Notstand bei der Hygiene

Zahlreiche Tauben und zu wenig städtisches Reinigungspersonal sorgen im Inneren des "Stadthallen-Stegs" für einen erschreckenden Hygienezustand - vor, während und nach den Weihnachtsfeiertagen.

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Wer sich in den vergangenen Tagen nahe der Stadthalle im Bereich des Steg-Provisoriums mit seinen Rampen und Treppen von A nach B bewegte, bekam es überdeutlich vor Augen geführt. Mit Taubenkot verschmierte Handläufe/Geländer sowie Geh- und Radfahrflächen, auf denen man den Hinterlassenschaften kaum ausweichen konnte. Ganz unten, auf dem größten Teil des Bodens, flächendeckend jede Menge Taubenkot – verursacht von rund 30 Stadttauben, die sich hier allein tagsüber – in den Nachtstunden vermutlich noch viel mehr – aufhalten und sich vom Metallgestänge aus entleeren. Ein weiterer Bodenbereich ist durch Wegwerfmüll „verziert“.

Bürger sind empört, so auch der ehemalige Mitarbeiter der Stadt, Roland Würth, der von einem „erschreckenden Zustand“ spricht. „Ekelhaft“ entfährt es einem namentlich nicht genannt werden wollenden Geschäftsmann der Innenstadt, während die beiden zwölfjährigen Ben und Matthias fragen: „Warum macht hier niemand sauber, das ist doch eine große Sauerei.“ Für ihren Opa ist das angesichts des Drecks ein klarer Fall: „Bei uns gibt es doch kaum Personal für Sauberkeit, das ist eine Schande für die Stadt.“ Für die aus Freiburg zu Besuch weilende Jessica Krombitza „eine ganz üble Visitenkarte für Reutlingen“.

Es ist ein hygienischer Verstoß im Bereich einer gemeinschaftlich genutzten städtischen Einrichtung. Doch wer ist für deren Reinigung zuständig? Für Stefan Brockmann vom Gesundheitsamt beim Landratsamt, Abteilungsleiter Bereich Gesundheitsschutz, ein klarer Fall: „Der Betreiber der Einrichtung ist die Stadt, sie hat die Mängel zu beheben.“ Dortige Hygienekontrolleure übernehmen im Rahmen des öffentlichen Gesundheitswesens spezielle Prüf- und Kontrollfunktionen und sind zuständig, wann immer die Umwelthygiene oder die Hygiene solcher gemeinschaftlich genutzter Einrichtungen berührt wird. So wie am Provisorium Steg nahe der Stadthalle. Eine Meldung des Hygienezustandes müsste beim zuständigen Gesundheitsamt erfolgen. „Das Gesundheitsamt wird dann die erforderlichen Schritte zur Behebung der hygienischen Probleme einleiten“, sagte Hygienearzt Brockmann auf Anfrage.

„Krankheitserreger können im Kot sein, stellen aber keine besondere Gefahr dar, diese Ansicht hat man in den letzten zehn Jahren weitgehend verlassen“, so Brockmann, der die Tauben als „keine Schädlinge, sondern Lästlinge“ einstuft. Für ihn besteht Handlungsbedarf und Verkehrssicherungspflicht, bedingt aber auch Infektionsgefahr. Eine Gefährdung für den Menschen bestehe „nur bei direktem Kontakt mit den Tauben oder deren Kot“. Der aber ist zumindest im Bereich der kotverschmutzten Handläufe vielfach gegeben.

Für die überfällige Reinigung zuständig sind die Technischen Betriebsdienste Reutlingen (TBR). Den dort zuständigen Vorarbeiter Stadtreinigung, Frank Lange, darauf angesprochen, sagte der kurz und knapp: „Das können wir gar nicht leisten.“ Der Wegwerfmüll würde „ab und zu weggeräumt“. Und weiter: „Wir haben das schon fotografiert und an das Amt für öffentliche Ordnung geschickt.“

Für Harald Grieb, dem dortigen stellvertretenden Abteilungsleiter Gewerbe, ist „die Problemlage komplett neu“, auch weil er „nie über den Steg geht“. Bekannt ist ihm, dass, um das Einfliegen der Tauben zu verhindern, von der städtischen Gewerbeabteilung Gitter angebracht worden sind. Groß genug allerdings sind die offenen Ein- und Ausgänge für Fußgänger und Radfahrer, aber eben auch für die sie zu jeder Zeit nutzenden Tauben. „Für die Reinigung haben wir ja gar kein Personal“, sagte Grieb und verwies das Thema an die TBR zurück.

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