Meistens melancholisch

Es gibt musikalische Konzepte, die lassen sich nicht so leicht auf einen Nenner bringen: Bestes Beispiel hierfür ist die aus Kalifornien stammende und seit zwei Jahren in Seoul lebende Sängerin Natalie John.

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Ein Ohrenschmaus: Das Natalie John Quartet gastierte dieser Tage in den Räumen von Tobias Festls World of Basses.  Foto: 

Zweifellos liegen ihr Balladen am besten. Da knetet sie sich die Töne ganz neu zurecht, formt sie nach ihrem Bilde, mit jeder Phrase, jeder Silbe spielend, immer auf der Suche nach dem Song hinter dem Song, die Höhen und Tiefen auch der Stimmungslage wie nonchalant wechselnd.

Ausdrucksstark, dann wieder mit zurückhaltender Noblesse lässt Natalie John ihre Stimme erklingen. Fast glaubt der Zuhörer sie in der falschen Tonlage, aber mit der Zeit wird deutlich, dass diese musikalische Welt nach eigenen Gesetzen lebt. Wenn die kalifornische Sängerin ihre Stimme erhebt, wirkt das erst einmal etwas sperrig und fremd. Aber hat man sich erst einmal eingehört, entsteht fast so etwas wie eine lyrische Stimmung.

Dann verblüfft ihr lockerer Zugriff auf die Songs geradezu. Dann beginnen die Kompositionen zu funkeln, auch die Melodiebögen ihrer Begleitband in der Besetzung Piano (Paul Kirby), Kontrabass (Sean Pentland) und Schlagzeug (Manuel Weyand). Es ist eine gelungene Mischung aus Instrumental-Jazz und Scat-Gesang, aus folkigen und balladesken Elementen, aus Standards und Eigenkompositionen, mit der sich die seit zwei Jahren in Seoul lebende Sängerin einen Namen in den USA gemacht hat.

Sie ist es, die in ihrem Ensemble den Ton vorgibt, wenn auch das Schlagzeug bei einigen der schnelleren Stücke etwas zu dominant auftritt. Sie ist es auch, die die Musik komponiert und arrangiert hat. Einige der schönsten Songs wie "I see it in my dreams", "Let's do this" oder "Something more" entstammen ihrer Feder.

Aus jedem Song hört man den eigenen Stil, die eigene Note heraus. Selbst den Jazzklassiker "Body and Soul" oder einen alten Ben-Harper-Rocksong aus den 90er Jahren kann sie mit ihrer ausdrucksstarken Stimme wiederbeleben.

Mit traditionellem Jazz, bei dem der Swing vorherrscht, hat ihr Gesang eh' nichts zu tun. Auch ist Natalie John keine Akrobatin des schrillen Effekts. Sie nimmt sich vielmehr die Freiheit heraus, die Stücke in ihrem Sinn zu interpretieren. Bei jedem Ton, den sie singt, hinterlässt sie den Eindruck: Stimmt, in der Art kann man das auch singen.

Zudem werden die Songs von ihrer Band äußerst variantenreich bearbeitet. Vor allem der Schotte Paul Kirby ist ein ausgefuchster Pianist, seine rhythmisch stabilen Einwürfe reichen aus, um Instrumente wie Saxofon oder Trompete vergessen zu machen. Auch US-Basser Sean Pentland und der deutsche Drummer Manuel Weyand wechseln fortwährend die Tempi und verweigern den Kompositionen dadurch eine stringente Gliederung. Die meisten Stücke sind in eine melancholisch-verhangene Grundtönung getaucht.

Schon allein die Vielfarbigkeit ihrer Stimme und die Selbstverständlichkeit, mit der Natalie John verschiedene Stile, Zeiten und Traditionen vereint, machen dieses Konzert zu einem Ohrenschmaus. Kaum nötig zu erwähnen, dass einen großen Anteil des am Ende begeisterten Beifalls auch ihre drei Mitspieler für sich verbuchen dürfen.

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