Mit Schalmeien und Schwur

Familiärer und mit weniger großem Tam-Tam feierte die Narenzunft Hoagamännle ihr Häsentstauben heuer auf dem Platz vor dem Farrenstall, wo auch ihr Vereinsheim ist. Dazu gab's Schalmeienmusik.

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Michael Tröster sorgt mit dem Staubwedel dafür, dass seine Narren blitzeblank in die Session gehen.  Foto: 

Nicht mehr vor dem Schlössle, wie seit Jahren, zog es die Hoagamännle, deren Hexen, ihre Narrensamen (die Novizen) und Mottles Heer zum Auftakt in die närrische Session 2015 am Sonntag. Praktisch, weil der kurzen Wege wegen: Es ging auf den Hof des Farrenstalls, wo sowohl die Narrenzunft wie auch der Pfullinger Spielmanns- und Schalmeienzug ihr Vereinsheim haben.

Gleich 54 Hästräger und vier Kinder durfte der Vorsitzende Michael Tröster dort begrüßen. Doch halt! Ihre kunstvoll gearbeiteten Masken durften die Hoagamännle und die Hoagahexen freilich erst über den Kopf ziehen, nachdem Tröster jeden Mann und jede Frau mit einem türkisfarbenen Wedel entstaubt hatte. So ist das gute Sitte und Brauch - seit es die organisierte Narretei im Land gibt.

Und die taktete am Sonntagnachmittag auf mit Schalmeienunterstützung und "Rockin' all over the world" und "Rock around the clock", was bis zum Aschermittwoch, 18. Februar durchaus öfter der Fall sein kann - auf Umzügen oder den Zunftabenden.

1996 griffen die Hoagamännle ins Geschehen ein, irgendwie verständlich für eine Region, die protestantisch geprägt ist, wie überhaupt das Zentrum des närrischen Treibens weiterhin Oberschwaben ist. Brauchtumsabende und Umzüge gehören für die nächste Zeit zum Wochenend-Programm der Zunft.

Höhepunkt ist die Hauptfasnet, die mit dem schmotzigen Doschdig in die Zielkurve einbiegt. Dann wird der Narrenbaum gestellt. Und im Rathaus wird dann der neue Bürgermeister Michael Schrenk am Donnerstag, 12. Februar, aus seinem Dienstzimmer geholt. Was ihm vor der Pforte seines Reichs droht, ist noch nicht bekannt. Aber jede Menge Schabernack ist garantiert.

Außerdem gibt es dann wieder einen Kinderumzug. Apropos Kinder: Die "Narrensamen", der am Sonntag frisch verpflichtete Nachwuchs der Hoagamännle, waren mit zwischen 18 und 25 Jahren dem Kindesalter längst entwachsen - diesmal. Es gab auch schon Taufen für viel jüngere Nachwuchsnarren.

"Mögen sie sich lebenslänglich in den Dienst der Narren stellen", heißt es beispielsweise auf den neuen Mitgliedsurkunden. Die bekamen Rico Kaupp, Sarah Browatzki und Marcel Renz. Deutlicher wird der Verein bei Hästrägern, die fortan ganz offiziell auch den guten Namen der Hoagamännle und -hexen in die Öffentlichkeit tragen, so bei Umzügen - oder den prächtigen Zunftabenden. Im Gelübde ist nämlich nicht nur von "mindestens 20 Arbeitsstunden jährlich", sondern es war am Montag von Dana Mamber auch feierlich zu schwören: "Mein Häs immer in Ordnung und Ehre zu halten" sowie: "Bei Veranstaltungen des Vereins nicht dem Alkohol zu verfallen."

Im Übrigen sind die "ordentlichen" Narren im Häs, man sieht ja ihr Gesicht nicht, schon seit langem durchnummeriert, falls es bei den quirligen Umzügen je Beschwerden der Bevölkerung geben sollte.

Doch die Pfullinger sind ja bekanntlich alles "liebe Narren" - zumal sie auch stets auf dem Kinderfasching mindestens einen Auftritt vollführen.

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