Leichtigkeit, Intensität und Eleganz

Viel Neues für die Ohren: das Pacifica Quartet und der Pianist/Komponist Matan Porat brachten Werke von Porat, Ornstein und Dvorák zu Gehör.

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Bisweilen wird dem Kammermusik-Publikum genauso viel Offenheit abverlangt wie Neue-Musik-Hörern. Dieses Mal in besonderem Maße: Nicht nur, dass wegen einer Programmänderung die Werkeinführung entfiel, zudem bestand die ganze erste Programmhälfte aus "neuer" Musik.

Auch wenn das Streichquartett Nr. 2 von Leo Ornstein aus dem Jahr 1930 stammt, kennt es kaum jemand, und Ornstein, der 1906 in die USA emigrierte und dort 2002 mit 109 Jahren starb, komponierte avantgardistisch, auch wenn zu seinen Lehrern (man glaubt es kaum) Alexander Glasunov gehörte.

Neuer gehts nicht: Klaviermusik aus der Hand des Komponisten persönlich erklang zum Auftakt. Matan Porat schrieb seine "Drei Klavierstücke" 2013. Drei? Eher eine durchgehende Abfolge kontrastreicher Episoden, eingeleitet von einem "Prelude", das sich fast wie eine ironische Improvisation über traditionelle Muster mit aufreizenden Dissonanzen anhörte. Bewundernswert die Technik, mit der Porat ein ernsthaftes Rezitativ der Mittellage mit vielstimmigen Figurationen im Diskant kombinierte, fesselnd die Präzision und der Schwung, mit dem er die Rhythmen des "Totentanzes" zum überraschend lapidaren Schluss hin steigerte.

Genauso leidenschaftlich widmete sich das in den USA beheimatete Pacifica Quartet (Simin Ganatra, Sigurbjörn Bernhardsson, Masumi Per Rostad und Brandon Vamos) dem zweiten Streichquartett von Leo Ornstein, einem Werk, das Tonmaterial der jüdischen Musik verwendet und eine neue Sprache zu entwickeln sucht.

Elegische Kantilenen begleiten hier dicht verflochtene eigenständige Stimmen, dazu kontrastieren obsessive Rhythmen. Im langsamen Mittelsatz spannen sich Phrasen über weite Distanzen, der schnelle Finalsatz mit seinen ungeraden Rhythmen erinnert an östliche Folklore.

Gespielt wurde mit Leichtigkeit, Intensität und Eleganz in wachem Zusammenspiel. Ein schlanker, heller Ton war nicht nur den beiden Violinen, sondern auch Viola und Cello zu eigen, den Interpretationsstil könnte man als "kühle Glut" umschreiben - analytisch, kontrolliert, aber dennoch expressiv.

So gingen die Musiker auch Antonin Dvoráks beliebtes Klavierquintett Nr. 2 A-Dur an. Nichts wirkte selbstverständlich oder traditionell "musikantisch". Der Pianist schien anfangs unschlüssig, ob und wie er diese allzu positive Musik ernst nehmen könne. Doch sie fanden ihren Weg, indem jeder Einzelne das Notierte bis ins letzte Detail von Artikulation und Dynamik hinein umsetzte, Kontraste und Konturen betonte und im Dialog mit den Kollegen zusammenführte. Besonders den Übergängen widmeten die Musiker volle Aufmerksamkeit und machten so neue Aspekte hörbar. Die Dur-Moll-Wechsel wurden bewusst nachgezeichnet; die Tutti-Episoden wirkten abgründig, ja dämonisch - wie machten die das nur?

Der sonst so liebliche "Dumka"-Satz malte keine ländliche Idylle; der Faden brach fast, die Idylle schien nicht nur bedroht, sondern passé. Auch der "Furiant" erzählte nicht vom Tanzboden, sondern von Musik am Abgrund, spritzig und kantig, Dvorák on the rocks quasi. Die Finalsatz-Themen wurden in leerer Geläufigkeit scharf akzentuiert, die spannenden Dinge passierten erneut in den Übergängen und Nebenstimmen. Am Ende kam kurz Wärme auf, da wurden die paar Takte mit schlichten Harmonien umso behutsamer ausgekostet - vor einem furiosen Schluss, gefolgt von lang anhaltendem Beifall.

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