Mal sehen, wie weit diesmal der Atem reicht

"Da ist das Ding", sagte Betzingens Bezirksbürgermeister Thomas Keck gestern bei der Förderübergabe und wies Geldgeber Minister Nils Schmid auf das "Kleine-Leute-Anwesen" in der Mußmehlstraße 2-6 hin.

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Die Renovierung des Gebäudes Mußmehlstraße 2-6 in Betzingen ist Teil der Ortskernsanierung. Wirtschaftsminister Nils Schmid (rechts im Bild) brachte gestern einen Förderbescheid über 120 000 Euro aus dem Denkmalförderprogramm persönlich vorbei und diskutierte mit Architekt Andreas Hartmaier (links), Bezirksbürgermeister Thomas Keck, Baubürgermeisterin Ulrike Hotz und Architekt Jochen Schmid den Sanierungsfortschritt vor Ort. Foto: Angela Steidle

Alte Gebäude zu sanieren, die seit Jahren leer standen und bei denen keiner so genau weiß, was unter dem Putz hervorkommt - das ist fürwahr schon ein kleines Abenteuer. "Für Investoren rechnet sich das nicht", erklärte der Tübinger Denkmalpfleger Dr. Günther Kolb vor Ort am fraglichen Objekt Mußmehlstraße 2-6 im Stadtteil Betzingen. Es sei denn, ein Förderverein betreibt die Sanierung unter eigener Regie und mit großer Eigenleistung.

Nach dem Vorzeigeprojekt Bürgerhaus Zehntscheuer - unser "Musterstück", so der Vorsitzende des Fördervereins Ortskern Betzingen, Thomas Keck, nun also eine weitere Aufgabe an dem "Kleine-Leute-Anwesen". Eine bauhistorische Untersuchung und eine Schadensklassierung zu Tragwerk und Substanz wurden noch vor dem Kauf angefertigt. "Das Gebäude stünde heute nicht mehr", erklärte Kolb.

"In Betzingen haben wir vier bis fünf Projekte von historischem Rang", betont Thomas Keck, "deshalb haben wir im Jahr 2005 den Förderverein gegründet." Das "Kleine-Leute-Haus" in der Mußmehlstraße 2-6 hat den Verein in der Anschaffung rund 25 000 Euro gekostet, dazu kommen Eigenleistungen in Höhe von rund 108 000 Euro. Keck formuliert etwas vorsichtig: "Wir werden sehen, wie weit der Atem reicht." Die Zukunft des Gebäude-Ensembles stand "gut-schwäbisch" schon im Voraus fest: Ins Erdgeschoss zieht die Geschäftsstelle des Fördervereins selbst ein, die Scheune bietet Lagerfläche für alte Gerätschaften des Vereins und die Büroräume unterm Dach sind bereits fest vermietet. Trotz der schützenswerten "Ausstattung und Aussage des Ensembles" steht auch bei den Denkmalschützern eine sinnvolle Nutzung im Vordergrund. Keck: "Es ist sehr zuverlässig, was wir da machen."

Der baden-württembergische Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid war mit einem Förderbescheid aus Mitteln des Denkmalförderprogramms in Höhe von 120 000 Euro gestern extra nach Betzingen gereist - und sichtlich angetan vom Baufortschritt: "Es ist mir persönlich ein wichtiges Anliegen, das historische Erbe heimatgeschichtlicher Alltagskultur zu erhalten." Schmid betonte den wirtschaftlichen Multiplikator-Effekt, den solche Projekte unter großem gesellschaftlichem Engagement für Handwerk und Bauwirtschaft haben. Zimmerleute und Maurer liegen gut in der Zeit. Bis Ende des Jahres soll die Sanierung abgeschlossen sein, bestätigte Architekt Andreas Hartmaier.

Das Gesamtprojekt hat einen Sanierungsrahmen von rund 1,368 Millionen Euro netto, zählte Baubürgermeisterin Ulrike Hotz auf. Stadt und Land beteiligen sich mit rund 490 000 Euro an Fördermitteln, etwa 650 000 Euro an Darlehen wurden aufgenommen, zusätzlich wurden Fördermittel aus der Landes-Denkmalstiftung beantragt. Eine Zusage fehlt allerdings noch.

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