Mehr als nur ein Zahlenspiel

Faust, Heisenberg, der Anhalter durch die Galaxis: Alle suchten die Weltformel. Auch die integrative Baff-Theatergruppe der Tonne zeigt ein Stück dazu - ein Traum-, Musik-, Tanz- und Zahlenspiel namens "Pi".

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    Es geht um die All-Formel: "Pi" - das neue integrative Theaterprojekt feiert am Donnerstag Premiere. Foto: Kathrin Kipp
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Dieses Mal geht es also um die wunderbare Welt der Zahlen. Die von Tonne-Chef Enrico Urbanek geleitete Theatergruppe mit Menschen mit Behinderung hat sich den Zahlen gestellt und ein Stück über alles, was sich berechnen lässt entwickelt - aber auch über das Unberechenbare.

Mit dabei sind die sieben Teilzeit-Schauspieler, die seit Februar an der Tonne einen künstlerischen Arbeitsplatz haben und dort zwei Tage die Woche Schauspiel-, Sprech-, Gesangs- und Tanzunterricht bekommen - durchaus erfolgreich, wie Enrico Urbanek findet.

In "Pi - oder was die Welt in ihrem Innersten zusammenhält" geht es um Zahlen, Mathematik, Wissenschaft, Weltwirtschaft und die Börse. Und um den Alltag, der ja ebenfalls von vielen Zahlen beeinflusst wird - vor allem von der 1 und der 0, die sich ja haufenweise im Computer tummeln.

Die Rechner wurden zwar von Menschen entwickelt und programmiert, haben das menschliche Gehirn in manchen Bereichen aber schon längst überholt, erklärt Urbanek. Trotzdem hat noch keiner die Weltformel entdeckt, obwohl ihr schon einige auf der Spur waren - nicht nur die Wissenschaftler von "Cern", die mit ihrem Teilchenbeschleuniger den Urknall nachspielen wollen.

Auch bei der Kreiszahl Pi sind die Computer schon ziemlich weit gekommen: Die Zahl wurde mittlerweile auf diverse Billionen Stellen hinter dem Komma berechnet. Ein Mensch würde 20 Jahre brauchen, um sie vorzulesen. Trotzdem ist und bleibt die Kreiskonstante hinter dem Komma unendlich, was - wie viele andere mathematischen Phänomene auch - eigentlich unvorstellbar ist.

Deshalb geht es im Bereich der Zahlen auch gerne mal ins Mystische. Oder ins Künstlerische. Die Zahl Pi vorzulesen oder den Urknall nachzuspielen, wäre sicherlich auch ein interessantes Theaterprojekt, aber die Baff-Tonne-Truppe hat sich dann doch lieber dafür entschieden, Schauspielerin Karin Dürr als personifizierte Zahl Pi über die Bühne schwirren zu lassen und immer wieder hochsymbolisch "Fang mich!" zu rufen. Das Stück handelt von einer Wissenschaftlerin (Dunja Fuchs), die in einem langen Alptraum von der Weltformel eingeholt wird, ihre Laborkollegen trifft und allerlei absurde Situationen erlebt, unter anderem an der Börse, die ja ebenfalls von Rechnern beherrscht wird.

Und weil Mathematik und Musik praktisch blutsverwandt sind, gibt es im Stück auch viel Musik: einen "Pi"-Rap zum Beispiel. Außerdem liege es bei zwölf Mitspielern nahe, mit der Zwölftonmusik zu spielen, sagt Michael Schneider, der wieder fürs musikalische Wohl sorgt. Jede Figur auf der Bühne entspricht einer Zahl und einem Ton, und daraus "entwickeln sich Dinge", erläutert Schneider. Und so wird die Zahl Pi zu einer Folge von Tönen.

Die Bühne von Ilona Lenk wiederum ist an die geometrische Kunst von Piet Mondrian angelehnt, der mit schwarz-weißen Gittern und Farbfeldern in Rot, Blau und Gelb experimentierte. Die Schauspieler tragen alle Pi-Kapuzenshirts in jeweils unterschiedlichen Farbkombinationen, so dass trotz aller Berechenbarkeit und Vermessung alle "einmalig" bleiben.

Jacken und Mäntel deuten eine Zeitreise durch die Geschichte der Wissenschaften an. Alles erinnert außerdem an ein steriles Labor mit Versuchsmenschen. Und so geht es in dem Stück unter anderem um die Frage, wie weit die Wissenschaft gehen darf und wie weit die Menschheit schon hin ist.

Aber selbstverständlich gibt es keine Botschaft "mit dem Holzhammer", sagt Enrico Urbanek, sondern ein assoziatives Spiel mit vielen Mitteln, in einem Bühnenprojekt, "in dem es viel zu entdecken gibt".

Die Schauspieler mit Behinderung kommen dabei mit ihren ganz eigenen Stärken und Begabungen zum Vorschein. Und bei allem bleibt wie immer auch ein gewisser Unberechenbarkeitsfaktor, der das Leben und die Kunst erst interessant macht.

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