Lauter kreative Köpfe

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Robert Wieland (ganz links) und das Kammerorchester Reutlingen.  Foto: 

Robert Wieland, selbst professioneller Geiger und Bratschist mit Dirigierausbildung, hatte die Leitung zunächst nur aushilfsweise übernommen; eine Cellistin hatte den Kontakt hergestellt. Bald jedoch ergab es sich, dass der Einspringer blieb.

„Das war damals eine sympathische Truppe von motivierten Streichern mit gemischter Altersstruktur“, erinnert sich Robert Wieland. Was ihn ansprach, war die harmonische Stimmung in den Proben: „Das war einfach eine angenehme Sache.“ Fallweise wurden Bläser hinzugeholt, man war damals eingestellt auf kleinere Räumlichkeiten wie etwa in der Volksbank Reutlingen.

Die Streicher entwickelten sich weiter. Sie wünschten sich eine größere Bläserbesetzung, um mehr Literatur spielen zu können. Und es fanden sich schnell neue Bläser; genauso Laien wie die Streicher, gleichermaßen eine feste Stamm-Besetzung. Derzeit befindet sich Wieland mit dem Reutlinger Kammerorchester mitten in einer Hochphase. „Eine tolle Entwicklung“, findet er.

Seit längerer Zeit schon kann man die Besetzung mit Fug und Recht als sinfonisch bezeichnen. Im Grunde könnte man zu der historischen Bezeichnung „Reutlinger Orchesterverein“ zurückkehren, denn der Vorgänger besaß seinerzeit ebenfalls eine gemischte Besetzung.

Doch der bürokratische Aufwand der Umstellung wäre zu hoch. Auch akustisch sprengt der Klangkörper längst seinen Rahmen, das Domizil in der Kreuzkirche eignet sich nur bedingt für Sinfonik. Wie wär’s zur Abwechslung mit der Stadthalle? „Zu groß und zu teuer“, bedauert der Dirigent. Aber auch so können er und das Orchester Erfolge verzeichnen: etwa die Kooperation mit der Gesangsklasse von Susan Eitrich oder die Auftritte bei der Reutlinger Kulturnacht, hinzu kommen Gastspiele außerhalb, zum Beispiel in Tübingen. Mit der Besetzung hat sich auch das Repertoire erweitert, längst ist man über die Frühklassik hinaus. „Beethovens Vierte, Fünfte, Sechste – dass die Musiker das hingekriegt haben!“ lobt Wieland ihren Einsatz. Diese lieben offenbar die gemeinsame Probenarbeit und den Gänsehaut-Effekt, der sich bei besonders gelungenen Stellen einstellt, und sie haben viele Ideen.

Manchmal halten Wieland und die Seinen Noten in der Hand und überlegen. Geht das schon? Schumann, Brahms, Dvorák? „Das muss sich entwickeln“, findet der Dirigent. Noch ein paar gute Streicher, dann könnte es klappen; neue Mitspieler melden sich zunehmend via Internet. Auch um Solisten braucht sich das Ensemble keine Sorgen zu machen, die sind stets gerne dabei. Nächstes Jahr wird der junge Pianist Sebastian Fuß ein Mozart-Konzert bestreiten.

Was der Dirigent an seinen Mitstreiter(inne)n besonders schätzt, ist der offene Umgang. Als ihm einmal mitten im Stück der Taktstock in hohem Bogen entflogen war, scherzte in der nächsten Probe ein Musiker: „Können Sie das mit dem Taktstock bitte nochmal machen?“

Im Orchester sitzen – so Wieland – keine besserwisserischen Nörgler, sondern kreative Köpfe. Auch das Publikum spürt die positive Atmosphäre; ein großer Stamm hält dem Reutlinger Kammerorchester und Robert Wieland die Treue.

Termin Das Konzert des Reutlinger Kammerorchesters zum Jubiläum – Robert Wieland ist seit zehn Jahren Dirigent – findet am Samstag, 26. November, um 19.30 Uhr in der Kreuzkirche statt. Als Solisten wirken mit: Fabian Wettstein (Violine) und Benjamin Hartung (Viola).

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