Menschen berühren

Der Countdown läuft: In 247 Tagen eröffnet die Stadthalle. Es herrscht Aufbruchstimmung in der Kultur, auch in der Philharmonie. Wir wollen die Musiker in dieser Serie kennen lernen - mit Blick auf eine neue Ära.

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Ja, die Stadthalle kommt unaufhaltsam. Kein Wunder, dass die umliegenden Veranstaltungszentren der Region - und davon gibt es sehr viele - sich bereits Gedanken machen, wie die neue Reutlinger Halle einschlagen wird. Dieser Tage veröffentlichte die SÜDWEST PRESSE eine "Lagebesprechung", in der sich Balingens Kulturmacher Ulrich Klingler und der Tübinger Kulturmanager Marc Oßwald über die Reutlinger Stadthalle berieten: "den neuen Mitbewerber". Man sehe die Reutlinger Halle durchaus als ernste Konkurrenz, so Klingler. Doch Balingen, das mittlerweile über drei Hallen verfügt (Sparkassen-Arena, Volksbank-Messe und Stadthalle) habe sich in den vergangen Jahrzehnten durchaus zur "Marke" entwickelt und als "Konzertstandort" etabliert, sagt Oßwald. So sei der Auftritt von Herbert Grönemeyer in Balingen (Juni 2012) nur möglich geworden, weil dort über Jahre schon erfolgreiche Acts liefen - SWR Open Airs, Konstantin Wecker, Otto, Kastelruther Spatzen, Silbermond, Dieter Thomas Kuhn und mehr. Im ersten Quartal 2012 meldet Balingen 80 Veranstaltungen mit über 50 000 Besuchern. So begegne man der neuen Reutlinger Stadthalle durchaus "mit gesundem Selbstvertrauen".

Wie auch immer, "gesetzter Hauptnutzer" der Stadthalle Reutlingen wird die Württembergische Philharmonie sein. In unserer Serie wollen wir die Musiker des Orchesters etwas näher kennen lernen. In der heutigen Folge beantwortet der Hornist Sebastian Schorr unseren Fragebogen.

Was erwarten Sie von der Stadthalle?

Neue Akzente im Musikleben der Stadt und des Orchesters.

Ihr Wunschprogramm - wer sollte in der Stadthalle auftreten?

Möglichst oft Radek Baborak (mehrfach ausgezeichneter tschechischer Weltklasse-Hornist, bis 2011 bei den Berliner Philharmonikern, d. Red.) und einige Professoren der umliegenden Hochschulen.

Auf was sollte das Stadthallen-Programm verzichten?

Märsche und Polkas.

Wenn Sie Reutlinger OB wären, was würden Sie als Erstes tun?

Das Amt sofort wieder abgeben: Dafür bin ich viel zu gutmütig!

Ihr schönstes Erlebnis mit der Württembergischen Philharmonie?

Da gab es einige: Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn man mit eigenem Einsatz andere Menschen berühren kann.

Der Probenalltag ist . . .?

. . .sicherlich harte Arbeit, da wir ja in kurzer Zeit sehr viele und unterschiedliche Konzertprogramme einstudieren und außerhalb der Orchesterproben in eigener Arbeit sorgfältig vorbereiten müssen.

Was wollten Sie ursprünglich mal werden?

Ich habe mich schon sehr früh für die Musik entschieden, aber davor wollte ich immer "Opa" werden.

Was zeichnet einen guten Dirigenten aus?

Das kann man so kaum beantworten, da irgendwie alles immer im Wandel ist, aber pauschal vielleicht eine gesunde Mischung aus Diktator, Psychologe, Manager, Handwerker und Künstler.

Welche Eigenschaften kann Musik fördern?

Vielleicht Eigenverantwortung und Selbstreflexion.

Wie kann man junge Leute mehr für klassische Musik interessieren?

Vielleicht mit außergewöhnlichen Konzertverbindungen in der Öffentlichkeit, zum Beispiel einem Konzert auf dem Marktplatz mit HipHop-Tänzern.

Ihr Lieblingskomponist?

Johannes Brahms.

Ihr Lieblingswerk?

Alle Sinfonien und das Horn-Trio.

Auf welche Musik können Sie am ehesten verzichten?

Volksmusik.

Wie entspannen/konzentrieren Sie sich vor einem Auftritt?

Musik zu machen ist ja eine ganzkörperliche Höchstleistung. Deshalb ist eine langfristige Vorbereitung mit Ausgleichssport wichtig - direkt davor muss ich mich mit Kaffee auf 150 hochfahren, um möglichst konzentriert zu sein.

Das Reutlinger Publikum ist . . .?

. . .wunderbar.

Was ist die Stärke der Philharmonie? Flexibilität, Einsatz und eine sehr gute und konzentrierte Arbeitsatmosphäre.

Mit wem würden Sie gerne im Stadthallen-Foyer einen Sekt trinken?

Mit dem Ehepaar Guthörle - es gibt kaum jemanden, der sich so herzlich und unermüdlich für die Musik und deren junge Nachwuchskünstler einsetzt wie sie.

Und worüber reden?

Das lässt sich nicht eingrenzen.

Musik ist mein Beruf, mein Hobby ist . . .?

. . . die Malerei.

Was ist für Sie das größte Unglück? Dass zu viele Menschen einen zu kleinen Horizont haben, nicht kritik- und kompromissfähig sind, sich nicht selber hinterfragen oder mal an andere denken. Und dann diese elendige Selbstdarstellerei ohne jeglichen Inhalt. . .

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Mit Menschen Zeit zu verbringen, die das Obenstehende nicht betrifft.

Was nervt Sie am meisten im Alltag? Auch das Obenstehende.

Ihre Lieblingshelden in der Wirklichkeit?

Prof. Christian Lampert und Prof. Erich Penzel (der eine leitet seit 2004 die Hornklasse an der Stuttgarter Musikhochschule, der andere, geboren 1930, war lange Hornist im Bayreuther Festspielorchester und lehrte in Köln, d. Red.).

Ihre Lieblingsheldinnen?

Meine Omas.

Ihr Motto?

Wie man in den Wald schreit, kommts zurück: immer lieb, hilfsbereit und fleißig sein - ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass dies sich eines Tages auszahlen wird.

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