Mächtiger Leuchtturm im Land

Dieser Tage besuchten die Freunde der Stadtbibliothek Reutlingen die neue Stuttgarter Stadtbibliothek. Durch das neue Haus am Hauptbahnhof wurden sie von Direktorin Ingrid Bußmann geführt.

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Die Teilnehmer der Reise in die Landeshauptstadt zeigten sich sehr beeindruckt von der Großzügigkeit des Neubaus und neuen Aspekten der Organisation, heißt es in einer Mitteilung. Gerne haben sie sich das Gebäude über sämtliche Treppen bis in das achte Stockwerk erschlossen.

Der Neubau der Stadtbibliothek Stuttgart direkt am Hauptbahnhof auf dem Gelände des früheren Güterbahnhofs, hat schon weit vor der Eröffnung die Aufmerksamkeit der Bahnreisenden auf sich gezogen. Verständlicherweise findet er ebenfalls sehr großes Interesse in bibliothekarischen Kreisen und bei Bibliotheksfreunden des In- und Auslands.

Die neue Zentralbibliothek wird momentan von Besuchergruppen geradezu erstürmt. So waren die Freunde der Stadtbibliothek Reutlingen gleichfalls sehr neugierig. Einige waren allerdings etwas skeptisch - war die Bibliothek doch nicht ganz ungeschoren an der Diskussion um Stuttgart 21 vorbeigekommen. Ingrid Bußmann, die früher an der Reutlinger Staatliche Fachstelle für Bibliothekswesen gearbeitet hatte, konnte aber die Reutlinger Besucher sehr bald mit ihrer Begeisterung für den außergewöhnlichen Neubau und zusätzliche Leistungsangebote gewinnen.

Auf acht Stockwerken werden 460 000 Bücher und andere Medien präsentiert - darunter Bücher in 26 Sprachen. Die vom Reutlinger Unternehmen ekz-bibliotheksservice gelieferten Regale sind für einen Zielbestand von einer halben Million Medieneinheiten ausgelegt. 11 500 Quadratmeter Nutzfläche stehen zur Verfügung - fast eine Verdopplung gegenüber der alten Bibliothek im Wilhelmspalais. Die elektronische Datenverarbeitung umfasst auch neue Bereiche wie Medienschränke und eine rund um die Uhr geöffnete kleine Auswahl-Bibliothek in einem Bücherautomaten.

Die Bibliothek öffnet an allen sechs Wochentagen um 9 Uhr und schließt erst um 21 Uhr. Dies wurde unter anderem durch eine Personalerhöhung um 19 Stellen ermöglicht. Die Kinderbibliothek wurde erheblich ausgebaut und die Musikbibliothek wieder integriert.

Der Saal "Max-Bense-Forum" im Untergeschoss bietet 300 Besuchern Platz. Für die Erfrischung steht den Bibliotheksbesuchern eine von Menschen mit Behinderung sehr professionell, engagiert und umsichtig betreute Cafeteria im obersten Stockwerk benachbart zur Graphothek zur Verfügung.

Über mehrere Jahre wurden im Blick auf den Neubau für die Medienerwerbung jährlich zusätzlich zwei Millionen Euro bereitgestellt. Insgesamt kostete der Neubau, der eines Tages das kulturelle Herz des neuen Europaviertels am Hauptbahnhof bilden soll, 79 Millionen Euro. Eun Young Yi, ein südkoreanischer Architekt, der in Köln und in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul ein renommiertes Büro führt, hat den Bau entworfen und sehr konsequent gestaltet.

Der Besucher kann den Neubau von allen vier Seiten betreten. Über die unteren drei Geschosse gibt es eine beeindruckende 14 Meter hohe, völlig leere, zum Staunen, zur Kontemplation und Gemächlichkeit einladende Halle. Dies ist eine beeindruckend große Geste für die Stuttgarter Kultur- und Bildungseinrichtung Bibliothek.

Auf den fünf nächsten Stockwerken gibt es darüber einen riesigen und sich nach oben erweiternden lichtdurchfluteten Galerienraum. Das dominante Hellgrau der Innenräume und des Mobiliars bietet eine zurückhaltende klare Ästhetik, in der die Bücher und Medien sowie die Menschen durch ihre Buntheit ganz besonders auffallen.

Obwohl die Bibliothek noch etwas verloren wirkt am Mailänder Platz, der einmal zum neuen Europa-Viertel gehören soll, ist sie von der Bevölkerung und auswärtigen Gästen doch umgehend angenommen worden. Über 1,2 Millionen Besucher werden jährlich erwartet - und entsprechend ist die Bibliothek als kultureller Frequenzbringer für das neue Viertel gedacht.

Neues Publikum wird erreicht: Deutlich mehr Rollstuhlfahrer, mehr Kinder und Jugendliche sowie Bildungsfernere, die früher nicht in die Bibliothek gekommen sind. Nachts ist der Neubau außen blau beleuchtet - und wirkt so für sich als Werbeträger.

Viele Teilnehmer der Reutlinger Studienfahrt kündigten an, die Bibliothek wieder zu besuchen, wenn in zwei Monaten der Dachgarten eröffnet ist, der einen weiten Blick über Stuttgart bietet, wie Ingrid Bußmann erklärte. Einigkeit herrschte bei den Reiseteilnehmern: Die neue Stuttgarter Stadtbibliothek ist ein weiterer mächtiger Bibliotheksleuchtturm im Lande, aber die Reutlinger Stadtbibliothek behält ihre hohe Attraktivität für die Bürger der Stadt. Nicht umsonst steht die Reutlinger Stadtbibliothek in nationalen Vergleichen immer wieder an einer der obersten Stellen.

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