Mit viel Herz und Leidenschaft

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Beim 60-jährigen Jubiläum der Hauspflege Reutlingen sorgte auch ein buntes Rahmenprogramm mit Musik und Kabarett für Abwechslung.  Foto: 

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein: Seit 60 Jahren begleitet der private häusliche Pflegedienst „Hauspflege Reutlingen e.V.“ kranke und ältere Menschen und bietet daneben auch hauswirtschaftliche Versorgung, Betreuungsleistungen sowie Kurzzeitpflege als Urlaubs- oder Krankheitsvertretung an. Bei der von Frank Seeger moderierten Jubiläumsfeier im Spitalhofsaal gewährte der Verein Ein- und Rückblicke in seine Arbeit.

„Gerade in einer Zeit, die von Unwegbarkeiten und Unsicherheit geprägt ist, sind wir stolz, heute unser 60-jähriges Jubiläum zu feiern“, begrüßte die Erste Vorsitzende Marie-Luise Heinrich ihre Gäste. Mitglieder, Unterstützer und Ehrengäste sind am Samstagvormittag gekommen, um auf die wechselvolle Geschichte der Reutlinger Einrichtung zurückzublicken.

Während 1957 bei der Gründung der Ortsgruppe Reutlingen die Betreuung pflegebedürftiger oder älterer Menschen noch überwiegend von Familienmitgliedern übernommen wurde, nahm die Hauspflege und Pflegeberatung mit den Jahren einen immer größeren Stellenwert ein. Diesbezüglich hat sich auch in der öffentlichen Wahrnehmung einiges verändert. Dagegen ist die Arbeit selbst im Vergleich zu den Anfängen des Vereins fast dieselbe geblieben, „nur leiden wir heute unter einem permanenten Personalmangel“, klagt Marie-Luise Heinrich.

Eine, die die Reutlinger Ortsgruppe maßgeblich mit aufbaute und prägte, war die Kauffrau Lore Arnold, die die Hauspflegestation bis kurz vor ihrem Tod 1979 leitete. Damals hatte der Verein 21 Mitarbeiterinnen, die einen Stundenlohn von fünf Mark und ein Wegegeld von ebenfalls fünf Mark pro Tag erhielten.

Mit Inkrafttreten der Pflegeversicherung am 1. April 1995 änderte sich manches zum Guten, aber auch der bürokratische Aufwand wurde größer. Zu jener Zeit hatte der Hauspflegedienst zwölf Festangestellte, 40 geringfügig Beschäftigte und sieben Nachbarschaftshelferinnen. Aktuell werden jeden Monat rund 150 Haushalte von 50 Mitarbeiterinnen versorgt, „ohne deren Einsatz mit viel Herz und Leidenschaft es diese Einrichtung nicht gäbe“, so die Vorsitzende bei ihrem Rückblick.

Mirko Hohm vom Paritätischen Wohlfahrtsverband verwies in seinem Grußwort darauf, dass der Verein heute stark in der Hauspflege der Region verwurzelt sei und ambulante Pflege in einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft immer wichtiger werde: „Erfolgreich ist nicht der, der für sich selbst viel erreicht, sondern wer für andere etwas tut, etwa hilfsbedürftigen Menschen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht“, brachte er die Arbeit der Reutlinger Hauspflege auf den Punkt.

Pflegedienstleiter Wolfram Boley wagte im Anschluss einen Blick in die Zukunft und verwies mit Blick auf den demografischen Wandel und die derzeit 1,5 Millionen Demenzkranken bundesweit ebenfalls auf die starke Zunahme von Pflegebedürftigen. Sein Fazit: „Wir brauchen eine differenzierte Betrachtung und letztlich eine Auflösung der noch starren Sektoren ambulant und stationär“. Aus der Überwindung der Abgrenzung der Sektoren könne eine gegenseitige Bereicherung entstehen und daraus resultierend der schrittweise Aufbau von fachlich und wirtschaftlich sinnvollen Versorgungsmodellen.

Für die musikalische Unterhaltung sorgte zwischen den Reden ein Streichquartett mit Mozart-Werken und Komödiantin Sarah Kentner erzählt eine schwäbische Geschichte über die Schildkröte Elvis. Die Feier endete auf dem sonnendurchfluteten Spitalhof mit Maultaschen, Gebäck und anregenden Gesprächen.

Haushalte versorgt der Verein Hauspflege Reutlingen derzeit mit 50 Mitarbeiterinnen. Der Verein wurde 1957 gegründet und konnte jetzt sein 60-jähriges Jubiläum feiern.

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