Mit liebenswürdiger Beharrlichkeit

Es bedarf schon "herausragender Verdienste", um die Bürgermedaille zu erhalten, betonte OB Barbara Bosch am Dienstag im Rathausfoyer, als sie die frühere Stadträtin Suse Gnant damit auszeichnete.

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Die Bürgermedaille bekommt nicht jeder: Suse Gnant mit Oberbürgermeisterin Barbara Bosch.  Foto: 

Musikliebhaberin Suse Gnant freute sich besonders, dass den Festakt die Schwestern Isabelle und Rebecca Haas, Bundespreisträgerinnen des Wettbewerbs "Jugend musiziert", umrahmten. Die Bürgermedaille, so Oberbürgermeisterin Barbara Bosch in ihrer Laudatio, sei nach dem Ehrenbürgerrecht die höchste Anerkennung, die die Stadt ausspricht und werde alles andere als "inflationär" verteilt.

Die heute 75-jährige gebürtige Ennabeurenerin, also eine Älblerin, gilt als "durchsetzungsfreudige Persönlichkeit", die, hat sie sich etwas in den Kopf gesetzt, so schnell nicht aufgibt. Aber diese Beharrlichkeit garniert sie mit einer Liebenswürdigkeit, so dass ihr kaum jemand etwas abschlagen kann. Neben ihrem Beruf als Sport- und Hauswirtschaftslehrerin war sie als Stadträtin - mit einer kurzen Unterbrechung - von 1985 bis 2014 kommunalpolitisch tätig. Aber es blieb für Suse Gnant immer noch, so die Rathauschefin, "Energie für zwei weitere Baustellen".

Die eine war die tadschikische Partnerstadt Duschanbe. Über 136 000 Euro, so Barbara Bosch, habe die Sozialdemokratin an Spenden gesammelt, um den Jungen und Mädchen am Rande des Pamir-Gebirges täglich ein warmes Essen und oft auch einen warmen Pulli oder ein Schulbuch zu garantieren. Da brandete großer Beifall im Rathausfoyer auf. Als der Bürgerkrieg in Tadschikistan ausbrach, rissen die Kontakte ab, aber Suse Gnant ließ nicht locker. Unser verstorbener Kollege Rolf Mack vermittelte einen Kontakt zu einem Lehrer und so startete Suse Gnant 2001, zehn Jahre nachdem sie die Not in Duschanbe gesehen hatte, ihre Spendenaktion. "Wenn das kein Paradebeispiel für schwäbische Hartnäckigkeit ist", sagte Barbara Bosch. Die Stadt, die jährlich 1000 Euro für Kinder in Duschanbe spendet, legte als "Extra-Überraschung" noch einen Scheck über 1000 Euro drauf.

Die zweite "Baustelle" ist Suse Gnants Einsatz für die "Stiftung Palliativpflege", deren Vorsitzende sie ist. Sie organisiert Benefizkonzerte udn Wohltätigkeitsveranstaltungen und hat auf dieses Weise schon über 100 000 Euro gesammelt. Suse Gnants Einsatz für den palliativen Gedanken, betonte das Stadtoberhaupt, habe auch dafür gesorgt, dass am Kreisklinikum ein onkologischer Schwerpunkt mit Brückenpflege eingerichtet wurde. Dass sich Suse Gnant auch noch beim Spendenparlament und bei der Arbeiterwohlfahrt engagiert, "dürfte wohl keinen der Gäste verwundern", sagte die Oberbürgermeisterin.

"Es ist besser, ein Licht anzuzünden, als über die Dunkelheit zu schimpfen", zitierte Barbara Bosch Konfuzius. Suse Gnant habe diese Worte für sich neu interpretiert, diese Jahrtausende alte Weisheit mit neuem Leben gefüllt und nicht nur ein Licht, sondern viele Lichter angezündet.

So viel Lob, das ging der 75-Jährigen, obwohl sie nicht gern im Rampenlicht steht, runter wie Öl und so bekannte Suse Gnant, dass sie sich sehr darüber freue, dass ihre Arbeit solche Anerkennung findet.

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