Kopf in Sand gesteckt?

War der Anwalt einfach überfordert mit der Selbstständigkeit und die Veruntreuung von Mandantengeldern sowie das Berufsverbot die logischen Folgen? Der Verteidiger des Angeklagten äußerte sich so.

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So eine Anwalts-Kanzlei zu führen sei alles andere als billig, betonte Dr. Martin Felsinger am gestrigen Montag vor dem Amtsgericht in Reutlingen. Ja, sein Mandant habe wohl den Überblick verloren, Organisationsmängel begangen, genauso wie organisatorische Fehler. "Und dann hat er einfach den Kopf in den Sand gesteckt." Die Gelder, die der Angeklagte über mehrere Jahre hinweg veruntreut hatte, "hätten bei weitem nicht ausgereicht für einen luxuriösen Lebensstil oder zur Finanzierung einer möglichen Spielsucht", so Felsinger.

Schöffe Eckhard Hennenlotter hatte nachgehakt, ob sich der Verteidiger das Verhalten seines Mandanten irgendwie erklären könne. Warum der Angeklagte solche Sachen gemacht hätte, die eines Rechtsanwalts nicht nur unwürdig seien, sondern auch noch strafbar. Und die schließlich auch zum Berufsverbot geführt hatten. "Wenn denn schon mal so eine Schieflage da ist und dann noch vom Anwaltsgericht eine Geldbuße von 22 000 Euro kommt, dann verbessert das die Lage nicht gerade", hatte Richter Eberhard Hausch gestern hinzugefügt.

Immer wieder hatte der 53-jährige Reutlinger Anwalt Gelder veruntreut, die entweder von seinen Mandanten kamen und zur Bezahlung von Gerichtskosten bestimmt waren. Oder auch andere Beträge, die von Versicherungen als Schmerzensgeld oder ähnliches an die Mandanten ausbezahlt werden sollten und den Umweg über das Konto des Rechtsanwalts genommen hatten.

Der Angeklagte hatte am ersten Verhandlungstag behauptet, dass er die nicht für ihn bestimmten Gelder genommen hatte, weil ihm die laufenden Kosten der Kanzlei über den Kopf gewachsen waren. Hinzu seien aber auch die Raten für zwei Immobilien gekommen, die er monatlich abbezahlen musste. Sowohl die Eigentumswohnung wie auch eine Doppelhaushälfte hatte er dann verkauft, die eine für 220 000 Euro, die andere für mehr als eine halbe Million. Gereicht habe das Geld trotzdem nicht, um die Schulden zu tilgen, Gerichtsvollzieher standen mehrfach bei ihm vor der Tür. Allerdings war der Anwalt nie zugegen, wenn sich der Beamte mit dem Kuckuck angemeldet hatte.

Wie das Gericht die Straftaten nun letztendlich bewertet, zeigt sich am Mittwoch, 16. Dezember, da soll es zu den Plädoyers und einem Urteil kommen.

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