Kommentar: Zum Abschied die Zukunft gestaltet

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Der Blick in die dicht gefüllten Sitzreihen allein schon sagte alles. Minister und Ex-Minister, amtierende und einstige Abgeordnete, der Landrat mit seinen Vorgängern, hohe Vertreter des Gemeindetags, Kirchenobere und fast sämtliche Bürgermeister aus dem Kreisgebiet: Sie alle waren gekommen, um Rudolf Heß zu verabschieden. "Das ist schon beeindruckend, wie viele Weggefährten hier sind", kam Landrat Thomas Reumann da nicht umhin zu sagen. Um dann Rudolf Heß zu fragen: "Sollen wir Sie wirklich gehen lassen?". Mancher Pfullinger mag angesichts dieser Frage heftig den Kopf schütteln und "Nein" rufen. Denn nach 32 Jahren Rudolf Heß steht die Stadt vorbildlich da.

Im vergangenen Jahr, dem letzten seiner Amtszeit, hat der Bürgermeister ein Großprojekt nach dem anderen angestoßen. Das Dienstleistungs- und Einkaufszentrum, die Sporthalle, die Pläne fürs Klosterareal, die Green Village: Heß hat Pfullingen nicht nur fit für die Zukunft gemacht, er hat der Stadt auch seinen Stempel aufgedrückt. Oder wie er selbst gegenüber unserer Zeitung bekannte: "Ich habe vieles unumkehrbar gemacht." Und das mit einer Effizienz und in einem Tempo, dass der Gemeinderat schriftlich angefragt hat, "ob das alles vor Weihnachten denn noch sein muss", wie Dr. Ulrich Zimmermann beim Festakt vor großem Publikum erklärte.

So manches, scheint's, hätte der Gemeinderat gern dem Nachfolger überlassen. Doch für den bleiben, wie Heß gern argumentiert, noch einige Zukunftsthemen liegen. Er darf sich zum Beispiel an Tempo 30 abarbeiten, einem Jugendgemeinderat den Weg ebnen und sich beim Thema Kulturhaus - Schloss oder Klosterkirche? - mit den Bürgern einig werden.

Freilich dürfte Michael Schrenk spätestens seit Donnerstagabend etwas mulmig zumute sein. Denn was da alles über seinen Vorgänger im Amt gesagt wurde, das zeugt - auch wenn die Formulierung etwas ausgetreten daherkommt - von "großen Fußspuren". In die hineinzutreten sollte sich Michael Schrenk wohl gar nicht erst die Mühe machen. Eigene Wege, eigene Ideen, eigene Perspektiven braucht er jetzt, will er Pfullingen prägen.

Am Dienstag um 16 Uhr wird Rudolf Heß ihm den Rathausschlüssel in die Hand drücken. Ob es dann der Beginn einer neuen großen Ära ist - in einigen Jahren wissen wir mehr.

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