Mit Visionen in den neuen Kreis

Ist der 40-jährige Björn Birkholz ein Spaßkandidat bei der Bürgermeisterwahl in Eningen? "Nein, das würde ich so nicht nennen", sagt er. Dennoch verbreitet der Fachirformatiker viel Spaß.

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Viel Arbeit hat der Fachinformatiker und Bürgermeister-Kandidat Björn Birkholz mit dem neuen "Landkreis Eningen" vor sich, sollte er tatsächlich gewählt werden.  Foto: 

Landrat Thomas Reumann müsste sich eigentlich freuen, denn: Wenn doch ein Bauplatz für ein neues Landratsamtsgebäude gesucht werde - "in Eningen finden wir im Arbachtal bestimmt noch was Passendes", sagt Björn Birkholz. Und das würde im Übrigen hervorragend zu den Plänen des 40-Jährigen passen, denn: "Wenn die Stadt Reutlingen sich auskreist, dann stehe ich dafür, dass Eningen neue Kreisstadt wird."

Konsequenterweise hieße der ganze Kreis dann auch "Landkreis Eningen" und würde der knapp 11 000-Seelen-Gemeinde endlich die Bedeutung verleihen, die der Ort nach Birkholz' Meinung auch gebühre.

Und was wäre mit Pfullingen, der knapp 18 000 Einwohner zählenden Nachbarin? "Pfullingen würden wir eingemeinden und dann in Unter-Eningen umbenennen", sagt der Mann, der als Fachinformatiker einer durchaus ernsthaften Tätigkeit nachgeht - was von seinem Engagement als Kreisvorsitzender für "Die Partei" nicht unbedingt behauptet werden kann.

"Zentrales Thema unserer Partei, die im Übrigen als eine der ganz wenigen politischen Gruppierungen Mitglieder hinzugewinnt, lautet Inhalte überwinden", sagt Birkholz. Im Grundsatzprogramm der "Partei" stehe zwar das, was in allen anderen Grundsatzprogrammen anderer politischen Gruppierungen auch steht. Aber: "Wir haben es drauf angelegt, vom Verfassungsschutz überwacht zu werden."

Das habe aber - leider - nicht funktioniert, sagt Björn Birkholz. Und was würde wohl Metzingen zu einer Kreisstadt Eningen sagen? "Metzingen? Was interessiert mich Metzingen", sagt der 40-Jährige, schiebt dann aber sofort hinterher: "Wann wird da gewählt?" Und schließlich kann er sich das Lachen doch nicht mehr verkneifen.

In Bremerhaven wurde der Fachinformatiker geboren, hat dort 20 Jahre gelebt, bevor er in die schwäbischen Gefilde zog. "Immerhin bin ich der einzige Kandidat, der Eninger Blut in den Adern hat", sagt Birkholz. Warum? "Meine Mutter ist Eningerin." Und das könnten schließlich weder Dr. Barbara Dürr noch Alexander Schweizer als seine Mitbewerber vorweisen.

Ein weiterer Vorteil des jüngsten Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 21. Juni: "Ich bin in keinem Verein und könnte somit auch völlig unbelastet Entscheidungen treffen." Ein Punkt aus seinem "Programm" für Eningen? "Ich bin gegen TTIP und würde stattdessen eine Freibierhandelszone zwischen dem Scharfen Eck und dem Zapfhahn einführen", so Birkholz.

Was er besser machen würde als Konkurrent Schweizer? "Alles", sagt Birkholz. Schließlich sei der amtierende Rathauschef doch viel zu sehr auf das Verwaltungstechnische beschränkt, "er hat keine Visionen", glaubt Birkholz. Als "inhaltslos" bezeichnet er seine Mitkandidatin Dürr, "wenn sie die Wirtschaft stärken will - das sagen doch alle, hätte sogar von mir sein können", betont der Fachinformatiker. Und lacht wieder.

Grundsätzlich würde er Eningen als Bürgermeister zur "Stadt der Liebe" weiter entwickeln. Will er den ganzen Ort zum Rotlichtviertel umwidmen? "Nein, ich bin einfach für mehr Durchgangsverkehr." Und mehr Liebe - das wäre doch mit Sicherheit auch ein Thema für Altenheime.

Natürlich würde der spaßige Kandidat nach seiner Wahl mit dem Gemeinderat zusammenarbeiten, "da kommt man ja nicht dran vorbei". Wie er sich das dann vorstellt, bei seinen Visionen? "Ich würde mit knallharten Argumenten überzeugen", betont Björn Birkholz. Aber: So richtig glaubt er dann doch nicht dran, dass er gewählt werden könnte. "Ich hätte ja nicht gedacht, dass es so wenige Kandidaten gibt", betont der 40-Jährige. "Und ich gehe davon aus, dass andere Personen, die nicht auf dem Wahlzettel stehen, noch vor mir landen werden", sagt Birkholz. Dabei wirkt er nicht gerade so, als ob ihm das leidtun würde.

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