Manche brauchen einen kleinen Schubs

Dank einer Spende der MA Rühl Stiftung in Höhe von 4500 Euro durften in einem Kooperationsprojekt der Kinderhäuser Kurrer- und Benzstraße insgesamt 20 Vorschulkinder Psychomotorik erleben.

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Platzierten sich auf die Bewegungsbaustelle "Matte" - und dann kommt der Ball herunter gerollt (von links): Maike Höcker, Michaela Rühl, Bürgermeister Robert Hahn, Christine Poskowski und Petra Gatzky-Schweikert. Foto: Peter Andel

Wer glaubt, bei Psychomotorik handelt es sich um einen obskuren Psycho-Kram, der liegt falsch. Das sei, lobte Bürgermeister Robert Hahn gestern im Kinderhaus Kurrerstraße, "eine tolle Sache", die nachhaltig wirke. Dank der Unterstützung der MA Rühl Stiftung gibt es seit Juli 2010 in den beiden städtischen Kinderhäusern Kurrer- und Benzstraße in der Tübinger Vorstadt ein "einrichtungsübergreifendes Psychomotorikangebot" für Vorschulkinder, das bislang 20 Jungen und Mädchen genießen durften. Der Aufbau wurde fachlich vom Therapeutikum der KBF in Mössingen begleitet. Die beteiligten pädagogischen Fachkräfte haben sich hier eine Zusatzqualifikation erworben. Nach der Einschulungsuntersuchung der Jungen und Mädchen wird umfassend ermittelt, wer für ein solches Psychomotorikangebot in Frage kommt. Oft sind es zurückhaltende, introvertierte Kinder, die, wie Maike Höcker von der städtischen Abteilung Tagesbetreuung für Kinder sagt, einfach "einen kleinen Schubs" brauchen. Nach standardisierten Tests, aber vor allem durch die "qualitative Beobachtung", weiß die Leiterin des Kinderhauses Kurrerstraße, Christine Poskowski, dass sich das Projekt "unheimlich gelohnt" habe. Die meisten Kinder hätten sich verbessert. Die Psychomotorik-Stunde findet mittwochs in der Kurrerstraße statt. Es geht dabei, so Petra Gatzky-Schweikert, pädagogische Fachkraft im Kinderhaus Benzstraße, um "Ich-Stärkung", um Material- und Körpererfahrung, um das Erkennen von Grenzen und nicht zuletzt auch um die soziale Komponente. Denn man muss bei dieser Kooperation zu den Kindern der anderen Gruppe, die man noch nicht kennt, eine Beziehung und Vertrauen aufbauen.

Praktisch läuft hier, sagt Petra Gatzky-Schweikert, viel über Interaktion. "Bewegungsbaustellen" werden aufgebaut, bei denen alle mithelfen. Regeln werden selbst gefunden und artikuliert ("nicht so schnell"). Kinder, so Christine Poskowski, erschließen sich über die Bewegung die Welt. Je größer und vielfältiger das Bewegungsrepertoire eines Kindes ist, desto größer sei die Chance, dass das Kind schon frühzeitig neue Situationen und Aufgaben selbständig bewältigen kann.

Deshalb gehen die pädagogischen Fachkräfte - neben Petra Gatzky-Schweikert ist das Irene Adam-Danschin in der Kurrerstraße - auch behutsam an die Kinder-Aufgaben heran und steigern erst allmählich das Niveau der Herausforderungen. Es ist eben etwas anderes, von einer auf Schwedenbänken schräg an die Wand gestellten Matte aus 1,50 Meter Höhe herunterzurollen, als auf dem Boden einen Purzelbaum zu schlagen.

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