Mit Jazz aus dem Winterschlaf

Auch Jazzer haben Frühlingsgefühle: Am 4. April startet der Jazzclub "In der Mitte" zum 14. Mal seinen Jazzfrühling. Dieses Jahr mit sechs zum Teil ungewöhnlichen Konzerten im "Mitte"-Keller und im franz.K.

|

"Dieses Jahr war ich wirklich am Überlegen, ob ich den Jazzfrühling weiterführen soll." Denn trotz Hochkarätern wie Al Di Meola, Nils Wogram und Caroline Henderson blieb Clemens Wittel beim letztjährigen Jazzfrühling auf einem dicken Minus sitzen. Dazu kam viel Ärger mit dem 59-jährigen Stargitarristen, der mit "seinen Allüren und völlig überhöhten Ansprüchen" den Mitte-Vorstand an seine Grenzen brachte.

Trotzdem startet der seit 52 Jahren bestehende Jazzkeller in der Gartenstraße einen neuerlichen Anlauf, das jazzinteressierte Publikum aus dem Winterschlaf zu rütteln. Zwischen dem 4. und 18. April werden jeweils drei Konzerte im Jazzkeller und im Kulturzentrum franz.K über die Bühne gehen. Dafür erhält der Verein von der Kreissparkasse 5000 Euro (fürs gesamte Jahr) und einen städtischen Zuschuss von 2500 Euro. Eine gute Publikumsresonanz wird dennoch entscheidend sein, ob die Unkosten aus den Eintrittsgeldern gedeckt werden können.

Nachdem im vergangenen Jahr mit Al Di Meola ein richtiger Weltstar engagiert wurde, muss Programmmacher Clemens Wittel dieses Mal kleinere Brötchen backen. Zwar stehen insgesamt sechs, also ein Konzert mehr als im vergangenen Jahr auf dem Plan, dafür mussten bei der Auswahl der Künstler Abstriche gemacht werden.

Auftakt ist am 4. April das Konzert mit dem Sänger Daniel Melingo im franz.K, einer der derzeit schillerndsten Persönlichkeiten im argentinischen Tango. Mit viel Verve vereint der 56-jährige Sänger, Saxophonist und Gitarrist klassisches Konzertieren mit fesselnder Melancholie, artikulatorische Feinheiten mit derbem Spielwitz, Altbewährtes mit neuen Tango- und Musette-Interpretationen.

Weiter gehts am 5. April im Jazzclub Mitte mit einem Duo, das eigentlich aus der Klassik kommt. Die Opernsängerin Ilona Wolf bestreitet gemeinsam mit der Pianistin Sabine Joß einen Abend mit Gershwin-Songs, Stücken von Kurt Weill und Liedern von Georg Kreisler. Beide Interpreten sind genreübergreifend unterwegs und man darf gespannt sein, inwieweit ihre Songs aus dem 20. Jahrhundert die Brücke zum Jazz schlagen.

Ganz auf zeitgenössischen Mainstream-Jazz setzt dagegen das dritte Konzert am 11. April mit dem 20-köpfigen Bigband-Orchester Jazz@Large aus Stuttgart im franz.K, das dafür bekannt ist, immer mit wechselnden Besetzungen sowie unterschiedlichen Komponisten und Bandleadern aufzutreten.

Die Leitung bei diesem Konzert haben Kurt Holzkämper, Wolfgang Fuhr und Eberhard Budziat übernommen. Polyphone Strukturen sind Kennzeichen ihrer Musik, die höchsten Bigband-Ansprüchen genügt und zugleich mit publikumswirksamer Eingängigkeit aufwartet. Ein Programm mit einem feinen Gespür für Abwechslung und gepflegte Unterhaltsamkeit.

Am 12. April bietet das International Trio mit Special Guest Olivier Franc am Sopransaxophon einen Streifzug durch die Geschichte des etwa ein Jahrhundert alten Jazz. Die Musik der Gruppe orientiert sich am New-Orleans-Giganten Sidney Bechet und wirkungssicher portionierten Fächerungen, die mit einer kraftvoll swingenden rhythmischen Basis verbunden werden.

Erstmals wird beim Jazzfrühling auch die Comedy zu Wort kommen, wenn der Pianist Tobias Sudhoff mit den beiden Paul-Kuhn-Mitspielern Willy Ketzer und Paul G. Ulrich am 17. April sein neues Programm "Glück!" in der Mitte präsentiert - ein Mix aus Jazz und Kabarett.

Der Jazzfrühling endet am 18. April mit dem Altmeister des Flügelhorns, Ack van Rooyen, und den beiden deutschen "Trompeten-Stars" Rüdiger Baldauf und Joo Kraus. Während van Rooyen mit seinem warmen, einfühlsamen Ton und freien Improvisationen das Publikum verzaubert, bereichert Kraus mit Rap-Einflüssen und Soundcollagen diese "Trumpet Night".

Insgesamt verspricht das Festival ein ausgewogenes Programm, mit einer Reihe von genreübergreifenden und noch nie in Reutlingen aufgetretenen Musikern.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Zum Schulbeginn ist der Stau weg

Die Belagserneuerung an der Rommelsbacher Straße vor dem Tunnel liegt im Zeitplan. Verdrückungen und Risse machten die halbseitige Sanierung der Rommelsbacher Straße nötig. weiter lesen