LTT geht in die neue Spielzeit

Wie wollen wir leben? Und wozu? Pünktlich mit dem Start des Tübinger Sommertheaters auf der Platanenallee ist auch schon wieder der LTT-Spielplan für die kommende Spielzeit raus: Glaube, Liebe, Angst und Hoffnung: alles dabei.

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LTT-Team: (von links) Stefan Schnabel (Dramaturgie), Michael Miensopust (Junges LTT), Christoph Roos (Oberspielleiter), Thorsten Weckherlin (Intendant).  Foto: 

Zuerst geht es aber mit Shakespeares Komödie „Wie es euch gefällt“ in die Parallelwelt des Ardenner Waldes, sprich: unter die Platanen auf der Neckarinsel. Ab kommenden Freitag steigt das Spektakel, zumindest für die ersten Abende ist gutes Wetter vorhergesagt. Und auch sonst „läuft alles gut“, bis auf die üblichen Begleiterscheinungen von Kunst und Draußen, wie Anwohnerbeschwerden, umgeworfene Dixie-Klos oder Graffiti-Gemälden auf dem Umkleidewagen: „Das gehört alles dazu“, zeigt sich Intendant Thorsten Weckherlin gelassen.

Außerdem äußert er sich stolz auf die zwei vergangenen Spielzeiten samt Geschäftsjahren: 2014/15 gab’s 731 Vorstellungen, davon 213 Abstecher und insgesamt 107348 Zuschauer, mit einer Platzausnutzung von 83,35 Prozent. Beachtlich.

Aber Zahlen seien „nicht das Wichtigste“: Der LTT-Truppe geht es vor allen Dingen darum, „Kunst auf die Bühne zu bringen“. Und trotz aller ökonomischen Zwänge: „Die Struktur soll der Kunst dienen und nicht anders herum“, so Weckherlin. Einerseits müsse man das Theater gut verkaufen, andererseits würde er aber auch gerne „alles ein wenig entschleunigen“.

Nach wie vor habe man aber den Anspruch und den kulturpolitischen Auftrag, die Fläche zu bespielen und Partizipation zu ermöglichen. Er wolle deshalb das LTT immer wieder „neu denken“, unter anderem mit den neuen, kulturstiftungsgeförderten Projekten auf der Alb unter dem Motto „Stadt. Land. Im Fluss“, weiterhin vielen Abstechern sowie der längerfristigen „Believe-Tank“-Unternehmung.

121 MitarbeiterInnen – ein „kraftvolles Produktionsteam“ und 23 Schauspieler(innen) – sorgen für einen „wunderbaren Gemischtwarenladen“ mit Sommertheater, Klassikern, kleinen Experimenten und großen Musikproduktionen wie die Dauerbrenner „Forever 27“ oder „Wie im Himmel“, das nächste Spielzeit mit jeweils in den Abstecherorten ansässigen Chören aufgeführt werden soll.

Im Ensemble wiederum gibt es nur wenige Veränderungen: Hildegard Maier geht nach 19 Jahren LTT in Rente. Für sie kommt Susanne Weckerle, Lukas Umlauft geht ans Staatstheater Kassel, für ihn kommt Robin Walter Dörnemann. Beim Jungen LTT geht Stefanie Klimkait in Elternzeit, sie wird von Angelina Berger vertreten.

Was den Spielplan 2016/17 anbelangt, betrachtet Chef-Dramaturg Stefan Schnabel „Theater als runden Tisch“, an dem die „wesentlichen Fragen des Lebens diskutiert werden“. Als Autoren geladen sind unter anderem: Lessing, Beckett, Tabori, Sibylle Berg, Horváth, Lutz Hübner oder Ingmar Bergmann, die sich mit vier Schwerpunkten auseinandersetzen.

Beim Thema „Glaube und Religion“ geht es um die Frage: „Was glauben wir heute eigentlich noch?“ Und ob die Aufklärung eventuell gescheitert ist. „Nathan der Weise“ weiß vielleicht, wie man ein friedliches Zusammenleben gestalten könnte, in „Believe Busters“ wiederum versucht ein pietkongtraumatisierter Weltretter die Menschen von ihrer Religion zu befreien.

Der zweite Fokus liegt auf dem Fremden, sprich: auf der Angst davor. Unter anderem geht’ die Reise mit Joseph Conrads Roman in einer Bühnenbearbeitung direkt ins „Herz der Finsternis“.

Der dritte Themenblock präsentiert dann das Gegengift zur Angst: die Liebe, unter anderem mit „Kasimir und Karoline“ von Horváth oder mit der Bearbeitung des Films „Szenen einer Ehe“ von Bergman.

Und wenn man die Liebe gemeistert hat, geht’s um das vierte Thema: Leben und Überleben und um die Frage, „Wie wollen wir leben und wozu?“. Antworten gibt’s vielleicht in der „Soul Kitchen“ von Fatih Akin oder auf dem „Richtfest“ von Lutz Hübner. Und Sibylle Berg schlägt vor: Einfach „Viel gut essen“.

Michael Miensopust, der Leiter des Jungen LTT, hat zwei Monate in Pakistan Theater gemacht – und weiß jetzt wieder, „an was für einem sicheren Ort wir doch eigentlich leben“. Trotzdem nimmt er zunehmend diffuse Ängste wahr, auch bei Kindern und Jugendlichen. Mit seinem Spielplan will er den Spieß umdrehen, in Richtung „Freude am Risiko: sich in Gefahr bringen, um daran zu wachsen“.

In der traditionell großen Abendproduktion steht deshalb auch „Der Sandmann“ von E.T.A Hoffmann auf dem Programm, ein Schauermärchen, das die eigenen Anteile an den Ängsten verhandelt und das, was Einbildung ist, und was wirklich an Gefahr von außen kommt.

Weitere Highlights im Angstbekämpfungs- und Abenteuerprogramm: „Herakles hat frei“  - ein Held will nicht mehr kämpfen von Karin Eppler; das „Monster“ (vom Jugendamt) – eine Turnhallenproduktion; „Das beste Netz der Welt“ und: „Ruf der Wildnis“.

Die Stücke der neuen Spielzeit im Überblick

Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise, ab 30. September

Ayad Akhtar: Geächtet, ab 1. Oktober

Samuel Beckett: Glückliche Tage, ab 2. Oktober

Erik Gedeon: Ewig Jung, ab 2. Dezember

George Tabori: Die Goldberg-Variationen, ab 3. Dezember

Sibylle Berg: Viel gut essen, ab 18. Februar 2017

Fatih Akin: Soul Kitchen, ab 24. Februar

Konstantin Küspert: Believe Busters, ab 25. Februar

Ödön von Horváth: Kasimir und Karoline, ab 28. April

Joseph Conrad: Herz der Finsternis, ab 29. April

Lutz Hübner: Richtfest, ab 24. Juni

Ingmar Bergman: Szenen einer Ehe, ab 25. Juni

 

Junges LTT:

Anne-Kathrin Klatt: Die Schöne und das Biest, ab 17. September

E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann, ab 18. November

Karin Eppler: Herakles hat frei, ab 21. Januar 2017

David Greig: Monster, ab 11. Februar

Theaterjugendclub: Lampenfieber, ab 15. April

Thilo Reffert: Das beste Netz der Welt, ab 22. April

Jack London: Ruf der Wildnis, ab 13. Mai

 

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