Märchen, Klänge neu gehört

"Musik, Literatur und Begegnungen" heißt das Motto, unter dem Ute Kleeberg und Uwe Stoffel die Tradition der Salons wiederbeleben wollen. Geplant sind noch dieses Jahr zwei Erzählkonzerte in der Stadthalle.

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  • Plant eine neue Reihe mit musikalisch-literarischen Salons: Ute Kleeberg, hier im Jahr 2010 mit der Echo-Trophäe. Foto: Archiv 1/3
    Plant eine neue Reihe mit musikalisch-literarischen Salons: Ute Kleeberg, hier im Jahr 2010 mit der Echo-Trophäe. Foto: Archiv
  • "Das kalte Herz" gibts auch als Hörbuch-CD. Foto: See-Igel/pr 2/3
    "Das kalte Herz" gibts auch als Hörbuch-CD. Foto: See-Igel/pr
  • Mitgründer der Salon-Reihe: Uwe Stoffel. Foto: Archiv 3/3
    Mitgründer der Salon-Reihe: Uwe Stoffel. Foto: Archiv
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Salon? Da denken viele an Autos, Frisuren oder gar an eine Pariser Schokoladen-Messe. Im angelsächsischen Bereich kommt mit dem zusätzlichen "o" (Saloon) noch ein Touch Wilder Westen dazu.

Kulturell betrachtet, hat der Salon eine lange Tradition. In den Pariser Salons wurden Ideen der Aufklärung und der Französischen Revolution debattiert. Auch die frühromantischen, musikalisch-literarischen Salons, verbunden mit Namen wie Caroline Schelling und Rahel Varnhagen, waren höchst einflussreiche Foren, im Grunde gehören die Schubertiaden auch zu dieser Form kultureller Begegnungen. Mittlerweile erleben Kultur-Salons dieser Tradition wieder eine neue Blüte - in Berlin, Hannover und Essen.

Und demnächst auch in Reutlingen. "Musik, Literatur und Begegnungen" heißt das Motto, unter dem Ute Kleeberg und Uwe Stoffel noch 2013 zwei Salons planen: am 22. November Wilhelm Hauffs "Das kalte Herz" mit dem vielbeschäftigten Synchronsprecher Christian Brückner (Robert de Niros deutsche Stimme) und am 15. Dezember "Das Mondtuch" als Familienkonzert für Zuhörer ab sieben Jahren.

Ute Kleeberg ist Autorin, Uwe Stoffel Soloklarinettist bei der Württembergischen Philharmonie, und gemeinsam veranstalten sie seit 25 Jahren in Reutlingen Kinderkonzerte. Ihr 1995 gegründeter Hörbuch-Verlag See-Igel, der CDs mit exquisiten Kombinationen von Märchen und Musik herausbringt, hat wohl sämtliche branchenübliche Auszeichnungen abgeräumt - vom Leopold-Medienpreis bis hin zum populären Echo 2010, von dem die breite Öffentlichkeit allerdings nur die Verleihgala mit Super-Prominenten wie Lang Lang, Cecilia Bartoli und Jonas Kaufmann mitbekommt. Mehr noch: Produktionen der Edition See-Igel sind überregional gefragt - bei den Salzburger Festspielen, dem Lucerne Festival oder an der Staatsoper Unter den Linden.

Bezeichnend für alle Produktionen aus dem Hause Kleeberg/Stoffel ist das intensive Miteinander von erzählten Geschichten und eigens darauf abgestimmten Musikauswahl. Wobei die Musik nicht gleichzeitig und somit quasi-illustrierend erklingt (etwa wie ein Soundtrack zum Film), sondern im Wechsel mit dem Text. Auch das nicht als "Pausenfüller", sondern so, dass sich Musik und Text ergänzen, vertiefen und durchdringen. "Zur Ruhe kommen", heißt das Ziel. Denn die Musik, sagt Kleeberg, "kann Räume öffnen für die eigene Fantasie". Stoffel: "Es gibt bei vielen diesen Wunsch, zu verweilen."

Auch "Das kalte Herz" ist bereits bei See-Igel erschienen. Für den ersten Salon am 22. November hat Ute Kleeberg die Geschichte neu bearbeitet - als Produktion für Erwachsene. Schließlich sei Wilhelm Hauffs Text nicht nur "hoch philosophisch", sondern auch "sehr zeitaktuell". Kein Wunder, dass das Märchen ob seiner kapitalismuskritischen Bezüge derzeit allerorten gespielt wird - das ZDF dreht es momentan mit renommierten Schauspielern wie Thomas Thieme. Gespielt wird es in einer Bearbeitung übrigens auch am Landestheater Tübingen, wo die Premiere unglücklicherweise just am 22. November, also zeitgleich zum ersten Reutlinger Salon, angesetzt ist.

Dann das "Mondtuch", eine Geschichte, bei der sich Ute Kleeberg von Richard von Volkmann-Leanders Märchen inspirieren ließ. Auch diesen Text über Tagträumerei hat Kleeberg für den zweiten Salon am 15. Dezember überarbeitet - als "Familienkonzert". Bei dieser Produktion für Zuhörer ab sieben gilt das allgemeine Credo, das immer hinter den Kinderkonzerten und See-Igel-Alben steht: "Wir bespaßen nicht", betont Kleeberg, "wir wollen berühren und faszinieren." Ziel ist es, nicht kindisch, sondern kindgerecht zu erzählen: "Da brauchen wir keine rote Nase aufsetzen."

Zur Musik: Die Hauff-Erzählung wird mit Kompositionen von Mozart bis Koechlin ausgedeutet. Als Interpret ist neben Stoffel auch dessen Kollege Frank Bunselmeyer von der Oper Stuttgart dabei, außerdem der Fagottist Berker Sen, der in Daniel Barenboims berühmtem West-Eastern Divan Orchestra mitwirkt, und die renommierte Schlagwerkerin Edith Salmen, die mit einer Glasharfe einen ganz besonderen Ton in die Geschichte bringen wird.

Zum "Mondtuch" wiederum, erzählt von dem reputierten Schauspieler Stephan Baumecker (war zeitweise im Berliner Ensemble), spielt das Quintette Aquillon Musik von Ravel und Ibert. Die fünf Aquillon-Musikerinnen haben - als erstes Bläserquintett aus Frankreich - den Klassik-Echo und den ARD-Wettbewerb gewonnen.

Und nochmal zur Idee eines musikalisch-literarischen Salons: "Wir hoffen, dass viele Gespräche entstehen", sagt Ute Kleeberg, gerade bei den Begegnungen nach dem Konzert. "Vielleicht entwickelt sich was daraus - Mikrokosmos, Makrokosmos - egal, ich hoffe, was ganz Lebendiges". Wenn die Erzählkonzerte ihr Publikum finden, soll die Reihe 2014 weitergehen, sagt Kulturamtsleiter Dr. Werner Ströbele. Mit im Boot bei den Salons ist die Kreissparkasse Reutlingen als Sponsor und Mitveranstalter neben See-Igel sowie Stadt Reutlingen. "Auch bei einer eventuellen Neuauflage" der Salon-Reihe 2014, betont Andreas Lehmann, Leiter der Kommunikationsabteilung, "sind wir dabei".

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