Kraftvoll aus der Tiefe

Jazzpower, Intuition und Qualität: Das alles vereinen Bänz Oester & The Rainmakers bei ihrem Auftritt in Tobias Festls gut besuchtem Studio World of Basses. Fazit: ein zweistündiges Feuerwerk der Extraklasse.

|
Der schweizerisch-indische Saxofonist Ganesh Geymeier - im Konzert bei World of Basses.  Foto: 

Südafrikanisches Temperament trifft auf Schweizer Genügsamkeit. Passt das zusammen? Und wie, denn die Musik von Bänz Oesters Quartett vereint hohe emotionale Intelligenz, energiestrotzenden Jazz und Schweizer Perfektion. Eine kultivierte Melange, die auch den hoch gesteckten Erwartungen beim Konzert dieser Tage mehr als gerecht wurde.

Alles, was Bänz Oester anpackt, der von vielen als einer der führenden europäischen Kontrabassisten bezeichnet wird, gerät zur eindrucksvollen Leistungsschau. Ob experimentell oder wohltönender Jazz: Der in Bern lebende Bassist spielt stets mit der ruhigen Selbstverständlichkeit eines Routiniers, in leisen Balladen so sicher wie in den stürzenden Kaskaden eines schnellen Bebops.

Oder wie an diesem Abend bei seiner Klangreise in den Süden des Schwarzen Kontinents. Der Stil des 48-jährigen Schweizers schließt direkt an die Wurzeln des modernen Jazz an, eine ausgeprägt eigene Handschrift ist stets erkennbar.

Flink zu spielen, wie es in den 70er Jahren im Zuge der Jazzfusion ein falsches sportliches Ideal vieler Musiker gewesen ist, versteht diese Formation in Perfektion. Die Stücke, die - obwohl sie auch sperrig sein können - einen unglaublichen Drive entwickeln, suchen nicht die Rampe, sie gehen in die Tiefe. Aufbrausend-schmissig erscheint etwa das gut zehnminütige Stück "Philadelphia"" bei dem Bänz Oester zeigt, dass der Bass für ihn nie bloß Rhythmusspender, sondern immer auch melodischer Akteur ist. Am anderen Ende des Spektrums steht das zuweilen anarchische Gebläse des schweizerisch-indischen Saxofonisten Ganesh Geymeier, der bei den rhythmisch aufgeladenen Stücken wie "My Love for You" am besten zur Geltung kommt.

Sein Ton erinnert in Teilen an den legendären Ornette Coleman, vor allem bei den schnelleren Stücken. Auch bei den ausschweifenden Soli des aus Johannesburg stammenden Afrika Mkhize sitzt so gut wie jede Note. Mit großem Ideenreichtum lässt der Pianist wiederholt überraschende Wendungen aufblitzen. Für die exotischen Elemente ist meist sein Landsmann Ayanda Sikade zuständig, der das Drumset wie eine Buschtrommel klingen lassen kann oder den Jazz mit polyrhythmischen Elementen anreichert.

Für alle gilt: Die spielerische Leichtigkeit geht trotz des hohen spielerischen Niveaus das gesamte Konzert über nicht verloren.

Man mag es manchmal kaum glauben, wie diese Band zwei Stunden lang die Spannung aufrecht erhält. Das Konzert gerät vor allem im zweiten Set zu einer einzigen Demonstration. "Mehr!" ruft es nach der zweiten Zugabe, einem alten Schweizer Volkslied, aus dem Publikum in Richtung Bühne. Der Rest geht unter in Klatschen und "Yeah"-Rufen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Unterwegs in ein neues ÖPNV-Zeitalter

Der Gemeinderat hat gestern Abend mit großer Mehrheit den Grundsatzbeschluss für ein neues Stadtbuskonzept gefasst. Die Umsetzung soll im zweiten Halbjahr 2019 starten. weiter lesen