Mit einem Nadelstich Leben retten

Menschen helfen und gar Leben retten: Mit einem Nadelstich ist dies möglich. Eine Blutspende hilft Patienten zu überleben, dauert gerade einmal ein paar Minuten und birgt für den Spender kein Risiko.

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Menschen helfen, gar Leben retten, das ist eigentlich ganz einfach. Ein Nadelstich reicht letztlich dafür aus. Wer sein Blut, das laut Arzneimittelgesetz ein Medikament ist, spendet, hilft unter anderem Krebspatienten, Unfall- und Verbrennungsopfern, Menschen mit Herz-, Darm- und Magenerkrankungen. Und viel Aufwand muss für eine Spende nicht betrieben werden. Wer sich zum ersten Mal anzapfen lässt, sollte etwa eine Stunde Zeit mitbringen. Es gilt einen Fragebogen auszufüllen, Blutdruck, Fieber und Puls messen sowie das Herz abhören zu lassen. Dies ist nötig, um Krankheiten, Kreislaufprobleme, Gefahr für Herz und den Organismus sowie eventuelle Herzfehler und Infektionen vorweg auszuschließen. Mit einem Pieks in den Finger oder das Ohrläppchen wird der Hämoglobinwert ermittelt. Ist dieser ausreichend hoch, darf gespendet werden, sagt Dr. André Andruza, Arzt beim DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen. Gibt der Arzt grünes Licht, ist der Weg auf die Liege frei. Hier gibt es den nächsten Stich, und das Blut fließt. Bevor dieses aber in den Beutel kommt, werden zunächst drei Röhrchen gefüllt. Diese werden am nächsten Tag im Labor auf die Blutgruppe sowie Hepatitis B und C, HIV und Syphilis untersucht.

Dann aber fließt ein halber Liter Blut in den Beutel. Dieses wird am nächsten Tag in drei Bestandteile aufgeteilt, in rote Blutkörperchen, Blutplättchen (Thrombozyten) und Blutflüssigkeit (Plasma). Diese Präparate müssen in den Krankenhäusern in ausreichender Menge vorhanden sein, um Operationen zu planen und in Notfällen schnelles Handeln zu ermöglichen. Bei einem schweren Unfall beispielsweise können äußerst viele, zum Teil mehr als 80 Konserven benötigt werden, weiß Andruza. Gerade in den Sommerferien und über Feiertage kann sich dies schwierig gestalten.

Während sich die roten Blutkörperchen im Kühlschrank bei vier Grad halten und das Plasma sich bis zu zwei Jahre bei minus 30 Grad einfrieren lässt, halten sich die Blutplättchen gerade über vier Tage und müssen bei 22 Grad ständig in Bewegung bleiben. Es ist nicht einfach, immer genügend über Feiertage und Ferien vorrätig zu haben. Im schlimmsten Fall müssten geplante Operationen abgesagt werden.

Vor allem der medizinische Fortschritt und das steigende Alter der Bevölkerung lassen den Blutbedarf steigen. 2000 Spenden am Tag werden in Baden-Württemberg benötigt, deutschlandweit sind es 15 000. Aber gerade einmal vier Prozent der 18- bis 71-Jährigen im Ländle spenden, sagt Andruza. Der Spenderwille scheitere mitunter gerade an diesem Stich, mit der Angst vor der Nadel, vermutet der Arzt. Hinzu kommt die Unwissenheit um die Blutspendetermine. Letzterem ist aber leicht Abhilfe zu schaffen. Ausführlich informiert die Internetseite des Deutschen Roten Kreuzes über die Blutspendetermine.

Zwar wird seit vielen Jahren an der Herstellung künstlichen Blutes geforscht, doch noch gibt es zu viele Nebenwirkungen und Probleme. "Es wäre wunderbar, künstliches Blut herzustellen, ohne die Gefahr der Infektion und immunologischen Komplikationen", sagt Andruza, schätzt aber, dass ein Erfolg noch lange auf sich warten lasse. Und solange es das lebensrettende Gut nicht in künstlicher Form gibt, sind die Kliniken und Patienten auf jeden Spender angewiesen.

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