Mozart-Glück und Tango-Rhythmen

Von Mozart zur Moderne und wieder zurück führte das Martinskollegium Pfullingen. Es wurde ein spannendes Konzert vor begeistertem Publikum.

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Es ist kein Druckfehler: An diesem Konzert teilten sich tatsächlich zwei Dirigenten die Arbeit. Stefan Knote, der das Martinskollegium schon erfolgreich durch mehrere Projekte geführt hat, fungierte bei den Werken von Mozart und Piazzolla als Konzertmeister und in Philip Glass Violinkonzert als Solist. Angesichts der extremen Herausforderungen des Soloparts in diesem Werk übernahm Gerhard Heydt, der das Stück für Streicher arrangiert hat, hier den Taktstock.

Doch los ging es mit Wolfgang Amadeus Mozart, für den Stefan Knote und das Martinskollegium offenbar eine spezielle Ader haben. Schon in früheren Konzerten begeisterten sie die Hörer mit präzisen und lebendigen Interpretationen des Wiener Klassikers. Nun bot eine kleine Besetzung mit Pauken (Benedikt Hinger) die "Serenata Notturna" KV 239 im Stehen, als "Ständchen" dar. Solisten und Tutti werfen sich darin Mozarts Einfälle nur so zu, passgenau und spielfreudig, frisch und vergnüglich.

An dem Violinkonzert von Philip Glass (1987) hatten die Musiker wohl weniger Freude. Vermutlich riskiert nur selten ein Laienorchester eine Aufführung; nicht umsonst hat Philip Glass für seine Musik ein eigenes Ensemble gegründet.

Das Wesentliche an ihr sind die minimalen Veränderungen, die sich ergeben, wenn die wiederholten, dicht gewobenen Muster der Einzelstimmen sich gegeneinander verschieben. Dies ist allerdings nur dann zu hören, wenn absolut präzise und durchsichtig gespielt wird, und das kann eine große Laien-Besetzung bei ungünstiger Akustik einfach nicht leisten.

Auch wenn Stefan Knote mit schlanker Tongebung und filigraner Virtuosität den Solopart bewundernswert meisterte und das Orchester unter Gerhard Heydts Leitung versuchte, dem mathematischen Konstrukt Seele einzuhauchen, blieb der Gesamteindruck doch allzu diffus.

Klar war die Sache dafür wieder bei Astor Piazzolla: Seine auf Tangorhythmen und barocken Vorbildern basierenden drei Stücke für Kammerorchester ("Tres Piezas para Orquesta de Camera") entsprechen eher dem gängigen Musikverständnis. Und mit Kerstin Mörk war eine junge Pianistin zu Gast, die gemeinsam mit den engagiert aufspielenden Streichern sowie Stefan Knote als Konzertmeister die dunklen Farben und harten Rhythmen gekonnt zur Geltung brachte. Manchmal schien der Orchesterklang fast zu kompakt, doch klare Akzente und glühende Emphase vermittelten die wortlose Sprache des Tango Nuevo so mitreißend und überzeugend, dass eine Zugabe fällig war.

Mit den Tangorhythmen im Ohr konnte man danach, wenn man wollte, Mozart neu hören. Auch die Musiker schienen den Kopfsatz der berühmten "Kleinen Nachtmusik" rhythmisch besonders pointiert zu gestalten. Doch das Mozartspiel von Stefan Knote und dem Martinskollegium ist ohnehin von Energie und Zielbewusstsein geprägt, so dass es der Tango-Inspiration eigentlich nicht bedurfte.

Hier fühlten sich die Musiker hörbar zuhause, mit spontaner Spielfreude und differenziertem Zugriff gewannen sie dem scheinbar zeitenthobenen Klassik-Ideal kontrastreiche Unmittelbarkeit ab. Betont weich und kantabel wurde die "Romanze" gegen den deutlich strukturierten ersten Satz und das fast deftige Menuett gestellt, und im Final-Rondo fingen die Saiten geradezu Feuer. Mit Wonne und Verve gings ins Ziel, gefolgt von lebhaftem Beifall und einer anmutigen Zugabe.

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