Manchmal wichtiger als Weihnachten

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Das eingespielte Leitungsteam hat die Vorbereitungen für die Reutlinger Vesperkirche 2017 routiniert im Griff. Immerhin haben sie ja schon 19 Jahre Übung hinter sich.  Foto: 

Viel wichtiger als Weihnachten ist für mich die Reutlinger Vesperkirche“, zitierte Pfarrer Jörg Mutschler einen Besucher des besonderen Gasthauses vom vergangenen Jahr. Manche Menschen fühlen sich nämlich gerade beim Weihnachtsfest allein und einsam, in der Vesperkirche hingegen finde Begegnung und Gemeinschaft statt, so Mutschler als neuer Kopf der Reutlinger Vesperkirche, die zwischen dem 15. Januar und 12. Februar erneut seine Pforten geöffnet haben wird. Und zwar 2017 schon zum 20. Mal.

Ob das ein Grund zum Feiern sei, fragte Günter Klinger bei einem Pressegespräch zu den Vorbereitungen der nächsten Vesperkirche. „Ist das nicht vielmehr ein Armutszeichen“, so der Geschäftsführer des Reutlinger Diakonieverbands. „Vesperkirchen können Armut nicht bekämpfen, sondern nur sichtbar machen und die große Solidarität in der Reutlinger Bürgerschaft verdeutlichen.“ Deshalb sei das Fortbestehen der Vesperkirche im 20. Jahr auch ein Grund zum Feiern.

„Ein Erfolg kann es aber nicht sein, dass wir die Vesperkirche immer noch brauchen“, so Jörg Mutschler. Eigentlich sei das ein Skandal, weil Armut in diesem so reichen Land  immer noch ein gewaltiges Thema sei. Gleichzeitig könne sich Baden-Württemberg aber rühmen, Armut durch in Vesperkirchen wenigstens ein Gesicht zu verleihen, „in anderen Bundesländern kennt man das gar nicht“, so Mutschler.

Er habe eine Menge Ideen, eine davon sei, zu dem Gedanken der Ökumene auch auf die muslimische Gemeinde in Reutlingen zuzugehen und sie in das Gasthaus der Nikolaikirche einzuladen. Zweimal wöchentlich gebe es ja auch im kommenden Jahr wieder schweinefleischfreie Mahlzeiten. Das gesamte Essen wird wie gehabt von der Küche der Bruderhaus-Diakonie zubereitet, wie die Ehrenamtlichen vom Leitungskreis der Vesperkirche betonten.

Natürlich gebe es auch wieder einen Anfangs- und einen Abschlussgottesdienst, betonte Ursula Göggelmann. Am 15. Januar, dem ersten Tag der Vesperkirche, gibt es obendrein einen Festakt zum 20. Geburtstag: Landesbischof Frank Otfried July wird ebenso anwesend sein wie Dieter Kaufmann als Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Württemberg und Reutlingens OB Barbara Bosch. „Und die gewohnten Andachten gibt es während der vier Wochen nicht gegen Ende der jeweiligen Öffnungszeit, sondern jeweils dienstags und freitags gegen 12.30 Uhr“, so Göggelmann.

Zum runden Geburtstag hat sich die Vesperkirche eine Festschrift geleistet – obwohl leisten da wohl der falsche Ausdruck ist: Ganz viel Arbeit stecke dahinter, sagten Gertrud Böbel und Gertrud Schief, die beide Gründungsmitglieder der Vesperkirche waren. „Tag und Nacht haben wir an der Festschrift gearbeitet“, so Böbel. Die Auflage von 1000 Exemplaren werde in der Vesperkirche für zwei Euro verkauft.

Auch der Flyer weist auf die 20. Ausgabe der Vesperkirche hin. „Wir sind natürlich auch wieder auf Spenden angewiesen“, so Klinger. Die Einnahmen aus dem Essensverkauf in Höhe von 10 000 bis 15 000 Euro würden allein nicht weit reichen, „die Gesamtkosten belaufen sich jedes Jahr auf rund 90 000 Euro“. Doch der Diakonieverbands-Chef zeigte sich hoffnungsfroh, dass auch dieses Jahr wieder die erforderliche Spendensumme für den Betrieb erreicht werde.

Auf dem besten Weg hin zu den jeweils mehr als 200 Mitarbeitern seien die Vorbereitungen jetzt schon, wie Gisela Braun betonte: „Wir haben bisher 181 Anmeldungen, darunter 20 neue Mitarbeiter.“ Mit dabei seien auch wieder Azubis von Firmen, Mitarbeiter der Post und Schüler diverser Schulen, die ihr Sozialpraktikum dort absolvieren, hob Jürgen Rist hervor.

Mit den Lebensmittelspenden von Bäckern, Metzgern, Supermärkten und Getränkeproduzenten gebe es wie all die Jahre zuvor überhaupt keine Probleme, erläuterte Traudl Stengel. Und genügend Fahrer hätten sich im Vorfeld ebenfalls bereits gemeldet, so Jutta Kukh. Nicht zu vergessen: Kultur gebe es natürlich auch wieder, an drei Abenden jeweils donnerstags kommen einmal Heiner Kondschak und Helge Thun, Tante Friedas Jazzkränzchen swingt wie gehabt. Neu im Programm ist ein Kinoabend, das Kamino zeigt „Global player – Wo wir sind isch vorne“.

Wer die Reutlinger Vesperkirche unterstützen will, kann dies tun, unter der IBAN-Nr. DE18 6405 0000 0100 0230 73, BIC: SOLADES1REU, Stichwort Reutlinger Vesperkirche.

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