NWO in der Stadthalle

Das „allerjüngste Reutlinger Sinfonieorchester“ lud zum Sommerkonzert: Unter Maria Eiche spielte das NWO so engagiert, dass zwei Zugaben fällig waren.

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Bei diesem Programm mit Werken von Mozart, Respighi, Hindemith und Dvorák muss man sich erneut klar machen, dass im Nachwuchsorchester der Jungen Sinfonie (NWO) Schüler, ja Kinder, musizieren. Einige saßen mit ihrem Instrument wohl zum ersten Mal vor zahlreichem Publikum auf der Bühne im großen Saal der Stadthalle.

Rekordverdächtig war auch die Besetzung: 74 Stühle wurden gebraucht, allein die Streichersektion zählt derzeit etwa 60 Köpfe. Das spricht für Vertrauen seitens der Eltern und Instrumentallehrer; Orchesterleiterin Maria Eiche richtete ausdrücklich ihren Dank an sie, zudem an die Guthörle-Stiftung und die Gesellschaft der Musikfreunde Reutlingen, die dieses Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

Maria Eiche ist noch kein Jahr am Pult und hat die Truppe aus Zwölf- bis Neunzehnjährigen mit ihrem knappen und pointierten Dirigat gut im Griff. Von Anfang bis Ende herrschte höchste Konzentration, die Spieler waren ganz Auge und Ohr für die Musik und ihr Zusammenspiel. Zunächst für die Ouvertüre zu dem Singspiel „Der Schauspieldirektor“ von Wolfgang Amadeus Mozart; erstaunlich leicht und elegant wurde sie umgesetzt.

Es folgten Streicherstücke aus Ottorino Respighis dritter Suite der „Antiche Danze“. Durchsichtig und leichtfüßig wie auf Zehenspitzen die „Italiana“, sanglich die „Siciliana“ – beide auf leise Art beeindruckend in der akkuraten, sensiblen Ausführung und ihrer noblen Nostalgie.

Der angebliche Bürgerschreck Paul Hindemith hat 1922 – man glaubt es kaum – ein Weihnachtsmärchen namens „Tuttifäntchen“ komponiert. Darin erwachen Holzpuppen zum Leben und tanzen zu Ragtime-Musik. Dieser „Tanz der Holzpuppen“ führte das mit Mozart angeschnittene Thema Bühne weiter, in diesem Fall als etwas brav, doch sauber musizierte Tanzmusik. Besonderes Lob verdienen die sechs Solobläser, die klangschön zur großen Streichersektion kontrastierten.

Mit Antonin Dvoráks sogenannter „amerikanischer“ Suite op. 98b (nicht 89) ging Maria Eiche samt ihrem teilweise frisch besetzten Jugendsinfonieorchester ein gewisses Risiko ein. Für die Neulinge ist das kleine Schwesterwerk zur Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ fast zu schwer. „Aber es macht ihnen Spaß“, betonte die Orchesterleiterin in der Pause, „und das zählt.“

In den Anfangstakten weckt die ungenau gestimmte Bläserintonation gewisse Befürchtungen – doch das gibt sich, die jungen Musiker(innen) hören gut hin und passen sich an. Zwar merkt man, dass die sinfonischen Sätze viel Arbeit gekostet haben, doch gerade das behutsame Herantasten und Hineinhören in die Strukturen lässt das Ohr eher am Innenleben der Musik teilhaben als eine routinierte Profi-Aufführung.

Zunehmend kommt das Spiel in Fluss; die rasch wechselnden Tanzrhythmen im dritten Satz („alla Polacca“) machen dem Orchester hörbar Spaß, im folgenden Andante kommt Lust an der klanglichen Differenzierung auf, ausdrucksvolle Oboensoli fordern eine entsprechende Tutti-Antwort. Der flotte Kehraus-Finalsatz hält zwar Gefahrenmomente bereit, wird aber mit viel Energie und opulentem Orchestersound gemeistert.

Eigentlich hatte das NWO ein größeres Programm mit einer Solistin geplant; diese war jedoch mitsamt Ersatz ausgefallen, so dass am Ende Zeit blieb für zwei Zugaben, die – gelöst und spielfreudig – dem anhaltenden Beifall des Publikums Rechnung trugen.

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