Museen zu Pfingsten

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Über Pfingsten lohnt sich ein Besuch in den Reutlinger Museen allemal – denn das Naturkundemuseum, das Heimatmuseum, das Kunstmuseum Spendhaus und die Städtische Galerie sind über die Feiertage – sprich: am Sonntag, 4. Juni, und am Montag, 5. Juni – geöffnet: jeweils von 11 bis 18 Uhr.

Beginnen wir mit dem Naturkundemuseum: Dort erwartet die Besucher die Sonderausstellung „Klein, aber oho!“ zur Vielfalt und Bedeutung der Insekten. Keine Tiergruppe ist erfolgreicher unterwegs als sie. Insekten sind allgegenwärtig und spielen eine zentrale Rolle für das Funktionieren praktisch aller Ökosysteme. Ohne sie wäre die Welt eine andere, und auch dem Menschen würden nicht nur blühende Wiesen und zwitschernde Vögel, sondern Nahrungsmittel, Medikamente und sehr viele Innovationen fehlen.

Außerdem ist die Sonderausstellung „Grasart“ zu sehen mit Bildern voller Anmut und Wucht zu einer an Schönheit kaum zu übertreffenden Pflanze, die den größten Lebensraum der Erde prägt. Der Fotograf Ingo Arndt war dafür in den Grasländern der Welt unterwegs, erkundete die Pampa, die Steppe und die Prärie, die Savanne, die Everglades, den Bambusdschungel Chinas und die Schilfinseln des Donaudeltas.

Filigrane Gewächse

Begegnet sind ihm riesige Weiten aus filigranen Gewächsen, bevölkert von kleinen und großen Tieren, die Schutz und Nahrung darin suchen. Vom riesigen Bison, dessen Größe sich noch in seinen Herden potenziert, bis zum zarten Perlmutterfalter – sie alle leben vom Gras, wie auch der Mensch. Gräser sind die ältesten Kulturpflanzen der Welt und stellen aktuell über 50 Prozent der Welternährungsenergie dar. Und die Bedeutung von Gras geht noch weiter: Es hat die Evolution entscheidend geprägt, auch unsere. Der Eintritt ist frei.

Am Samstag, 3. Juni, um 12 Uhr sowie am Sonntag, 4. Juni, um 15 Uhr führt die Kunsthistorikerin Mirja Kinzler durch die Ausstellung im Kunstmuseum Spendhaus „Von Japan inspiriert. Martha Cunz und der Farbholzschnitt um 1900“. Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Grafik des Jugendstils und mit dem Einfluss, den die japanische Kunst auf diese hatte. Im Zentrum steht die Schweizerin Martha Cunz, deren Werke sogar Kollegen wie Wassily Kandinsky beeinflussten. Die Schau umfasst rund 150 Arbeiten aus der Sammlung des Historischen und Völkerkundemuseums St. Gallen sowie aus der Spendhaus-Sammlung. Neben den Holzschnitten gibt es auch exemplarische Beispiele für das Kunsthandwerk des Jugendstils zu sehen, was die Wechselwirkung zwischen den verschiedenen Bereichen anschaulich macht. Die Ausstellung „Konstruktionen nach dem Sinn“ zeigt Arbeiten der jungen Leipzigerin Jennifer König, die als erste Preisträgerin den Holzschnitt-Förderpreis des Spendhaus-Freundeskreises erhielt. Die Studio-Ausstellung „HAP Grieshaber: Kindheitsbilder“ gruppiert sich um eine Werkgruppe aus acht Holzschnitten mit Babydarstellungen, die Grieshaber 1954/55 nach der Geburt seiner Tochter in verschiedenen Farb- und Formvarianten schuf. Besonders in seinen frühen Jahren orientierte er sich – wie viele Künstler der Moderne – stilistisch an der Schlichtheit von Kinderzeichnungen. Später tauchen Kinder vor allem als Bestandteil seiner Motivwelten auf, eingebettet sowohl in familiäre, historische wie religiöse Kontexte. Eintritt: „Von Japan inspiriert. Martha Cunz und der Farbholzschnitt um 1900“ im Kunstmuseum: fünf, ermäßigt drei Euro.

Verlorene Spuren

Das Heimatmuseum zeigt an Pfingsten in der Sonderausstellung „Verlorene Spuren. Schwäbische Auswanderung in den Kaukasus 1817“ die spannende Auswanderergeschichte tausender Württemberger. Nach langer beschwerlicher Reise gründeten sie acht Kolonien im heutigen Georgien und Aserbaidschan. Eine davon war Helenendorf, heute Göygöl, deren Bewohner zu einem großen Teil aus Reutlingen kamen. Eintritt: zwei, ermäßigt ein Euro.

Am Pfingstmontag (5. Juni) lädt das Heimatmuseum in den Museumsgarten ein. Als ruhige, idyllische Oase mitten in der Reutlinger Innenstadt ist der Garten des Heimatmuseums bekannt. Er dient aber auch als Lapidarium für große Steindenkmale. Im Rahmen der öffentlichen Führung „Verborgene Schätze. Denkmäler im Museumsgarten“ können Besucherinnen und Besucher die Geschichten und Geheimnisse hören, die sich um die alten, verborgenen Schätze ranken. Neben römischen Säulen und mittelalterlichen Sühnekreuzen gibt es auch  ganze Portalanlagen zu entdecken. Die Führung mit der Kunsthistorikerin Sylvia Lierau beginnt um 15 Uhr. Der Rundgang schließt einen Besuch der ansonsten nicht öffentlich zugänglichen gotischen Kapelle im Museumsgarten ein. Kosten: zwei Euro.

Am Pfingstsonntag kann im Museum „Im Dorf“ in Betzingen das bäuerliche Leben in Betzingen des 19. Jahrhunderts nachempfunden werden. Einen Eindruck der Schönheit und Vielfalt heimischer Pflanzen und Tiere geben rund 60 Makro- und Telefotografien in der Fotoausstellung im Dachgeschoss des Bauernhauses. Diese Sonderausstellung und das Museum sind von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Naturkundemuseum
Sonderausstellung „Klein, aber oho!“
Sonderausstellung „GRASART“

Kunstmuseum Spendhaus
Ausstellung „Von Japan inspiriert. Martha Cunz und der Farbholzschnitt um 1900“
Ausstellung „Konstruktionen nach dem Sinn“
Studio-Ausstellung „HAP Grieshaber: Kindheitsbilder“

Heimatmuseum
Sonderausstellung „Verlorene Spuren. Schwäbische Auswanderung in den Kaukasus 1817“
Führung „Verborgene Schätze. Denkmäler im Museumsgarten“

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