Kultur kann Brücken bauen

Gemeinsame Musiktheater-Aufführung von Deutschen und Serben in Serbien? Geht so etwas überhaupt? Die Franzfelder schafften das. Wo Politik ihre Grenzen hat, kann die Kultur Brücken bauen.

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Etwa 30 Personen begaben sich auf eigene Kosten nach Serbien. Zuschussanträge waren vorher abgelehnt worden, was auch eine gewisse Freiheit im Handeln bedeuten kann, heißt es in einer Mitteilung von Kristina Gioth-Hee, der Vorsitzenden der Franzfelder in Reutlingen.

Die Schauspiel- und Musikergruppe des integrativen Musiktheaters "grenzenlos" aus München waren zu Gast in Serbien, um gemeinsam mit den Einwohnern von Kacarevo das Stück "Milica im Zauberwald" aufzuführen. Monatelange Vorbereitungen waren notwendig, zumal Kristina Gioth-Hee, Urheberin des Stückes, und Biljana Krstevska, Musiklehrerin in Kacarevo, gegenseitig ihre Sprache nicht verstanden. Aber Musik macht's möglich.

Nach drei gemeinsamen Proben war dann die Aufführung im Festsaal des dortigen Rathauses. Da der Platz nicht ausreichte, verfolgten viele die Aufführung von draußen durch die Fenster. Das Theater "grenzenlos" zählt zu den Freunden des Franzfelder-Vereins. Kacarevo war bis zum Krieg eine rein deutsche Ortschaft der Donauschwaben und hieß Franzfeld. Anlässlich einer Andacht an dem deutschen Denkmal, das an der Stelle der zerstörten evangelischen Kirche steht, die vor 200 Jahren erbaut wurde, gestaltete "grenzenlos" auch diese mit. Alle Reden wurden in die jeweils andere Sprache übersetzt.

Viele der dort lebenden Einwohner erfahren erst jetzt nach und nach, was man den Franzfeldern angetan hat. Nach Beendigung des Krieges vertrieb man die Donauschwaben aus ihren Häusern. Man sperrte sie in Lager wie in Rudolfsgrad, wo die meisten elend starben; sei es durch Hungertod oder durch eine Kugel - auch Kinder. Dass dort so viel Leid an ihren Landsleuten noch nach 1945 verübt wurde, erfuhr die Bevölkerung in Deutschland nicht. Auch die dortigen Bewohner erzählen, sie haben nichts davon gewusst. Es erfordert eine große innere Stärke, den verständlichen Hass in Respekt umzuwandeln und auf die dort lebenden Serben und Mazedonier und auch Roma zuzugehen.

Durch das Theaterstück setzte man in Serbien ein Zeichen, indem die dortigen Bewohner und die Mitwirkenden aus Deutschland für vier Tage eng unter sich waren. Gespielt und gesungen wurde abwechselnd in beiden Sprachen. Die Handlung erklärten zwei Sprecher. Es entstanden unter den nächsten Generationen nach der Erlebnisgeneration kleine Freundschaften - und es gab Tränen zum Abschied.

Das war dann dem TV-Sender aus Pancevo, der Kreisstadt, sowie der serbischen Zeitung "Vesti" ein Bericht wert.

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