Neue Ausgabe der ursprünglichen Lutherbibel

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Das 500. Jubiläum der Reformation hat die Evangelische Kirche in Deutschland veranlasst, die Lutherübersetzung der Bibel überarbeiten zu lassen. Auf der Frankfurter Buchmesse wird die „Lutherbibel 2017“ am heutigen Mittwoch vorgestellt. Bereits im Vorfeld informierte Pfarrer Stefan Wittig von der Deutschen Bibelgesellschaft in der Reutlinger Citykirche über die Lutherbibelrevison, heißt es in einem Pressebericht. Die Sprachkraft Luthers war für die deutsche Sprache prägend, zahlreiche Redewendungen sind auf seine Bibelübersetzung zurückzuführen. „Neuer Wein in alte Schläuche?“, fragte Wittig daher im Titel seines Vortrags in Anspielung auf Luthers Übersetzung von Matthäus, Kapitel 9, Vers 17. Während Luther selbst bis zu seinem Tod immer wieder an einer Verbesserung seiner Übersetzung gearbeitet hat, galt seine „Ausgabe letzter Hand“ von 1545 über Jahrhunderte hinweg als unveränderlich.

Doch in der Folge kamen immer mehr durch Buchdrucker und Verleger eingefügte Veränderungen hinzu, die zu zig verschiedenen Varianten der Lutherbibel führten. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts fand die Forderung nach einer kritischen Durchsicht dieser Ausgaben und der Wiederherstellung einer einheitlichen Übersetzung Gehör. 1892 wurde dieser Text vom „Deutschen Evangelischen Kirchenausschuss“ veröffentlicht.

Dieser Bibeltext wurde dann in den deutschen Landeskirchen für Gottesdienst und Unterricht verbindlich. Doch die Sprache galt schon bald als nicht mehr zeitgemäß und so wurden nach dem Zweiten Weltkrieg mehrere Überarbeitungen veröffentlicht. Vor allem die Ausgabe von 1975 rief bei Germanisten lauten Protest hervor. Der Tübinger Rhetorikprofessor Walter Jens sprach von „Verrat an Luther“, da sein Sprachstil bis zur Unkenntlichkeit verwässert worden sei.

Die jetzige Revision folge dem Prinzip, wieder so nahe wie möglich an Luthers Sprache heranzugehen. Durch die Rückführung auf ältere Textversionen stimmt die Revision von 2017 auch wieder mit vielen kirchenmusikalischen Werken überein, die im 17., 18. und 19. Jahrhundert geschrieben wurden und den alten Luthertext als Grundlage haben. Frieder Leube, Geschäftsführer der Evangelischen Bildung Reutlingen, wies darauf hin, dass in Reutlingen die Bedeutung der Bibel für die Reformation durch eine Bibellesewoche in der Marienkirche in der ersten Aprilwoche kommenden Jahres zum Ausdruck gebracht werden soll. Jürgen Simon

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