Kondschak mit launigen Elefanten-Vierzeilern

Der Förderverein für Kriminal- und Verkehrsprävention lud zu einer Benefizveranstaltung in die voll besetzte Kundenhalle der Kreissparkasse am Marktplatz. Heiner Kondschak sorgte für die Unterhaltung.

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Ironischer Heiner Kondschak: Wegen seines Aussehens wird er als Autofahrer häufig kontrolliert. Foto: Jürgen Spieß

Selbstbehauptungskurse, Schulbus-Begleitungsprogramme, Zivilcourage-Workshops, Motorradsicherheitstage oder Verkehrssicherheitsmobil: Der Förderverein für Kriminal- und Verkehrsprävention im Kreis Reutlingen hat seit seiner Gründung im September 2006 schon einige Projekte unterstützt und auf den Weg gebracht.

Bei seinem Grußwort lobte Franz Lutz, zwischenzeitlicher Präsident des Polizeipräsidiums Stuttgart und zweiter Vorsitzender des Vereins, das Engagement der ehrenamtlichen Helfer, die "im Zusammenspiel mit den Sicherheitskräften und der Justiz dafür Sorge tragen, dass schön und sicher im Landkreis Reutlingen in einem Atemzug genannt werden".

Der Förderverein hat sich auf die Fahnen geschrieben, diesen Einsatz sowohl ideell als auch finanziell zu unterstützen. So berichtete Franz Lutz von 158 Projekten und Initiativen, die der Verein in den letzten sieben Jahren mit insgesamt 135 000 Euro unterstützt hat.

Der Förderverein finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge von Einzelpersonen, Gemeinden und Firmen und nicht zuletzt durch die Zuweisung von Bußgeldern durch die Justiz. Auch die Kreissparkasse Reutlingen und Heiner Kondschak begreifen den Verein seit seiner Gründung als Herzenssache. Deshalb war es für den Ofterdinger Musiker und Kabarettisten keine Frage, das Unterhaltungsprogramm für deren Benefizveranstaltung zu gestalten. Nach den kurzen Reden von Franz Lutz und dem Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse, Eugen Schäufele, betrat Kondschak gewohnt unkonventionell die Bühne, schnappte sich eine akustische Gitarre und spielte munter drauflos. Mit der Polizei habe er bisher nur so viel zu tun, dass er wegen seines Aussehens der am häufigsten kontrollierte Autofahrer der Republik sei, meint er selbstironisch zur Begrüßung. Neben den launig-kauzigen Sprüchen ("Wir waren früher pleite, weil wir unser Geld fürs Saufen, Mädels und Mopeds ausgegeben haben. Und heute? Weil ihr euch Klingeltöne runterladet") hat Kondschak vor allem lustige Gedichte und dutzendweise schöne Lieder auf Lager. "Nehmn Se n Alten" von Otto Reutter etwa, "Das Hochzeitslied" von Gerhard Gundermann oder "In the neighborhood", auf Deutsch gesungen mit originaler Tom-Waits-Stimme.

Das Herumspringen zwischen sarkastischem Herumblödeln und anspruchsvollem Musizieren machen viele dieser Lieder aus, aber auch das ständige Hinterfragen und Begreifenwollen. Kondschak ist ein prädestinierter Alleinunterhalter, mit Hang zum Eigenlob und Anarcho-Charme. Selbst einige falsche Töne ("Ihr könnt trotzdem klatschen") beeinträchtigten die gute Stimmung nicht. Die Musik wirkte stets auf sympathische Weise anachronistisch - nicht aber altbacken. Der struppige Liedermacher machte eben unbeirrbar sein Ding.

Als meisterlicher Entertainer mit nöliger Stimme und launigen Conférencen ist er mit allen Wassern gewaschen. Und als Sahnehäubchen gab es am Ende des einstündigen Programms noch einige von seinen berüchtigten Elefanten-Vierzeilern und eine Hymne auf Rottenburg: "Es gibt Städte, wo richtig was los ist - und es gibt Rottenburg ..."

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