Museumsarchiv sucht Unterkunft

Am Freitag trifft sich der Heimat- und Geschichtsverein Eningen, um über den Verbleib seines Archivs zu diskutieren. Nach einem erheblichen Wasserschaden im Spital wird ein neues Quartier gesucht.

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"Nach dem Hagelunwetter ist bei mir das Wasser genau so von der Decke getropft", erinnert sich der Vorstand der Eninger Deuschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG), Hans-Peter Sautter. Kurz vor dem Jahreswechsel morgens um vier Uhr wurde Georg Gaibler, zweiter Vorsitzender des Eninger Heimat- und Geschichtsvereins, von der Eninger Feuerwehr aus dem Haus geklingelt - aus gutem Grund. Im Spital in der Sulzwiesenstraße tropfte das Wasser von den Decken bis in den Gewölbekeller drei Stockwerke tiefer. "Es hat überall gerauscht", sagt Georg Gaibler.

Entdeckt worden war der Wasserschaden per Zufall durch einen Benutzer des Spitals in der Nacht vom 29. auf den 30. Dezember. Die Feuerwehr wurde daraufhin alarmiert und leitete erste Sofortmaßnahmen ein. Wasser und Strom wurden abgestellt und die Bautrocknung eingeleitet. Die undichte Leitung wurde in der Küche der Philatelisten unterm Dach lokalisiert.

Das Archiv des Eninger Heimat- und Geschichtsvereins liegt direkt darunter. "Momentan wissen wir nicht, wie's weitergeht", erklärte Georg Gaibler am vergangenen Mittwoch, "durch die Feuchtigkeit in den Wänden ist das Gebäude als Archiv unbrauchbar. Wir werden da nicht mehr einziehen und wollen auch kein Zwischenlager. Wir suchen für unsere Archivalien eine neue Unterkunft."

Für den Eninger Heimat- und Geschichtsverein ist dieser dritte Wasserschaden innerhalb von zehn Jahren im Spital eine mittlere Katastrophe. Verluste seien zwar zum Glück keine entstanden, atmet HGV-Vize Georg Gaibler sichtlich auf. Aber etliche wertvolle Originalbilder und so genannte "Hexenzettel" aus dem Museum wurden am selben Tag noch in Folie verpackt und in einer ausrangierten Gefriertruhe verstaut. Sie werden von einem Tübinger Spezialisten "gefriergetrocknet".

Feuchtigkeit und warme Luft würde hier mehr Schaden anrichten als helfen, versichert Gaibler. Zum Sichten des Schadens war auch die Kreisarchivarin vor Ort. "Irmtraud Betz-Wischnath hat bereits den zweiten Brief an die Gemeindeverwaltung geschrieben, dass das wertvolle Archiv im Spital nicht gut aufgehoben ist", sagte Georg Gaibler. Der Geschichts- und Heimatverein logiert seit mehr als 30 Jahren im früheren Armen- und Siechenhaus, das vor etwa 15 Jahren von der Gemeinde zum Vereinshaus umgebaut worden war.

Was genau die Ursache des Wasserschadens war und wie hoch der Schaden am Gebäude ist, sei noch nicht geklärt, so Norbert Rupp, Leiter der Eninger Liegenschafts-Verwaltung. "Der Schaden im rechten Gebäudeteil ist über drei Stockwerke erheblich", betonte Rupp.

Nicht betroffen sind die linke Haushälfte jenseits des Treppenhauses und die Anbauten. Ein Raum der Kindertagesstätte "Glückskäfer", der sich im alten Gebäude befindet, wurde mittlerweile wieder für den Betrieb freigegeben. Das Wasser war auch hier durch die Decke getropft.

Wie es nach der nun angelaufenen Grundtrocknung weitergeht, weiß eine Woche nach dem Schaden bei den Vereinen noch niemand so recht. Ein Gutachter hatte am vergangenen Freitag Messungen zur Luft- und Umgebungsfeuchtigkeit durchgeführt. Ergebnisse liegen bis dato noch nicht vor. Liegenschaftschef Norbert Rupp: "Nach der Trocknung muss ein Statiker prüfen, wo die Decke runter muss und wo eine Trocknung ausreicht."

Der geringste Schaden entstand bei den Philatelisten: "Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen. Bis in einem halben Jahr wird sich zeigen, ob sich die Spanplatten unterm Bretterboden verwerfen", ist Vorsitzender Andreas Schreiber erleichtert.

Einen Stock tiefer im Museumsarchiv war das Wasser zentimeterhoch auf dem Fliesenboden gestanden, aus den vollgelaufenen Lampen getropft und an den vollgesogenen Wänden herunter gelaufen. In einer Hau-Ruck-Aktion hatten Vereinsmitglieder noch am selben Tag die gesamten Archivalien des Heimat- und Geschichtsvereins zu den "trockenen" Flurnachbarn geschafft.

Beim Gesangverein stapeln sich derzeit Kisten und Kartons bis unter die Decke. Die Schilfmattendecke unter den alten Holzbalken im Gemeinschaftsraum der DLRG muss bis auf die Küche komplett abgetragen und generalsaniert werden. Am Mobiliar ist nur geringer Schaden entstanden. Die Ausschuss-Sitzung des Vereins wurde spontan ins Wohnzimmer verlegt - und der traditionelle Mutschelabend in die Gastwirtschaft.

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