Konflikt mit dem eigenen Körper

Elpiniki Vasiliadis besucht das Pfullinger Friedrich-Schiller- Gymnasium und ist von einer sehr seltenen Muskelschwäche (Myasthenia Gravis) betroffen. Über sein Leben mit der Krankheit schreibt er hier.

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Die Myasthenie ist die stärkste Form der Muskelschwäche und eine Autoimmunerkrankung, welche in jeder Altersklasse auftreten kann.

Sie ist sehr individuell, sprich: die Symptomatik der Erkrankten tritt nicht immer in derselben Form auf. Frauen erkranken früher schon ab dem 20. Lebensjahr, oft auch schwerer als Männer, die meist ab dem 40. Lebensjahr erkranken.

Im Kreisklinikum Reutlingen fehlen für Myasthenia Erkrankte leider die Ansprechpartner, diese Erfahrung musste ich leider selber erleiden, als ich 2007 an Myasthenia Gravis erkrankte. Mit typischen Symptomen wie Schluckbeschwerden, einer verzerrten Mimik und einer allgemein extrem schwachen Muskulatur im kompletten Körperbereich wendete ich mich an das Klinikum am Steinenberg. Da die Häufigkeit der Erkrankung etwa einen Erkrankten pro 10 000 Personen betrifft, fehlte hier das nötige Fachwissen, um eine Diagnose festzustellen. Man vermutete, die Symptome traten durch eine psychische Störung aufgrund kurz zuvor eingetretener Sterbefälle auf. Mit der festen Überzeugung keine psychischen Probleme zu haben, wendete ich mich an die neurologische Kinderabteilung der Uniklinik Tübingen. Nach einer langen Zeit der Unwissenheit, was genau in meinem Körper vorgeht, fand man letztendlich durch einen so genannten Tensilon-Test heraus, dass in meinem Körper die Impulsübertragung zwischen Nerven und Muskeln gestört waren. An der Kontaktstelle zwischen Nerven und Muskeln wird bei einem gesunden Menschen an den Endplatten der Nerven ein Botenstoff ausgeschüttet, der vom Muskel durch entsprechende Rezeptoren aufgenommen wird. Man erklärte mir, dass in meinem Fall die Rezeptoren durch Antikörper blockiert und verändert werden.

Da der zuständige Neurologe Dr. med. M. Wolff in Tübingen die Symptome nur durch Zufuhr etlicher Medikamente eindämmen konnte, führte mich meine Reise weiter nach Berlin in das Sana-Klinikum Lichtenberg. Dort traf ich auf den Chefarzt Prof. Dr. med. habil. K. Gellert, der sich glücklicherweise sehr gut mit der Myasthenie auskannte und mir sofort zu einer Thymektomie geraten hat, also zu einer Entfernung der Thymusdrüse, die bei dieser Krankheit eine sehr wichtige Rolle spielt. Viele Ärzte waren zu diesem Zeitpunkt nicht sehr überzeugt von dieser riskanten Operation, doch auch heute noch rät Prof. Gellert seinen Myasthenia-Patienten zu einer Operation, wenn sie sich in einem stabilen Zustand hinsichtlich ihrer Symptomatik befinden. Heute weiß man, laut Prof. Gellert, dass durch die Thymektomie die Krankheit vollständig geheilt werden kann, wenn die Ursprungsquelle der Antikörperbildung entfernt wird und die Operation möglichst schnell nach der Diagnosestellung erfolgt. Laut ihm profitieren rund 80 Prozent der Patienten von der Operation, auch wenn es "nur" in der Reduktion der Medikamente liegt.

Auch mir ging es nach der Operation Tag für Tag besser und ich konnte schrittweise meine Medikamente absetzen, bis ich sie letztendlich nicht mehr brauchte. Trotz der "heilenden" Operation wird man im täglichen Leben noch oft auf seine Krankheit aufmerksam gemacht, denn ein Myastheniker darf nicht jedes Medikament zu sich nehmen. Man muss immer kontrollieren, welche Wirkstoffe ein Medikament enthält und sich informieren, ob man es nehmen darf, dennoch ist dies das kleinste Übel, das diese schwere Krankheit mit sich bringt.

Alles in allem kann man sagen, dass die Myasthenie eine sehr schreckliche Krankheit sein kann, da sie schwer zu diagnostizieren ist und schlimme Symptome mit sich bringt. Behandelt man sie allerdings so schnell wie möglich, besteht eine große Chance auf eine vollständige Heilung und somit auch wieder auf ein normales Leben.

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