Mit Gurke und Bongo

Eine heiße Stimme und afro-kubanische Rhythmen: Milagros Pi·era Ibaceta bezauberte mit ihrem Können das Werkkonzert-Publikum, auch wenn das Motto "Cuba sinfónica" nicht durchgehend erfüllt wurde.

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Das Orchester geht klanglich auf Kubareise - mit Gastsolistin Milagros Pi·era Ibaceta beim Werkkonzert in der Listhalle. Foto: Marinko Belanov

Die beliebte Werkkonzert-Reihe schaut gern über den Tellerrand der Stile und Genres. Orchestral eingebunden werden Künstler und Ensembles aus dem nicht-klassischen Bereich. Dieses Crossover ist spannend - niemand weiß vorher so genau, was dabei herauskommt. Denn es ist nicht damit getan, dass die Gäste allein ihre Show abziehen und das Orchester dazu die Kultur-Staffage macht. Das Sinfonieorchester soll stets musikalisch aktiv sein, auch wenn die Verbindung erst mittels Arrangement hergestellt werden muss. Das ist nicht einfach. Zwar sind die Orchestermusiker in der Lage, alles zu spielen, was auf einem Notenblatt steht, doch manches steht nicht einmal zwischen den Zeilen.

Etwa der unnachahmliche Swing der komplexen afro-kubanischen Tanzrhythmen, der einem offenbar in die Wiege gelegt sein muss. Wie etwa bei Milagros Pi·era Ibaceta, Sängerin und Songwriterin, die gemeinsam mit dem Gitarristen Miguel Leonardo García ihr mit "Cuba sinfónica" betiteltes Programm darbot, sozusagen ein Nachfolger ihrer Auftritte in Österreich, wo sie - wie ihr Gitarren-Begleiter - seit längerem lebt und arbeitet.

Sinfonisch im engeren Sinne war dieser Abend nur sporadisch: etwa bei dem als Ouvertüre verwendeten "Danzón Nr. 2" des Mexikaners Arturo Márquez, den das Orchester so sensibel wie kraftvoll umsetzte und sich dabei manchmal musikalisch in den Hüften zu wiegen schien. Oder Milagros Pi·eras eckiger Bearbeitung von Ernesto Lecuonas "La Comparsa", die am Beginn des zweiten Teils die Stelle eines wegen Notationsmängeln weggelassenen Stücks von Revueltas vertrat. Gibt es keine brauchbare Orchestermusik aus der Karibik?

Ansonsten bestand die vom Dirigenten moderierte Programmfolge aus selbst komponierten und fürs Orchester arrangierten Songs von Milagros Pi·era; meist dichten, von leiser Melancholie durchzogenen Chansons mit Titeln wie "Que Pena" (wie schade), "Ma·ana mi amor" (morgen, meine Liebe), "Ausencia" (Abwesenheit) oder "Muchacho loco" (verrückter Kerl), stilistisch - für Außenstehende - in etwa vergleichbar mit kultivierten Bossa-Nova-Songs. Wer heiße Karibik-Nummern erwartet hatte, wurde enttäuscht; ruhig stand die Künstlerin am Mikro, dezent unterstützt durch ihren Gitarristen. Südliches Temperament verkörperte eher das lebhafte Dirigat von Carlos Domínguez-Nieto. Eigentlich braucht diese kunstvolle Solisten-Musik keine Orchesterbegleitung, genausowenig wie die große Stimme von Milagros Pi·era ein Mikrofon benötigt. Wahrnehmbar war ihr Nuancenreichtum eher in den leisen Passagen, etwa in "Alfonsina y el mar" von Ramirez, ansonsten tat die elektrische Verstärkung meist des Guten zu viel. Allein mit ihrem natürlichen, ausdrucksstarken Mezzo-Timbre und einem simplen, doch hochpräzise swingend gespielten Perkussionsinstrument wie etwa Gurke, Holzstäben (Clave) oder Bongos könnte die zierliche Sängerin locker die Säle füllen. Das Orchester gab jedenfalls in der ungewohnten, dabei rhythmisch äußerst anspruchsvollen Begleiter-Rolle sein Bestes.

Den Versuch sind solche Crossover-Projekte allemal wert; schwierig wird es, wenn auf die Schnelle eine musikalische Brücke hin zu fremden Stilen geschlagen und vom Orchester stilsicher begangen werden sollte. Wie auch immer: Das Publikum ging mit und dankte mit lang anhaltendem Beifall.

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