Mit Capri-Fischern zum Wannsee

Eine Woche lang sind Senioren aus Reutlingen in der Sommerfrische - im ehemaligen Alb-Hotel auf dem Traifelberg. Dort gibt es traditionell gutes Essen, Andachten, Spiele und Spaziergänge - samt "Taxi-Eskorte"

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Die Clowns stimmen "Capri-Fischer" an, schon singen alle mit. Den Text kennen sie auswendig.  Foto: 

Die beiden Clowns stimmen die Capri-Fischer an, und die ganze Seniorenrunde singt mit, auswendig versteht sich. Eine der älteren Damen begleitet die Clowns auf der Mundharmonika. Dann geht es weiter mit Conny Froboess’ Gassenhauser „Pack die Badehose ein“. Diese Lieder entstanden in der Zeit, als die meisten Menschen im Publikum vom Mittwochnachmittag gerade Jugendliche waren.

Da hatte jemand bei der Diakonie in Reutlingen vor 35 Jahren eine sehr gute Idee: Alte Leute, die noch in den eigenen vier Wänden wohnen, morgens abholen – und dann geht es mit dem Bus hinauf auf die Alb, in den Honauer Ortsteil Traifelberg, wo das altehrwürdige und damals einzigartige „Alb-Hotel“ aus dem Jahre 1912 liegt.

Das Alb-Hotel ist heute die „Fachschule für soziale Berufe“, doch zum Beginn der Sommerferien sind dort auch die Studenten ausgeflogen, so dass Platz ist für die Senioren aus dem Echaztal. Abends werden sie dann wieder nach Hause gefahren – in ihre vertrauten vier Wände. Und am Morgen darauf ab 8 Uhr geht es wieder in die Sommerfrische. Fünf Tage lang.

„Auch in diesem Jahr haben wir eine ganz tolle Gruppe“, sagt Gisela Braun, die das Projekt Seniorenfreizeit des Diakonieverbands Reutlingen leitet. „Es ist ein sehr gutes Miteinander, die Leute sind offen und wissbegierig und helfen sich stets auch gegenseitig. Sie haben gute Gespräche – und außerdem geht es sehr humorvoll zu“, sagt eine sichtlich zufriedene Gisela Braun. Was will man mehr. Zusammen mit ihr vor Ort, gleich am Ende der Honauer Steige links, ist auch Brauns Kollegin Sonja Konermann aktiv. Dazu kommen als – helfende Hände in jeder technisch-handwerklichen Lebenslage – Willi Etter und Bruno Eitl.

21 Teilnehmer sind es in diesem Jahr. Die jüngste Teilnehmerin ist 69 Jahre alt, die beiden Ältesten sind 90. Das macht ein Durchschnittsalter von 85,6 Jahren. Ein Mann ist auch dabei. Und gab es anfänglich kaum Fluktuation, stießen zur Gruppe 2015 gleich ein Drittel Neuankömmlinge.

Wobei es heute natürlich gegenüber der ersten Freizeit 1980 eine ganz andere Generation ist. Die Menschen von einst haben den Ersten Weltkrieg zum Teil als Jugendliche oder junge Erwachsene erlebt. Und wegen der Millionen Soldaten, die dann im Zweiten Weltkrieg gefallen sind, gab es auf den Diakonie-Tagesfreizeiten auch lange Zeit kaum Männer, die teilnahmen.

Die Speisen für die Freizeitteilnehmer werden übrigens vor Ort zubereitet, drei Köchinnen sind die Woche über im Einsatz. Und seit den über drei Jahrzehnten sind die alten Leute voll des Lobes für die Küche. „Die Suppen sind die absoluten Renner“, weiß Gisela Braun. Es folgt die Hauptspeise, zum Beispiel Schweinebraten mit Semmelknödeln – und eine Nachspeise ist auch immer mit dabei.

Doch Bewegung soll da natürlich auch sein. In mehreren Etappen wird spaziert, es gibt Stühle und Liegen – zurück geht’s mit einer eigenen Taxi-Eskorte. Gymnastik, Andachten sowie Specksteine bearbeiten gehört in den fünf Tagen ebenso dazu wie Rätsel und Spiele, auch Schirme werden von den Senioren kunstvoll bemalt.

Am Freitag endete die Freizeit mit Pfarrer Frieder Breymayer und einem großen Abschlussfest.

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