Natürliches Musizieren im Geist der Zeit

Mit einem gehaltvollen wie genussreichen Gesprächskonzert beschloss das "Trio Fortepiano" die erfolgreiche Sommermusik-Reihe in der Stephanuskirche

|

Das war ein Musica-Antiqua-Konzert, wie es sein soll. Der Anspruch der Reihe wurde voll eingelöst, die Interpreten führten durchs Programm und beantworteten gerne die Fragen des Publikums, und - das Wichtigste - es wurde hinreißend musiziert.

Musik für Klaviertrio von Vorklassik bis Frühromantik ist das Spezialgebiet des "Trio Fortepiano", das seit 1997 in der Besetzung Miriam Altmann (Fortepiano), Julia Huber (Violine) - sie stammt aus Reutlingen - und Anja Enderle (Cello) gemeinsam auftritt und sich bevorzugt mit vergessenen Werken befasst. Neben den heute so bezeichneten "Klassikern" gibt es etliche Komponisten, deren Wiederentdeckung sich lohnt, etwa die Böhmen Jan Ladislav Dussek und Adalbert Gyrowetz, dem das Trio eine CD gewidmet hat.

Das Thema "Reisen" liegt nahe, da die Musiker auf der Suche nach Jobs quer durch Europa zogen. In ihrer Moderation las Julia Huber nicht nur amüsante Berichte der tourenden Komponisten über Postkutschen-Pannen, "kleine Üblichkeiten" auf See und durchgehende Pferde, sondern verknüpfte Musikhistorisches und Biografisches: Wer hat wen gekannt? Trafen sich Dussek, Gyrowetz und Haydn 1791 in London? Über die Werke selbst wurde wenig gesagt, aber die sprachen für sich, und wache Ohren konnten die Entwicklung der Gattung von der begleiteten Klaviersonate bis zum späteren Klaviertrio genussvoll nachvollziehen. Anlass zur Irritation bot nur die missverständlich gedruckte Satzfolge der Dussek-Sonate, ansonsten war Kammermusik vom Feinsten geboten.

Nichts Spektakuläres eigentlich, weder Manierismen noch Theatralik, sondern natürliches Musizieren aus dem Geist der Zeit heraus, mit dem sich die drei Musikerinnen offenbar intensiv befasst haben, und den sie in ihrem dichten, sensiblen und farbigen Zusammenspiel quicklebendig auferstehen ließen. Gerade auf dem "alten" Instrumentarium kommt er viel deutlicher zur Geltung, die Balance zwischen dem silberhell klingenden Hammerflügel (einem Nachbau nach Stein), Violine und Cello stellt sich fast von selbst ein, das Klangbild besticht durch Farbigkeit und Transparenz.

Die selbstverständliche Sicherheit in Technik, Stil und Zusammenspiel erlaubte dem Trio, sich ganz auf die zahllosen Schönheiten der Werke einzulassen. Abgesehen von einer kurz aufquietschenden Saite war ungetrübtes Hörvergnügen angesagt, man konnte sich entspannt zurücklehnen und einfach die herrliche Musik genießen: Dusseks herzerfrischenden Ideenreichtum in der Sonate F-Dur op. 24/1, Haydns launigen Spielwitz im vielschichtigen A-Dur-Trio Hob. XV:18 mit dem deftigen Tanzsatz am Ende, Gyrowetz ausdrucksvoll sprechend gestaltete, gehaltvolle Sonate g-Moll op. 17/2 und - zum Schluss - Beethovens Trio B-Dur op. 11, das "Gassenhauer-Trio".

Hier war musikalischer "Fortschritt" hörend mit Händen zu greifen: Zwar hält sich Beethoven an die alte dreisätzige Form, doch anders als zuvor bekommt das Cello eine eigenständige Stimme, das bisher dominierende Klavier begleitet oft nur noch, Gleichberechtigung bricht sich Bahn, die Stimmverläufe werden gebrochen: Beethoven erschließt neue Dimensionen, und dies mit einem Ohrwurm-Thema seiner Zeit. Umgesetzt wurde all dies vom "Trio Fortepiano" in hoher Spannung und Dichte und mit manch explosivem Moment im Finale, dabei stets in natürlicher Frische, belohnt von lebhaftem Applaus, "Sehr gut!" und "Bravo!" aus dem Publikum.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Das Stau-Ende ist in Sicht

Noch bis Mitte Dezember sollen die Arbeiten an der B 28/B 312 zwischen Reutlingen und Metzingen dauern. weiter lesen