätzen von Herzogenberg, unterbrochen von den jeweils eng auf das Dargebotene bezogenen Ansagen der SWR2-Moderatorin Katharina Eickhoff.

Deren spezielle Kunst besteht darin, den Größen vergangener Zeiten in einer anspielungsreichen Sprache auf den Leib zu rücken, als wären sie die Müllers von nebenan. Diese übte sie auch hier am Beispiel von Johannes Brahms („Lieben Sie Brahms?“): Im ersten Teil war sein Verhältnis zu Elisabeth und Heinrich von Herzogenberg an der Reihe, im zweiten Teil der einzige Brahms-Schüler Gustav Jenner („der arme Jenner“).

Einmal pausierte das Ensemble sogar mitten in dem stimmungsvollen Stück „O schöne Nacht“, um für eine in die Noten geschriebene boshafte Brahms-­Notiz, gesprochen von Katharina Eickhoff, Platz zu machen. Bekommt man so einen Bezug zur Romantik?

Manchmal beginnt man am Klassiker-Kanon zu zweifeln. Etwa dann, wenn man (wie am Sonntag beim NWO) eine Sinfonie des Mozart-Freundes Eberl hört, oder wenn (wie jetzt) die selten aufgeführte Musik von Gustav Jenner erklingt.

Die Folge aus Jenners „Zwölf Gesängen“ op. 3 als großes Mittelstück des zweiten Teils ließ aufhorchen, zumal in der fesselnden Interpretation der SWR-Vokalisten, die gemeinsam mit Doriana Tchakarova am Flügel die Frische und ryhthmische Prägnanz dieser Stücke unterstrichen.

Lieben Sie Brahms?

Doch abgesehen von dem A-cappella-Stück „Dem dunkeln Schoß der heil’gen Erde“ berührte die übrige Brahms’sche Musik des Programms, soweit erkennbar, nicht wirklich.

Möglicherweise hat dies auch damit zu tun, dass die acht Vokalisten des SWR Ensembles als Einzelkämpfer ohne Dirigenten und geprägt vom täglichen Umgang mit Neuer Musik sich so intensiv auf das Hören und technisch perfekte Absingen konzentrieren (müssen), dass wenig Raum bleibt für tiefer greifende Gestaltung und damit für den Geist der Werke.

Was sonst ein Dirigent übernimmt, mussten in diesem Fall die auf sich allein gestellten Ensemble-Solisten leisten.

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