Mit Alkohol umgehen lernen

Den Alkohol bekämpfen will das neue Präventionsprojekt beileibe nicht. Junge Menschen sollen aber lernen, die Risiken des Trinkens abschätzen zu können und nicht ihr Leben und ihre Gesundheit zu gefährden.

|
Alkohol-to-go-Mitarbeiterin Marina Schilling (links) erläutert Pascal Wagner und Adriana Klaiber die Wirkungsweise des Alkomaten. Die beiden Mediengestalter aus der Kerschensteinerschule entwarfen den Fragebogen der Aktion.  Foto: 

Alkoholkonsum bei Jugendlichen ist auch in Reutlingen ein Thema. Und die Exzesse nehmen zu. Mittlerweile feiern nicht mehr nur Abiturienten rauschhaft ihren Abschluss, auch Realschüler greifen mittlerweile zum Ende ihrer Schulzeit zur Flasche. Praktisch ganzjährig gefeiert wird zudem an Locations wie der Pomologie, am ZOB oder beim M-Park.

Beliebt sind auch Jugendfestivals wie KuRT, um sich die Kanne zu geben. Dies berichten Diplom-Sozialpädagogin Verena Sulfrian und Sozialpädagogin Marina Schilling von der Reutlinger Jugend- und Drogenberatung des bwlv, des Landesverbands für Prävention und Rehabilitation.

Im vergangenen Jahr wurden fast 500 Menschen mit Alkoholvergiftung in die Kliniken des Kreises eingeliefert. 163 von ihnen waren junge Menschen bis 21 Jahre, 94 davon gerade erst 13 bis 17 Jahre alt, die Hälfte davon Mädchen. Angesichts dieser besorgniserregenden Zahlen wurde im Kreis 2009 "in der großen Zeit der Mixgetränke" das Projekt "Hart am Limit - HaLT" ins Leben gerufen, berichtet Kreissozialdezernent Andreas Bauer.

Der regionale Ansatz eines bundesweiten Projekts setzt zum einen auf einen "reaktiven Baustein". Am Tag nach ihrer Einlieferung in die Klinik bekommen die jugendlichen Alkoholtrinker Besuch von der Drogenberatung. Gut 40 Mal war dies im vergangenen Jahr der Fall. Diese Gespräche danach "regen viele dann zum Nachdenken an", sagt Sulfrian: "Der Schock an sich bewirkt viel und die ganzen Umstände". Deshalb "besuchen wir eigentlich niemanden zweimal im Krankenhaus", zeigt die Erfahrung.

Der "proaktive Baustein" von "HaLT" setzt auf Prävention und damit auf eine Vielzahl von einzelnen Aktionen. Deren Jüngste ist das vom Sozialministerium geförderte geschlechterdifferenzierte Präventionsprojekt "Alkohol to go". Damit soll die Kommunikation und Risikokompetenz alkoholkonsumierender junger Frauen und Männer an öffentlichen Plätzen in Reutlingen gefördert werden, so der sperrige Titel. Die Fachleute machen bei der geschlechter-spezifische Suchtprävention einen Nachholbedarf aus. Hier sucht das Projekt Antworten bei den Betroffenen, will die Jugendlichen auf der Straße besuchen.

Sozusagen als "Eintrittskarte" in diese Kreise dient ein Fragebogen, der in den verschiedenen Gremien - Kooperationspartner sind neben anderen der Jugendgemeinderat und die Zelle - entwickelt wurde. Mediengestalter der Klasse D 3 MD der Kerschensteinerschule entwarfen dazu handliche Flyer, der Siegerentwurf von Pascal Wagner aus Albstadt-Laufen und Adriana Klaiber aus Burladingen wurde in einer Auflage von 1000 Stück aufgelegt. Mit den Fragebogen und einem männlichen Gegenstück besucht mittlerweile Sozialpädagogin Marina Schilling, seit fünf Jahren Mitarbeiterin im HaLT-Projekt, einschlägige Szenetreffs und versucht, mit jungen Leuten ins Gespräch zu kommen. Der Redebedarf sei im frühen Stadium des Alkoholkonsums recht hoch, weiß sie. Erstaunlich sei zudem, wie wenig Ahnung die jugendlichen Trinker über die Wirkung von Alkohol auf den Körper haben. "Wir wollen nicht den Alkohol bekämpfen", sagt Verena Sulfrian. Die jungen Leute sollen Spaß haben, aber nicht ihr Leben gefährden. Dafür sollen sie sensibilisiert werden.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ein kleines Wattestäbchen reicht

Bei der Spendenaktion für den zweijährigen Joel bereicherten 1324 Freiwillige mit ihrer Speichelprobe die weltweite Stammzellen-Datei. weiter lesen