Klettern wie ein Affe

Dass die 17 Kinder Spaß bei der Kindersportfreizeit hatten, war ihnen deutlich anzusehen. Und das Miteinander von behinderten und nichtbehinderten Jungen und Mädchen? Kein Problem, so Laura Schmauder.

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Niemand ausgrenzen - so hieß das Konzept der ersten inklusiven Kindersportfreizeit der TSG. Foto: Norber Leister

Die TSG Reutlingen zeigte sich mal wieder innovativ: "Wir bieten ja schon viele Jahre in den Oster-, Pfingst- und Sommerferien Sportfreizeiten für Kinder an", sagte Dr. Benjamin Haar beim Pressetermin in der TSG-Sporthalle. Dass aber Kinder im Alter zwischen sieben und zehn Jahren, egal ob behindert oder nichtbehindert, gemeinsam einige Vormittage spielend und sporttreibend miteinander verbrachten, "das war jetzt zum ersten Mal", betonte der TSG-Geschäftsführer.

Ausgedacht hatte sich dieses Projekt aber nicht etwa die Leitung des größten Reutlinger Sportvereins, sondern zwei junge Frauen, die nach dem Abitur momentan ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der TSG absolvieren. Laura Schmauder und Katja Hornung hatten sich überlegt, wie sie solch eine inklusive Kinderfreizeit angehen könnten. In die Vorbereitung haben sie viel Zeit investiert. Und dabei lang und intensiv nachgedacht, wie Bewegungen, Spiele und Wettbewerbe konzipiert werden müssen, "damit niemand ausgegrenzt wird", erläuterte Laura Schmauder.

Herausgekommen ist bei all den Überlegungen etwa eine Dschungel-Olympiade. Ein Beispiel daraus: Musik wird abgespielt, hört plötzlich auf - und dann müssen die Kinder ein Dschungeltier nachahmen. Oder: Die Kids sollen klettern wie ein Affe. Und dann auch noch Kokosnüsse einsammeln - in der Form von Medizinbällen.

Die jungen Teilnehmer der Kindersportfreizeit hatten sichtlich viel Freude an den vorgegebenen Spielen - aber auch an den Freiräumen, die sie in der aufgebauten Bewegungslandschaft hatten. Rutschen waren dabei, Wippen und Balanciermöglichkeiten, krabbeln, klettern, springen, hüpfen, schaukeln und noch viel mehr Fähigkeiten waren da gefordert.

Die Landschaft aus einzelnen Bewegungsmöglichkeiten dient nach den Ausführungen von Benjamin Haar dazu, "dass die Kinder grundlegende motorische Erfahrungen sammeln". In der heutigen Kinderwelt vor allem in der Stadt sei das selbstbestimmte Spielen ja kaum mehr möglich, kicken auf der Straße, durch den Wald toben, auf Bäume Klettern oder durch Bäche waten und sich bei alledem selbst ausprobieren sei ja kaum mehr möglich, so der TSG-Geschäftsführer.

Problematisch sei dieses nachgestellte Austesten der eigenen Fähigkeiten nun bei der Kindersportfreizeit nicht gewesen, sagte Laura Schmauder. "Die Kinder wissen selbst ganz genau, was sie können und was nicht", betonte die FSJlerin. Und sollten die Jungen und Mädchen sich etwa an die Kletterwand oder auf die Rutsche nicht allein trauen, "dann holen sie sich Hilfe von den Betreuern".

Apropos Betreuer: Außer Katja Hornung und Laura Schmauder war der dritte TSG-FSJler Thian Tran in der Kindersportwoche nun mit dabei, außerdem zwei Trainer aus der Inklusiv-Abteilung der TSG. Die sind beide Studierende an der Fakultät für Sonderpädagogik in Reutlingen - die aber in Bälde aufgelöst wird und nach Ludwigsburg umzieht. Dieser Umstand erweist sich also nicht nur als Problem für die Lebenshilfe, die die Einzelbetreuung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderung auf neue Füße stellen muss. Auch die TSG Inklusiv-Abteilung - die zuvor Behindertensport-Abteilung hieß und insgesamt 600 Mitglieder zählt - wird künftig Schwierigkeiten haben, die angehenden Sonderpädagogen zu ersetzen.

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